AT: Fehlende Strahlentherapie-Plätze stellen Ärzt:innen und Patient:innen vor große Herausforderungen

17. Juli 2022 | News Österreich, Onkologie | 0 Kommentare

Amethyst Radiotherapy Austria fordert ÖGK und Ärztekammer zum sofortigen Handeln auf

In Österreich leben rund 390.000 an Krebs erkrankte Menschen. Jährlich kommen 45.000 Neuerkrankte dazu. Davon benötigen mehr als 60 Prozent einmal oder häufiger eine Strahlentherapie.

Anfang 2022 erschien erstmals der „Österreichische Krebsreport“. Die Daten zeigen den negativen Einfluss der CoV-Pandemie auf die Früherkennungsaktivitäten und auf Probleme wie Isolation und Ängste der Menschen mit Krebs.

Paul Sevelda, Präsident der Österreichischen Krebshilfe, zeichnete damals bereits ein düsteres Bild: „Die Pandemie war am Anfang von einem dramatischen Einbruch bei der Krebsfrüherkennung gekennzeichnet.“

Seither kamen noch weitere Herausforderungen auf die heimische Strahlentherapie Einrichtungen durch die gestiegene Zahl an Ukrainischen Flüchtlingen, die an Krebserkrankungen leiden hinzu; ganz zu schweigen von den erneut steigenden CoV-Pandemie Infektionszahlen und damit einhergehend eingeschränkten Therapieplätzen aufgrund der Auslastung der Österreichischen Spitäler.

Operationsprogramme werden in Kürze wieder auf Notfälle und nur „absolut dringliche Fälle“ beschränkt und bundesweit schlagen Ärzte Alarm und verweisen auf die stet steigenden Personalausfälle, die Überforderung des medizinischen Personals und die Notsituation in den heimischen Krankenhäusern.

Dr. Paul Stuchetz, Geschäftsführer von Amethyst Radiotherapy Austria, zeigte bereits vor Monaten den aktuellen Notstand auf und verwies im Besonderen auf die besorgniserregende Situation der Strahlentherapie-Patient:innen in Österreich.

Seit Ausbruch der Pandemie zu Jahresbeginn 2020 mussten Strahlentherapien verschoben werden. Ein Umstand, der den Heilungsprozess nachhaltig negativ beeinflusst.

„Es ist ungemein wichtig, dass ein Mensch mit einer Krebserkrankung rasch behandelt wird, um dem Krebs möglichst wenig Zeit zu geben zu wachsen oder zu streuen. Es ist medizinisch erwiesen, dass man pro vier Wochen Wartezeit auf eine Strahlenbehandlung um zehn bis zwanzig Prozent geringere Heilungschancen hat“, führt Dr. Paul Stuchetz seine große Sorge aus.

Wien bietet im Bereich der Strahlentherapie ein für „normale Zeiten“ gutes und ausreichendes Angebot an Strahlentherapieplätzen. Allerdings hat sich das Bild aufgrund von Corona und den steigenden Zahlen zu therapierenden Patient:innen aus der Ukraine verschoben und das Auslangen ist mit den bestehenden 15 Linearbeschleunigern (kurz „Linac“ für „linear accelerator“) für die große Herausforderung der kommenden Monate – vielleicht Jahre – nicht gegeben.

„Es ist beschämend, dass Krebspatient:innen in Österreich keine sofortige und umfassende Strahlentherapie erfahren! Allein das Verhalten und Schweigen der – in den vergangenen Wochen durch Rechnungshofberichte in negative Schlagzeilen gekommene – Österreichische Gesundheitskasse (ÖGK) ist nicht nachvollziehbar! ÖGK-Generaldirektor Mag. Bernhard Wurzer hat im Sinne der Gesundheit aller Krebspatient:innen zu handeln – und dazu fordere ich ihn zum wiederholten Mal auf!“, beklagt Dr. Paul Stuchetz das Schweigen der ÖGK; und weiter: „Daher fordere ich ein temporäres Öffnen aller Strahlentherapieplätze und die Etablierung eines Kassentarifs für Wahlärzte in der Strahlentherapie! Gesundheitsminister Johannes Rauch ist gefordert zu handeln!“

Mit den vorhandenen Linacs können in Wien bis zu 6.000 Patient:innen pro Jahr behandelt werden. Der Bedarf an Strahlentherapieplätzen wird in Wien in den kommenden Monaten weit höher ausfallen. Der seit dem Jahr 2020 von Amethyst Radiotherapy Austria auf dem Areal der Wiener Privatklinik betriebene Linac erweitert die Behandlungskapazität in Wien um 20 Prozent. Die Kosten der Behandlung durch Amethyst Radiotherapy Austria sind ident mit jenen Behandlungskosten in einem öffentlichen Krankenhaus.

„Es entsteht dadurch kein finanzieller oder wirtschaftlicher Nachteil für die ÖGK, aber ein ein unglaublicher Vorteil für alle an Krebs erkrankten Patient:innen“, so Dr. Paul Stuchetz; und weiter: „Krebs kennt alles, nur keine Zeit! Behandlungsplätze bleiben dennoch ungenutzt – das muss nicht sein, wenn wir in derart fordernden Zeiten wie diesen unsere Verantwortung leben! Warum Fehler der vergangenen beiden Jahre wiederholen? Die Gesundheit der Krebspatient:innen liegt nun in der Hand der ÖGK.“

Amethyst Radiotherapy Austria: https://amethyst-radiotherapy.at

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)