AT: Der Weg von der Pädiatrie in die Erwachsenenmedizin

Erfahrungen von Anna Jodlbauer/Patientin mit zystischer Fibrose

© Kzenon

„Die ersten Schritte in Richtung Transition ging ich mit ca. 14 Jahren. Ab diesem Alter fanden die ersten Arztgespräche ohne meine Eltern statt. Das bedeutete, ich musste mich eigenständig mit meinen Medikamenten und Therapien beschäftigen und Selbstverantwortung für meinen Körper und mein Befinden übernehmen, um meinem Arzt mitteilen zu können, wie es mir geht, ob es Probleme gibt und wie die Therapien wirken. Natürlich waren meine Eltern weiter involviert, kamen zu den Arztgesprächen hinzu und wurden über Änderungen in der Medikation oder bei den Therapien informiert.

Die Übernahme von Eigenverantwortung trägt meiner Meinung nach sehr zur Bildung von Selbstvertrauen, Selbstständigkeit und auch Wissen über die Erkrankung und den eigenen Körper bei. Je älter ich wurde umso öfter ging ich ganz alleine zu den Routinekontrollen. Das setzt natürlich eine offene Patienten-Eltern-Ärzte-Kommunikation voraus, um so wenig Informationsverlust und somit auch Qualitätsverlust in der Therapie zu haben.

Der eigentliche Wechsel von der Pädiatrie zu den Erwachsenenmedizinern fand bei mir persönlich relativ spät statt – erst mit ca. 20 Jahren. Es war für mich von Vorteil, dass ich das Krankenhaus nicht wechseln musste, da im Klinikum Wels sowohl Kinder als auch Erwachsene mit CF betreut werden. Der Wechsel fiel mir nicht allzu schwer, da ich das „neue“ Ärzteteam in der Erwachsenenmedizin vom Sehen und von den Jahreskontrollen schon kannte.

Was sehr zur Vertrauensbildung in das neue Behandlerteam beigetragen hat, sind die kurzen Wege zwischen Kinder- und Erwachsenenmedizin im Klinikum Wels. Es war also sichergestellt, dass keine wichtigen medizinischen Informationen verloren gehen können, da diese im selben EDV-System eingetragen und somit für das neue Team auf der Erwachsenenambulanz jederzeit abrufbar waren.

Beim Transitionsprozess ist es meiner Meinung nach wichtig, nicht nur das „Kind“ im Auge zu haben, sondern auch die Angehörigen. Eltern sind über Jahre hinweg die Hauptakteure in der Behandlung und somit auch Hauptansprechpartner für das interdisziplinäre Team.

Nicht nur, dass die Eltern „lernen“ müssen, Verantwortung an das Kind abzugeben, müssen sie auch ein Gefühl der Sicherheit in die gleichbleibende Betreuungsqualität durch die Erwachsenenmediziner haben. Jegliches Gefühl der Unsicherheit oder der Angst überträgt sich auf die jugendlichen PatientInnen, was negative Folgen für die Behandlung haben kann.

Eine (engmaschige) psycho-soziale Betreuung wäre in dieser Zeit des Umbruchs auf jeden Fall notwendig. Einerseits um auf der psychologischen Ebene Ängste und Unsicherheiten ansprechen und Lösungen finden zu können, andererseits ergeben sich mit der Volljährigkeit der PatientInnen und dem Eintritt in das Berufsleben aber auch viele sozialrechtliche Veränderungen. Unterstützung von SozialarbeiterInnen und Hilfestellungen bei verschiedenen sozialrechtlichen Problemen würden viel Druck, Stress und somit Faktoren, die den Transitionsprozess negativ beeinflussen können, herausnehmen.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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