AT: „Es verschieben sich die Wertigkeiten.“

©Diakoniewerk/Ness Rubey Elke Hofstadler begleitet Menschen im Alter in einem Haus für Senioren des Diakoniewerks.

Anlässlich des Internationalen Tages der Pflege am 12. Mai berichtet Elke Hofstadler, Diplomsozialbetreuerin für Altenarbeit in einem Haus für Senioren des Diakoniewerks, über die vielen Aspekte ihrer Tätigkeit, die die Arbeit für sie so vielseitig und spannend machen.

Als sich Elke Hofstadler im Jahr 2011 dazu entschloss, in der Pflege von Menschen im Alter zu arbeiten, wusste sie noch nicht, wie viele Facetten der Job mit sich bringen würde. Sie arbeitete zuvor jahrelang in einer Praxis eines Arztes und hat sich danach bewusst für die Pflege in einem Alten- und Pflegeheim entschieden. Und damit bewusst für eine Begleitung von Menschen in ihrem letzten Lebensabschnitt. „Jeder Mensch muss Geschichten aufarbeiten, um loslassen zu können. Ich profitiere selbst sehr stark von Gesprächen mit Menschen im Alter. Es ist für mich eine Hilfe und auch eine Ehre, wenn ich sehe, welche Strategien Menschen zur Bewältigung verschiedener Lebenssituationen entwickelt haben. In einem Haus für Senioren verschieben sich die Wertigkeiten – es geht nicht mehr um Materielles. Augenblicke werden intensiver wahrgenommen.“

Ihre Arbeit beschreibt Elke Hofstadler als „vielfältig und lohnend“. Vom gemeinsamen Lachen bis zum gemeinsamen Weinen. Teilhaben zu können an individuellen und ganz privaten Lebensereignissen bereitet ihr am meisten Freude. „Es macht mich stolz, dass Menschen mir so viel Vertrauen schenken“, so Hofstadler.

Dass derzeit die Arbeit in der Pflege manchmal nicht genügend Beachtung findet, findet Frau Hofstadler schade. „Wir alle werden einmal Pflege in irgendeiner Form brauchen. Und wir werden uns glücklich schätzen, im Alter nicht allein zu sein. Unsere Arbeit wird oft unter ihrem Wert dargestellt.“

Gewisse Momente aus der Corona-Zeit bleiben Elke Hofstadler besonders in Erinnerung. Manche Bewohner:innen haben Corona schlimmer empfunden als den Krieg. Da lag es am Fingerspitzengefühl der Mitarbeiter:innen, bewusst nicht mehr die Nachrichten einzuschalten und sie vor weiteren Negativmeldungen zu schützen. In dieser Zeit war es notwendig, mehr Zeit für Zuhören und Reden mit den Bewohner:innen aufzubringen. An Corona angepasste Dienstpläne machten es möglich, den ganzen Tag – vom Munterwerden bis zum Schlafengehen – präsent zu sein. Das Ergebnis war ein Gemeinschaftsgefühl – nicht nur unter Mitarbeiter:innen, sondern auch mit den Bewohner:innen – das in dieser Zeit ganz stark spürbar war.

„Natürlich entstehen mit unseren Bewohner:innen im Laufe der Zeit enge Beziehungen, da fällt der Abschied schon auch schwer. Aber ich freue mich, einen Beitrag in ihrem letzten Lebensabschnitt leisten zu können. Loslassen gehört zum Leben dazu“, so Elke Hofstadler. Und was aus ihrer Sicht den Job so besonders macht: „Jeden Tag erwarten mich andere Situationen. Menschen mit Demenz versehen mich mit verschiedenen Rollen.“

Dass nicht immer alles einfach und teilweise auch richtig anstrengend sei, trübt ihre Freude an der Arbeit nicht. „Welcher Job ist immer einfach? Was ich in meiner Tätigkeit wirklich positiv sehe, ist, dass ich in meiner eigenen Persönlichkeit täglich wachse. Und allein aus diesem Grund würde ich gegen keinen anderen Job tauschen wollen“, so Hofstadler.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)