AT: Diakonie: Die Kraft der pflegenden Angehörigen ist nicht grenzenlos!

Hälfte der pflegenden Angehörigen über 60 Jahre alt - Entlastung dringend notwendig

Diakonie

Wien (OTS) – „Möglichst viele Menschen sollen im Alter möglichst lange zu Hause leben können. Das geht nur, wenn wir Angehörige unterstützen, denn die Kraft der pflegenden Angehörigen ist nicht grenzenlos“, weist Maria Katharina Moser, Direktorin der Diakonie Österreich, auf die Situation von Angehörigen in Pflege und Betreuung anlässlich der morgen stattfinden Veranstaltung „Forum Pflege.fit“ des Sozialministeriums hin.

Die Regierung möchte mit dem Masterplan Pflege verstärkt auf Angehörige und Freiwillige setzen. Das muss aber Hand in Hand mit Unterstützungsangeboten gehen. Als Diakonie befürchten wir, dass die notwendigen Entlastungen nicht ausreichend vorgesehen sind.„, so Moser

Etwa die Hälfte der knapp 950.000 pflegenden Angehörigen ist über 60 Jahre alt. Nur etwa 30 % sind erwerbstätig und hätten damit potentiell einen Anspruch auf Pflegekarenz oder Pflegeteilzeit. Mehr als die Hälfte der pflegenden Angehörigen bezieht keine formellen Unterstützungsangebote wie mobile Dienste, Kurzzeitpflege oder Tageszentren.

Und: Eine Angehörigen-Studie von der Universität Wien kommt zu dem Schluss, dass pflegende Angehörige im Vergleich zur Gesamtbevölkerung einen deutlich schlechteren subjektiven Gesundheitszustand aufweisen. „Wir müssen sehen, dass pflegende Angehörige einerseits selbst bereits älter sind, und andererseits oft alleine gelassen werden„, so Moser.

Entlastung durch Tageszentrum: jeder Zweite hat zu Hause wieder mehr Geduld

Als besonders wertvoll in der Unterstützung von Angehörigen haben sich Tageszentren erwiesen. Hier können Menschen mit Pflege- und Betreuungsbedarf tageweise Zeit mit anderen Menschen in guter Betreuung verbringen und müssen nicht auf das eigene Zuhause verzichten. Eine Befragung des Market Institut in den Tageszentren der Diakonie zeigt, dass knapp 80 % der Angehörigen sich durch das Angebot der Tageszentren entlastet fühlen. Jede/r Zweite gibt an, durch die entlastende Wirkung der Tageszentren wieder mehr Geduld im Umgang mit den pflegebedürftigen Personen zu haben. Und mehr als die Hälfte sagt, wieder mehr Zeit für sich selbst zu haben.

„Die Ergebnisse der Befragung zeigen, wie wichtig es ist, Angehörige in ihrer täglichen Arbeit zu begleiten. Ein Ausbau von leistbaren Entlastungsangeboten wie Tageszentren, mobile Diensten und professionellen Koordinationsangeboten wie Grätzelarbeit oder Nachbarschaftshilfe sind daher unerlässlich, wollen wir auch in Zukunft die Pflege und Betreuung zu Hause ermöglichen,“ so Moser abschließend.

Markus Golla
Über Markus Golla 4184 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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