AT: Facebook-Posting von Dr. Alexander Van der Bellen

Alexander Van der Bellen

Am Telefon mit Michael Urschitz. Vor ziemlich genau einem Jahr, am Höhepunkt der dritten Corona-Welle, habe ich schon einmal mit ihm telefoniert, um seine Einschätzung der Lage zu hören. Als Fachbereichs-Vorsitzender der Intensivpflege hat Herr Urschitz einen breiten Überblick über die aktuelle COVID19-Situation in den Krankenhäusern und Intensivstationen und ist mit Kolleginnen und Kollegen der Pflege in den Bundesländern in regelmäßigem Austausch. Seine Schilderung der aktuellen Situation machen betroffen. Bitte nehmen Sie sich kurz Zeit, das zu lesen:

Michael Urschitz bestätigt: Die Lage in Österreich ist sehr, sehr kritisch. Die Hotspots sind Oberösterreich und Salzburg. Dass Leichen wegen Überfüllung am Gang abgelegt werden müssen, dass Pflegerinnen und Pfleger Verstorbene in Leichensäcke packen müssen – das gehört normalerweise nicht zum Berufsbild, ist aber derzeit in manchen Krankenhäusern schon Realität.
Jeder einzelne Dienst ist eine enorme Herausforderung, eine Belastung für die Pflegerinnen und Pfleger – mental, vor allem aber auch körperlich. Denn die Arbeit mit COVID-Erkrankten ist Arbeit mit Schwerkranken unter extremen Bedingungen, mit Schutzkleidung, unter der es schnell heiß wird, langen Diensten, oft ist keine Zeit für (Trink- und Klo-)Pausen.

Auch ohne COVID ist die Arbeit auf einer Intensivstation generell belastend und gewöhnungsbedürftig für junge Berufseinsteigerinnen und Berufseinsteiger. Jetzt, wo die Intensivstationen mit vielen COVID-Erkrankten belegt sind, werden junge Pflegerinnen und Pfleger nach der Ausbildung ohne Eingewöhnungszeit vom Tag 1 an in Schutzanzüge gesteckt und ans Bett von schwerkranken Menschen gestellt und müssen mit dieser Situation umgehen – das sei oft kaum auszuhalten, berichtet Michael Urschitz. Die physische und psychische Belastung ist enorm und das seit mittlerweile über 20 Monaten. Groß ist die Sorge, dass Pflegerinnen und Pfleger, auch wenn sie noch so motiviert und engagiert arbeiten, den herausfordernden Job irgendwann nicht mehr ausüben wollen.

Michael Urschitz hat nur eine Bitte an Politik: „Bitte nehmen Sie die Situation ernst“.

Ich möchte mich an dieser Stelle ausdrücklich bei allen Ärztinnen und Ärzten und Intensivpflegerinnen und -pflegern und dem gesamten Krankenhauspersonal bedanken, die derzeit mit großer Solidarität, höchstem Einsatz und unter extrem hoher Arbeitsbelastung Tag für Tag alles tun, um Leben zu retten.

Autor:in

  • Michael Urschitz BSc, Intensivpfleger Sanatorium Kettenbrücke der Barmherzigen Schwestern GmbH, Student ANP Masterstudium (IMC FH Krems),