AT: Erstmals in der Geschichte der Medizin hilft eine autonome Drohne, einen Patienten mit Herzstillstand zu retten

(C) Everdrone AB

Erstmals in der Geschichte der Medizin hat eine Drohne eine entscheidende Rolle dabei gespielt, einen Patienten mit plötzlichem Herzstillstand zu retten. Diese weltweit einzigartige Errungenschaft trug sich im Dezember 2021 im schwedischen Trollhättan zu: Eine autonome Drohne von Everdrone lieferte einen Defibrillator, mit dem das Leben eines 71-jährigen Mannes gerettet werden konnte.

„Das ist eine wirklich revolutionäre Technologie, die überall eingesetzt werden muss“, erklärt der Patient, der sich inzwischen vollständig erholt hat.

Der Emergency Medical Aerial Delivery Service (EMADE) von Everdrone, ein innovatives Glied in der Kette lebensrettender Maßnahmen der Region Västra Götaland, Schweden, ist am Morgen des 9. Dezember 2021 auf seine härteste Probe gestellt worden. In der schwedischen Stadt Trollhättan räumte ein 71-jähriger Mann vor seinem Haus Schnee und erlitt dabei einen plötzlichen Herzstillstand (OHCA – Herzstillstand außerhalb der Klinik). Dank der Kombination aus einem sofortigen Notruf, dem schnellen Handeln von Dr. Mustafa Ali und der schnellen Lieferung eines automatisierten externen Defibrillators (AED) konnten noch vor der Ankunft des Rettungswagens lebensrettende Maßnahmen durch Defibrillation eingeleitet und sein Leben gerettet werden. Die Zeit vom Notruf bis zur sicheren Zustellung des AED direkt an die Unfalladresse betrug etwas mehr als drei Minuten. Nach der ersten Behandlung vor Ort wurde der Patient ins Krankenhaus gebracht und ist inzwischen vollständig genesen.

„Ich kann nicht in Worte fassen, wie dankbar ich für diese neue Technologie und die schnelle Lieferung des Defibrillators bin. Ohne die Drohne wäre ich wahrscheinlich nicht mehr hier“, sagt der 71-jährige Patient, der sich vollständig erholt hat und wieder zu Hause ist.

Für Dr. Mustafa Ali war die Erfahrung trotz des Ernstes der Situation genauso zufriedenstellend.

„Ich war auf dem Weg zur Arbeit im örtlichen Krankenhaus, als ich aus dem Autofenster schaute und einen Mann in seiner Einfahrt zusammenbrechen sah“, erzählt Dr. Ali. „Ich begriff sofort, dass etwas nicht stimmte und eilte hin, um zu helfen. Der Mann hatte keinen Puls, also begann ich mit der HLW (Herz-Lungen-Wiederbelebung) und bat einen Passanten, die 112 zu wählen (die schwedische Notrufnummer). Wenige Minuten später sah ich etwas über meinem Kopf fliegen. Es war eine Drohne mit einem Defibrillator!“

Dank Dr. Ali und dem Einsatz des Defibrillators konnten frühzeitig lebensrettende Maßnahmen eingeleitet werden, die letztendlich das Leben des Patienten retteten.

„Das ist eine wirklich revolutionäre Technologie, die überall eingesetzt werden muss. Plötzliche Herzstillstände können jeden betreffen, nicht nur alte Menschen mit Arteriosklerose“, so der Patient.

Das Drohnenliefersystem in der Region Västra Götaland wird von Everdrone, einem weltweit führenden Unternehmen für autonome Drohnenlösungen, entwickelt und betrieben. Die Lösung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Zentrum für Reanimationswissenschaft am Karolinska-Institut, SOS Alarm und der Region Västra Götaland entwickelt und stetig verbessert. Der Betrieb wird auch von Vinnova, Swelife und Medtech4Health unterstützt.

„Dies ist ein hervorragendes Beispiel dafür, wie die hochmoderne Drohnentechnologie von Everdrone, die vollständig in die Notfallrettung integriert ist, die Zeit für den Zugang zu lebensrettenden AED-Geräten minimieren kann“, betont Mats Sällström, CEO von Everdrone.

Etwa 275.000 Patienten in Europa und 350.000 in den USA erleiden jedes Jahr einen OHCA. Etwa 70 % der OHCA treten in privaten Haushalten ohne AED auf, und die Zeit bis zum Eintreffen des Krankenwagens ist oft zu lang, um das Leben des Patienten zu retten. Die Überlebenschancen sinken mit jeder Minute nach dem Zusammenbruch um 7 bis 10 %. Folglich beträgt die aktuelle Überlebensrate bei OHCA-Patienten nur 10 %. Der innovative luftgestützte AED-Lieferservice von Everdrone ist eine bewährte Methode, um dieses grundlegende Problem zu lösen. Der Dienst kann derzeit 200.000 Einwohner in Schweden erreichen und wird voraussichtlich bis 2022 an weitere Standorte in Europa expandieren.

Das Drohnensystem wurde wissenschaftlich etabliert, um die Reaktionszeiten zu verkürzen. Die vollständige Studie wird im European Heart Journal veröffentlicht.

https://academic.oup.com/eurheartj/advance-article/doi/10.1093/eurheartj/ehab498/6358076

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)