AT: Diskussion über Sterben im Parlament darf nicht verletzend sein!

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Anlässlich des Welt Hospiz- und Palliative Care Tags am 9.Oktober 2021 sagte Waltraud Klasnic, Präsidentin des Dachverbands Hospiz Österreich:

„Ich will nicht mehr leben“ bedeutet meistens „Ich will so nicht mehr leben“.

Für schwerkranke und sterbende Menschen ist deshalb essenziell, was gute Hospiz und Palliativversorgung leistet: Nämlich, dass sie

  • in ihren Bedürfnissen wahrgenommen, begleitet, unterstützt und betreut werden und
  • ein Sterben in Würde, Autonomie und weitgehender Schmerzfreiheit ermöglicht wird.

Deshalb ist das Ziel des Dachverbands, dass Hospiz- und Palliativversorgung für alle Menschen, die sie brauchen, erreichbar, zugänglich und leistbar sein soll.

Die daraus resultierende langjährige Forderung von Hospiz Österreich nach Schaffung einer einheitlichen Regelfinanzierung in ganz Österreich wurde im Regierungsprogramm 2020-2024 festgeschrieben.

Das vergangene Jahr, die Zeit mit COVID 19 hat die Hospizbewegung sehr gefordert.

Das Verbot der „Hilfeleistung zum Selbstmord“ (§ 78 StGB, 2. Tatbestand) wurde vom Verfassungsgerichtshof mit Erkenntnis vom 11.12.2020 als verfassungswidrig aufgehoben. Ab 1.1.2022 ist daher die Hilfeleistung zum Suizid grundsätzlich erlaubt.

Bis Jahresende muss ein Gesetz zur Verhinderung von Missbrauch verabschiedet werden.

Der assistierte Suizid darf kein Geschäftsmodell und niemand darf unter Druck gesetzt werden. Sätze wie „Du kostest zuviel“, „das Erbe soll bleiben“ oder Suizid auf Bestellung müssen weiterhin unmöglich bleiben.

Forderungen des Dachverbands Hospiz Österreich sind unter anderem: ausführliche Beratung und Dokumentation im Fall eines assistierten Suizids, max. zweimalige Assistenz möglich, die Belastung für den Assistierenden so gering wie möglich zu halten.

Der Dachverband Hospiz Österreich hat eine Lösung im Angebot – die Regelfinanzierung. Sie garantiert einen gerechten Zugang zu Hospiz- und Palliativversorgung für alle, die sie brauchen.

Waltraud Klasnic setzt sich bei allen Parteien für diese Anliegen ein und hat eine große Bitte an die Parlamentarier: Eine Diskussion über das Sterben im Parlament darf nicht verletzend sein!

Dr. Wilhelm Kraetschmer vom Österreichischer Sparkassenverband meinte:

„Niemanden zurücklassen!“ dieses Motto lag auch der Gründung der Sparkassen vor mehr als 200 Jahren zugrunde und hat bis heute nichts von seiner Aktualität verloren. Die Sparkassen haben seit ihrer Gründung den Auftrag, Verantwortung in der Gesellschaft zu übernehmen. Sie sehen ihre Aufgaben/Rolle darin, nicht nur den Wohlstand, sondern auch das Wohlergehen zu fördern und Verantwortung zu übernehmen. Deshalb unterstützen die Sparkassen die Ehrenamtlichen, die auch Verantwortung in der Gesellschaft übernehmen.

80-90% der Menschen sterben in Österreich im Bereich der Grundversorgung, also zu Hause betreut von Ärzt*innen, Therapeut*innen, mobilen Diensten, in Alten-, Pflege- und Betreuungseinrichtungen oder in Krankenhäusern. Ca. 20% aber brauchen aufgrund komplexerer Situationen Angebote aus der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung. Hier machen Hospizteams, Palliativkonsiliardienste, Mobile Palliativteams, Palliativstationen, Tages- und stationäre Hospize für schwerkranke Menschen Lebensqualität bis zum Lebensende und Sterben in Würde möglich.

Heute gibt es in Österreich 357 Einrichtungen in der spezialisierten Hospiz- und Palliativversorgung für Erwachsene und 32 für Kinder.

4 von 5 Menschen wollen zu Hause sterben, das trifft für Betroffene jeden Alters zu. Darum ist nicht nur die stationäre Hospiz- und Palliativversorgung so wichtig, sondern auch die mobilen Angebote – ehrenamtliche Hospizteams und Mobile Palliativteams bestehend aus Ärzt*innen, Pflegepersonen, Therapeut*innen und Sozialarbeiter*innen, die Schmerztherapie, Symptomkontrolle, Palliativpflege und psychosozialer Begleitung zu Hause anbieten.

Dachverband Hospiz Österreich in Kooperation mit dem Österreichischen Sparkassenverband

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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