AT: Einblick in das Stationsleben

© EKH Theorie und Praxis auf innovative Weise verbinden – dieses Ziel verfolgt Kärntens erste Lernstation am Elisabethinen-Krankenhaus, die heuer zum zweiten Mal durchgeführt wird. 15 Studierende des Bachelorstudiengangs Gesundheits- und Krankenpflege der Fachhochschule Kärnten übernehmen fünf Wochen lang die Planung und Organisation der Pflege auf der Station für Akutgeriatrie und Remobilisation

Frischer Wind weht derzeit am Elisabethinen-Krankenhaus. Fünf Wochen lang übernehmen 15 Studierende des Bachelor-Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege der Fachhochschule Kärnten die Pflege auf der Akutgeriatrie und schlüpfen in die Rolle der diplomierten Gesundheits- und Krankenpflegefachkräfte und erleben ein besonders Praktikum im Pflegeberuf – die sogenannte temporären Lernstation „Nursing Training Unit“.
Fünf Wochen Rollentausch

Es sind fünf Wochen voller spannender Eindrücke und neuer Erfahrungen, die 15 Studierende des Bachelor-Studiengangs Gesundheits- und Krankenpflege der Fachhochschule Kärnten im Rahmen der „Nursing Training Unit“ – einer temporären Lernstation derzeit im Elisabethinen-Krankenhaus in Klagenfurt erleben. Bereits zum zweiten Mal ermöglicht das Ordenskrankenhaus in Kooperation mit der Fachhochschule das spezielle Pflegepraktium, das im Vorjahr erstmals in Kärnten angeboten wurde.

Nach einer Trainingswoche und drei Wochen auf der Station haben die Studierenden den Pflegeprozess auf der Akutgeriatrie bestens im Griff und mischen sich unter die rund 200 Pflegekräfte, die am Elisabethinen-Krankenhaus tätig sind.

Novum in der Pflegeausbildung
Die Idee: Auf der Lernstation des Krankenhauses können die PflegestudentInnen praktisch umsetzen, was sie zuvor in der Theorie gelernt haben. Damit das gelingt, stimmen sich die PraxisanleiterInnen auf Station eng mit den PflegepädagogInnen in der Ausbildungsstätte ab.
„Die Studierenden des 6. Semesters haben jetzt noch einige Monate bis zu ihrer Abschlussprüfung“, berichtet Projektleiterin Kathrin Radl, BA, MEd, vom Studienbereich Gesundheit & Soziales, Studiengang Gesundheits- und Krankenpflege an der Fachhochschule Kärnten. Spätestens dann müssen die zukünftig ausgebildeten BachelorabsolventInnen auch eigenverantwortlich arbeiten. Das sollen sie im Projekt lernen. „Bislang hatten unsere Studierenden sehr selten die Möglichkeit, in ihren Praktika eigenverantwortliche Entscheidungen zu treffen.

Interdisziplinarität auf der Akutgeriatrie erleben
Bestens geeignet für das neuartige Praktikumsmodell ist das Department für Akutgeriatrie am Elisabethinen-Krankenhaus: „Hier werden geriatrische PatientInnen mit einem höheren

Lebensalter (in der Regel über 65 Jahre) und unterschiedlichen Grunderkrankungen von Herzinsuffizienz, Bluthochdruck, Diabetes, Demenz und Herzkrankheiten bis hin zu Problematiken an der Wirbelsäule und Traumafolgen (z.B. nach Schenkelhalsbrüchen oder Gelenksersatz) von einem multiprofessionellen und interdisziplinären Team versorgt und behandelt“, zählt Departmentleiter und Altersmediziner OA Dr. Walter Müller, MSc. auf.

Lernzuwachs – Auszubildende profitieren
Auf diese Weise lernen die Auszubildenden im Elisabethinen-Krankenhaus nicht nur, wie sie einzelne Pflegehandlungen korrekt durchführen, sondern erhalten auch ein ganzheitliches Verständnis von Pflege. „Gerade in Zeiten immer komplexerer Anforderungen ist das sehr wichtig“, ist die Pflegedirektorin des Elisabethinen-Krankenhauses, DGKP Silvia Lueger, MSc überzeugt. Sie möchte weiterhin ein attraktiver Arbeitgeber am Markt bleiben und fordert und fördert mit der „Nursing Training Unit“ die zukünftigen KollegInnen von morgen.

Vielzahl an Aufgaben
Die ProjektteilnehmerInnen arbeiten eigenständig und absolvieren in Summe 120 Praxisstunden. Die Tagesbesetzung umfasst eine Teamleitung, einen Recherchedienst und vier Studierende, die die Bereichspflege innehaben und im interdisziplinären Team von ÄrztInnen, TherapeutInnen, PsychologInnen und den KollegInnen der Sozialen Arbeit, welche gemeinsam für das Wohl der PatientInnen sorgen.

Unter den wachsamen Augen speziell ausgebildeter PraxisanleiterInnen und PflegepädagogInnen, betreuen sie dabei jeweils vier bis sechs PatientInnen der Station rund um die Uhr. Die PraxisanleiterInnen übernehmen die Aufsichtsrolle und fungieren als Schnittstelle zwischen der FH und der klinischen Praxis. Sie halten sich aber bewusst im Hintergrund. „Durch diese fixen AnsprechpartnerInnen können die Lernerfolge, aber auch der Lernbedarf der Studierenden besser erkannt werden, denn die individuelle Förderung steht hier im Mittelpunkt“, resümiert die Ausbildungsverantwortliche der Pflegedirektion Simone Woschitz, PAL und berichtet von den Erfahrungen aus dem Vorjahr.

„Die Studierenden selbst widmen sich den Aufgaben höchst motiviert, sind engagiert, flexibel und belastbar“, so PD Silvia Lueger stolz. Der gewohnt qualitative Pflegestandard im Elisabethinen-Krankenhaus ist bei der Lernstation umfassend sichergestellt.

Praxisluft schnuppern 
Fragt man die Studierenden auf der Lernstation nach ihren ersten Erfahrungen, hört man durchwegs Positives. „Die ersten Tage sind noch etwas ungewohnt, aber nach und nach kommt man mit den Aufgaben und Tätigkeiten sehr gut zurecht“, erzählt Studentin Julia (22) aus Pörtschach, die auch die gute Zusammenarbeit im Team nicht unterwähnt lassen möchte.

„Es ist eine spannende Erfahrung für uns und als besondere Vorbereitung für unseren baldigen Arbeitsalltag als Pflegekräfte zu betrachten“, sagt Kollegin Judith (21) aus Klagenfurt, die darauf hofft nach dem Studienabschluss im Herbst eine Stelle in ihrem Traumberuf zu erhalten.

PatientInnen genießen die Aufmerksamkeit 
Nicht nur bei den Studierenden und Verantwortlichen, sondern auch bei den PatientInnen kommt die temporäre Lernstation gut an. Die PatientInnen sind begeistert und genießen die Aufmerksamkeit und Versorgung durch die Pflegestudierenden.

Wissenschaftliche Begleitung 

Um den Erfolg des Praktikums zu evaluieren werden regelmäßig Reflexionsgespräche stattfinden – und die Fachhochschule kümmert sich um die notwendige wissenschaftliche Begleitung der StudentInnen. Zusätzlich werden die zukünftigen BachelorabsolventInnen in den insgesamt fünf Wochen auf der vorrübergehenden Lernstation aufgefordert ihre Praxiserfahrungen zu reflektieren und evaluieren.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)