AT: Endometriose: Der erste Dokumentarfilm feiert Premiere

Regisseurin Ranya Schauenstein (links) und Kamerafrau Tabea Hablützel (rechts) beim Dreh des Dokumentarfilms (c) nicht die regel

Neun Frauen, eine Botschaft: Bewusstsein für die chronische Erkrankung Endometriose. nicht die regel heißt der erste Dokumentarfilm in deutscher Sprache.

Wien (OTS) – Mut machen und Mythen aufklären: Das ist das Ziel des Dokumentarfilms nicht die regel. Finanziert wurde die erste deutschsprachige Produktion über die chronische gynäkologische Erkrankung per Crowdfunding. Neun Betroffene aus der Medien- und Kreativbranche haben ihn pro bono auf die Beine gestellt. Über Facebook startete Ranya Schauenstein 2019 den Aufruf. “Ich wollte einfach zeigen, wie viele Frauen ich allein schon zusammentrommeln kann, die Endometriose haben. Wir sind viele, wir haben Stärke und zeigen enorme Leistung”, sagt sie. nicht die regel ist das Debüt der jungen Regisseurin und feiert am 2. September 2021 seine Team’n’Friends-Premiere im Wiener Burg Kino. Weitere Vorführungen in Wien sind geplant, etwa die öffentliche Premiere am 8. September 2021 im Stadtkino Wien.
Der Film ist zum Streamen über Vimeo on Demand ab dem 3. September 2021 verfügbar. Der Vorverkauf läuft bereits.

Drei Geschichten – Eine Krankheit: „Da ist Kraft“

Alexandra, Anita und Julia stehen an ganz unterschiedlichen Punkten in ihrem Leben. Was sie vereint, ist eine Krankheit, von der sie vorher noch nie gehört haben und der lange Weg bis zur Diagnose. Sie berichten von ihren ganz persönlichen Erfahrungen und dem Umgang mit Endometriose. „Trotz immer wieder starker Schmerzen, habe ich irgendwann gespürt: Da ist Kraft. Das alles hält mein Körper aus“, sagt eine der Protagonistinnen des Films.

Schauensteins Debüt gewährt einen persönlichen Blick über die Schulter von drei Betroffenen. Gestützt werden die Geschichten mit renommierten Endometriose-Expert:innen, u.a. Dr. Nadja Fritzer (Psychologin), Dr. Gernot Hudelist (Leitung Endometriosezentrum Barmherzige Brüder, Wien), Prof. Dr. Jörg Keckstein (Leitung Endometriosezentrum KH Villach), Dr. Alexander Krell (Gynäkologe & Endometriose-Spezialist), Dr. Monika Matal (Gynäkologin & Endometriose-Spezialistin), Univ.-Prof. Andreas Obruca (Leiter des Kinderwunschzentrums an der Wien), Olivia Schmidjell (Physiotherapeutin), Masoumeh Zolbin PhD. (Wissenschaftlerin der Universität Teheran) sowie Prof. René Wenzl (Leitung Endometriose- Zentrum AKH Wien) und Dr. Alexandra Kautzky-Willer (Leiterin der Gender Medicine Unit der MedUni Wien). Ebenso ergänzen Ines Mayer, Obfrau der Endometriosevereinigung Austria, Aktivistin Stephanie Cox und Endometriose-Influencerin Anna Wilken.

Betroffene werden selbst aktiv: „Sich zu trauen, lohnt sich. Am 2. September geht mein Traum in Erfüllung“

Der mit Crowdfunding finanzierte Film hatte ein Budget von 27.205 Euro. „Das ist wirklich kein großes Budget. Ohne mein Team, das ehrenamtlich besonders in den letzten Wochen sehr intensiv gearbeitet hat, wäre das niemals möglich gewesen. Diese Produktion war wirklich alles, nur ‘nicht die regel’“. Kein Filmverleih, Remote-Arbeit von Cutterin und Redaktion, Online-Vertrieb on Demand: Tatsächlich wurde nicht die regel etwas anders produziert, als das üblicherweise geschieht. „Mein Anspruch an mich selbst war: Wir haben das geschafft – unabhängig, ohne Förderungen. Das Handwerkszeug dazu habe ich gelernt. Viele Frauen aus der Filmbranche trauen sich nicht, ihre Geschichten zu erzählen. Unsere Bildausschnitte, unsere Geschichten müssen aber auf die Leinwand und wir Betroffene können sie am besten erzählen.“, appelliert Ranya Schauenstein. „Ich weiß, es ist scary, aber es lohnt sich. Am 2. September geht mein Traum in Erfüllung, meinen eigenen Film auf der Leinwand zu sehen.“

Bewusstsein und Dialog: Endometriose braucht Fingerspitzengefühl

Regie aus Wien, Kamera und Schnitt aus der Schweiz, Öffentlichkeitsarbeit aus Deutschland, Voice-Over aus Tirol: Die Arbeit für mehr Bewusstsein kommt aus drei deutschsprachigen Ländern. Was das Team vereint, ist der Wunsch nach Verbesserung für Endometriose-Betroffene. „Viele Betroffene erleben diese starken Schmerzen oder Blutungen und bekommen dann bei Ärzt:innen keine zufriedenstellenden Antworten. Wir wünschen uns hier mehr Fingerspitzengefühl von den Menschen, auf deren Wissen wir angewiesen sind. Endometriose betrifft unsere Gesundheit und Lebensqualität“, sagt Ranya Schauenstein.

Das „Chamäleon der Gynäkologie“: Über Endometriose

Laut Endometriose Vereinigung Austria und Deutschland erkrankt eine von zehn Frauen* an Endometriose. Weltweit ist Endometriose die zweithäufigste gynäkologische Erkrankung. Gebärmutterschleimhaut-artige Zellen bilden sogenannte Herde, die unkontrolliert im Körper wachsen und auch andere Organe infiltrieren können. Diese Zellen folgen dem Zyklus: Sie schwellen an, bluten und schwellen wieder ab. Blut, das nirgendwohin abfließt, bildet Zysten. Häufig treten Herde und Zysten an den Eierstöcken, Eileitern, Blase und/oder Darm auf und führen zu Organschäden. Die Betroffenen leiden oft an starken Blutungen und Schmerzen, die bis zur Ohnmacht führen können. Auch Unfruchtbarkeit kann eine Folge sein.

Obwohl weltweit über 200 Millionen Frauen betroffen sind, gibt es über die Krankheit kaum Bewusstsein. Schmerzen beim Arzt werden oft nicht ernst genommen. Über die Herkunft der Krankheit gibt es bis dato nur Theorien. Endometriose ist nicht heilbar. Eine Diagnose für die Betroffenen erfolgt über eine Bauchspiegelung und dauert im Schnitt sieben bis neun Jahre.

Über nicht die regel:

nicht die regel ist der erste Dokumentarfilm über Endometriose im deutschsprachigen Raum und wurde von neun Betroffenen Expertinnen der Medien- und Kreativbranche produziert. Der über Crowdfunding finanzierte Film feiert am 02.09.2021 in Wien Premiere und wird danach auf Vimeo on Demand für Alle verfügbar sein. Der Trailer zum Film.

Die neun Frauen hinter nicht die regel sind: Dina Tasic (Art Director), Dora Wojna (Projektleitung), Vanessa Dworschak (Social Media & Content Creation), Tabea Hablützel (Kamera & Schnitt), Carina Frei (Voice-Over), Miriam Reichel (Redaktion), Lena Keck (Grafik), Saskia Höfer (Kommunikation, Vertrieb, Events) und Ranya Schauenstein (Regie).

Publikums-Premiere: nicht die regel – Ein Dokumentarfilm über Endometriose

Datum: 08.09.2021, 19:30 – 21:30 Uhr

Ort: Wien, Österreich

Url: https://stadtkinowien.at/news/710/

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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