AT: Erste Hilfe bei Herzstillstand – gerade in Zeiten von Corona entscheidet sie oft über Leben oder Tod!

Die Angst vor einer Ansteckung in der Bevölkerung ist jedoch groß

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Die Bundesländer Wien und Niederösterreich, sowie einige Bereiche österreichweit, befinden sich weiterhin im Lockdown. Täglich wird in den Medien über die voll ausgelasteten Intensivstationen in den Spitälern in Wien und anderen Bundesländern berichtet. Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber, Kardiologe, Intensivmediziner und Abteilungsvorstand der 3. Medizinischen Abteilung mit Kardiologie an der Klinik Ottakring und Präsident des Österreichischen Herzfonds zeigt sich sehr besorgt:

Nicht nur Covid-19 Patient*innen werden intensivmedizinisch betreut, auch für Personen nach Herzinfarkten und Schlaganfällen müssen in den Intensivstationen freie Betten zur Verfügung stehen, um deren Überleben zu sichern. Auffällig ist, dass in der Pandemie immer mehr Personen mit Herzstillstand eingeliefert werden, denen zu spät geholfen wurde. Wenn aber die Sauerstoffzufuhr zum Gehirn zu lange unterbrochen war, können bleibende Schäden oder sogar der Tod die Folge sein.

Ein Mitgrund dafür ist, so Prim. Univ.-Prof. Dr. Kurt Huber weiter, die Angst der Menschen, sich mit Covid-19 anzustecken. Das führt einerseits dazu, dass sich Patient*innen trotz Beschwerden zu spät oder gar nicht in Behandlung begeben (wir haben darüber im Dezember berichtet) und daher häufiger außerhalb eines Spitales wiederbelebt werden müssen, oder zufällig anwesende Personen (sogenannte „Bystander“) im Falle einer nötigen Laien-Reanimation den direkten Kontakt mit Patient*innen scheuen, wie aus einer internationalen Studie hervorgeht:

Die Studie „ESC Acute, CardioVascularCare 2021” von Dr. Keith Couper (University of Warwick) zeigt am Beispiel Paris (Frankreich) drastisch veränderte Zahlen während des Lockdowns:

  • 13% weniger Wiederbelebungsmaßnahmen insgesamt (!)
  • 13% Anstieg bei Herzstillständen, die zu Hause passieren (!)
  • 16% weniger Wiederbelebungsmaßnahmen von anwesenden Laien (!)
  • Verspätete Reaktionszeit bis zum Einsetzen der Reanimationsmaßnahmen, was die Überlebenschance signifikant verminderte (!)

Diese Tatsache ist für den Präsidenten des Österreichischen Herzfonds ein Grund, die Bevölkerung darüber zu informieren. Auch deswegen, weil der gemeinnützige Fonds am 7. Mai sein 50jähriges Gründungsjubiläum feiert. Denn einer der „ersten Meilensteine“ war die Etablierung der Laien-Reanimation in Schulen und in der breiten österreichischen Bevölkerung. Seither gibt es viele Organisationen, die diese Schulungen anbieten. Und es hat sich in den Empfehlungen der Laien-Reanimation Wesentliches geändert:

Die früher angewendete Mund-zu-Mund-Beatmung wird nicht mehr empfohlen und ist einer sofortigen reinen Herzdruckmassage gewichen (European Resucitation Council, www.cprguidelines.eu)

Sicherheitsmaßnahmen – So schützen Sie sich auch in COVID-Pandemie-Zeiten

  • Das Tragen einer FFP2 Maske schützt den Ersthelfer sowie die betroffene Person
  • Keine Mund-zu-Mund-Beatmung, Konzentration auf die Herzdruckmassage
  • Mund und Nase des Betroffenen mit Tuch oder Kleidungsstück abdecken
  • Wenn vorhanden, Handschuhe benutzen
  • Nach erfolgter Reanimation Hände waschen oder desinfizieren

Helfen Sie auf jeden Fall, wenn es die Situation erfordert. Wenn Sie nichts tun, kann die betroffene Person schwere Hirnschäden erleiden oder sterben. Helfen Sie und retten Sie Leben!

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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