AT: Erfolgsschau „Coronas Ahnen“ in der Kaiserlichen Wagenburg wird bis 26.9.2021 verlängert

(C) © Foto: Johannes Stoll

Masken, Seuchenprävention und Impfdebatten – spannende Einblicke in die heimische Epidemiegeschichte von 1500 bis 1918

Wien (OTS) – Das Kunsthistorisches Museum zeigt in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn derzeit die „Ausstellung der Stunde“ zur Geschichte von Epidemien und Pandemien vergangener Jahrhunderte. Nun wird die Schau „Coronas Ahnen. Masken und Seuchen am Wiener Hof 1500–1918“ aufgrund der großen Resonanz um fast ein halbes Jahr bis 26. September 2021 verlängert.

Die Corona-Pandemie ist für die meisten Menschen ein ebenso unfassbares wie unerwartetes Phänomen. Das liegt vor allem daran, dass wir längst vergessen haben, dass unsere Vorfahren jahrhundertelang mit der Angst vor Seuchen leben mussten. Immer wieder wurde die Welt von schrecklichen Seuchen wie Pest, Pocken, Cholera oder Spanischer Grippe heimgesucht. Die Strategien, mit denen man sie zu bekämpfen suchte, wirken erstaunlich vertraut: Schon in der Frühen Neuzeit gab es Schließungen von Grenzen und Vergnügungsstätten, Handelsbeschränkungen, Verbote großer Menschenansammlungen und Quarantäne für Reisende, Kranke und deren Kontaktpersonen.

Die Kaiserliche Wagenburg möchte mit dieser Ausstellung einen Beitrag dazu leisten, die Ereignisse, mit denen wir derzeit konfrontiert sind, durch den Blick auf die Vergangenheit umfassender zu begreifen. Einzigartige Objekte – großteils aus den Beständen des KHM-Museumsverbands – erzählen die Geschichte von Masken und Seuchen am Wiener Hof, aber auch darüber hinaus, von 1500 bis 1918. Dabei spannt sich der Bogen von Turnier- und Karnevalsmasken über imposante Trauerroben der Habsburger bis hin zu Zeugnissen der großen Epidemien und ersten Dokumenten zur Impfgeschichte.

Im Schutz der Maske

Das auffälligste und vielfach umstrittene Symbol der Corona-Pandemie ist der Mund-Nasen-Schutz, der zur Verhinderung von Ansteckung in vielen Bereichen des Alltagslebens getragen werden muss. Das tägliche Bedecken des Gesichts ist in Europa unbekannt und wird daher oft als übertriebene Einschränkung der persönlichen Freiheit empfunden. Das gelegentliche Tragen von Masken hat aber durchaus Tradition und war in der Geschichte meist positiv besetzt: In der streng hierarchischen Gesellschaft des Mittelalters, aber auch im Barock und bis ins 19. Jahrhundert bot die Maske in der Faschingszeit einmal im Jahr die Möglichkeit, unerkannt auf den Straßen und später auch bei Maskenbällen zu feiern, in andere Rollen zu schlüpfen und so – anonym und straffrei – öffentlich Kritik zu üben. Die Maske bot somit zugleich (gesellschaftlichen) Schutz und Freiheit und blieb bis ins 19. Jahrhundert hinein ein wichtiger Teil des Wiener Faschingslebens. Zur Prävention von Ansteckungen hingegen kamen Masken erstmals in der Zeit der Spanischen Grippe Anfang des 20. Jahrhunderts zum Einsatz.

Grenzschließungen, Quarantäne und Gottvertrauen

Bereits zu Zeiten der Pest waren Grenzschließungen und Quarantäne die wichtigsten Mittel zur Bekämpfung der Pandemie. Kranke und deren Angehörige wurden in einem abgesperrten Lazarettviertel untergebracht und das öffentliche Leben wurde auf ein Minimum reduziert. Darüber hinaus vertrauten die Habsburger im Kampf gegen diese schreckliche Krankheit vor allem auf Gott und glaubten, durch Votivgaben ein Ende dieser Geißel herbeiführen zu können. Diesem Umstand sind in Wien die Pestsäule am Graben und die Karlskirche zu verdanken. Der Hoftheater-Ingenieur Lodovico Ottavio Burnacini, von dem das erste Konzept für die Pestsäule stammt, hat dazu sowie auch von Pestlagern vor der Stadt eindrucksvolle Zeichnungen hinterlassen, die in der Ausstellung zu sehen sind.

Dem legendären Wiener Theaterkünstler des 17. Jahrhunderts ist derzeit auch im Theatermuseum am Lobkowitzplatz eine umfassende Schau gewidmet: Groteske Kommödie – Lodovico Ottavio Burnacini – noch zu sehen bis 3. Mai 2021.

Impfpionierin Maria Theresia und frühe Impfdebatten

Nachdem Maria Theresia 1767 selbst eine schwere Pockenerkrankung überlebt hatte, entschloss sie sich, ihre jüngsten Kinder impfen zu lassen. Die Impfung mit menschlichem Serum konnte sich trotz der erhofften Vorbildwirkung in der österreichischen Bevölkerung nicht durchsetzen. Erst als um 1800 die Impfung mit Kuhserum aufkam, stieg die Impfbereitschaft langsam an. Durch Informationsoffensiven der Pfarren, öffentliche Bloßstellung von Impfverweigerern und landesweite Impfkampagnen konnte im Laufe des 19. Jahrhunderts schließlich eine gute Immunisierung erreicht werden. Doch waren auch Impfdebatten von Anfang an ein steter Begleiter dieser medizinischen Errungenschaft. Heute sind die Pocken ausgerottet – sie sind die einzige Krankheit, bei der dies durch eine Impfung gelang.

1918 – erstes Gesundheitsministerium in Österreich

Die größte Ähnlichkeit mit der heutigen Situation hatte die Spanische Grippe, die 1918 in der ganzen Welt enorme Opfer forderte. In Österreich war das erst in jenem Jahr gegründete Ministerium für Volksgesundheit mit ihrer Bekämpfung betraut, von dem eine Uniform des Monturdepots gezeigt werden kann. Die Maßnahmen, die damals ergriffen wurden, kommen uns heute sehr vertraut vor: Sie reichten von der Schaffung eigener Spitalsstationen bis zur Schließung von Theatern und Schulen. Die gesetzliche Grundlage dafür war das Epidemiegesetz aus dem Jahr 1913, auf dem auch die aktuelle Corona-Gesetzgebung beruht.

INFORMATION

Die Ausstellung „Coronas Ahnen“ in der Kaiserlichen Wagenburg in Schönbrunn ist täglich von 10 bis 16 Uhr zu sehen, ab 15.3. täglich von 9 bis 17 Uhr.

Alle aktuellen Besucherinfos zur Ausstellung finden Sie hier.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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