AT: Der Rauch verzieht sich – noch – nicht: Anteil der Raucher* in Österreich seit Jahrzehnten unverändert hoch!

Lungenfachärzte hoffen auf neue Chance für Rauchverbot in der Gastronomie

Passivrauchen (C) Kitty

Seit Beginn der Siebzigerjahre des vergangenen Jahrhunderts konnte in vielen europäischen Ländern der Anteil der rauchenden Bevölkerung mittels gezielter Maßnahmen zur Tabakprävention massiv reduziert werden. Nicht so in Österreich. Denn in puncto Raucherprävention liegt Österreich im europaweiten Vergleich unter 35 Ländern auf dem unrühmlichen letzten Platz. Kein Wunder also, dass in Österreich seit dem Jahr 1975[1] keinerlei Rückgang der Raucher zu verzeichnen ist. Nach wie vor greift hierzulande im Schnitt jeder Vierte täglich zur Zigarette und schädigt damit nicht nur sich selbst, sondern auch seine Umgebung durch Passivrauch. Es ist also dringend an der Zeit, Maßnahmen zu setzen: Österreichs Lungenfachärzte (ÖGP) fordern anlässlich des Weltnichtrauchertages am 31. Mai, das Anliegen des „Don´t smoke Volksbegehrens für den NichtraucherInnenschutz“ ernst zu nehmen und den bisherigen politischen Kurs zu korrigieren. Ein generelles Rauchverbot in der Gastronomie und weitere aktive Maßnahmen zur Raucherprävention sollten umgehend umgesetzt werden.

Mehr geraucht als in Österreich wird innerhalb der Europäischen Union nur in Ungarn (25,8%) und Griechenland (27,3%). Entgegen einem deutlichen Trend in vielen anderen europäischen Ländern (Schweden 10,9%, Finnland 15%, Luxemburg 16% Raucheranteil[2]) sinkt in Österreich die Zahl der Menschen, die täglich zur Zigarette greifen, nicht. So sind laut eines OECD-Berichts[3] die Raucherquoten innerhalb der EU im Zeitraum 2000 bis 2015 im Durchschnitt um 16% zurückgegangen, in Österreich ist jedoch der Anteil der rauchenden Menschen konstant geblieben. Oder anders formuliert: Während im OECD-Durchschnitt „nur“ 18,4 Prozent der Bevölkerung täglich zur Zigarette greifen, sind es in Österreich 24,3%, also rund um ein Drittel mehr.3 Österreich ist somit auf dem Stand vom Jahr 2000 stehen geblieben, als OECD-weit noch rund 25% der Bevölkerung rauchten: Damals wie heute greift in Österreich rund jeder Vierte täglich zum Glimmstängel. ÖGP-Generalsekretär Prim. Priv.-Doz. Dr. Bernd Lamprecht: „Die Entwicklungen in vielen europäischen Ländern zeigen, dass es sehr wohl möglich ist, auf das Rauchverhalten der Bevölkerung und damit auf die Erhaltung von Gesundheit Einfluss zu nehmen. Wir fordern daher von der Politik die ehestmögliche Umsetzung eines generellen Rauchverbotes in der Gastronomie!“

Anteil der Raucher kann durch geeignete Maßnahmen radikal gesenkt werden

Am erfolgreichsten gelang es in Norwegen, den Anteil der Raucher in der Gesamtbevölkerung zu senken – von 32% im Jahr 2000 auf 13% im Jahr 2014. Starke Rückgänge waren auch in Dänemark (von 30% auf 17% im Jahr 2014), Irland (von 33% auf 19% im Jahr 2015) und Luxemburg (26% bis 15% im Jahr 2014) zu verzeichnen.2

Prim. Univ.-Prof. Dr. Peter Schenk, Präsident der Österreichischen Gesellschaft für Pneumologie (ÖGP): „Diese bemerkenswerten Fortschritte bei der Reduzierung des Tabakkonsums wurden in diesen Ländern durch eine Mischung aus Sensibilisierungskampagnen, Vorschriften und Steuern erzielt. Bloß in Österreich wurden viel zu wenige entsprechende Maßnahmen zur Raucherprävention gesetzt oder sogar kontraproduktive Schritte wie das Kippen des bereits beschlossenen Rauchverbots in der Gastronomie. Dieneue Regierung sollte dies umgehend ändern!“

Österreich in Sachen Raucherprävention europaweit Schlusslicht

Wie abgeschlagen Österreich in Sachen Raucherprävention dasteht, zeigt der Tobacco Control Scale[4], eine internationale Studie, in der die Maßnahmen, die in 35 europäischen Ländern staatlicherseits zur Tabakkontrolle getroffen wurden, bewertet werden. Zu den Kriterien zählen steuerpolitische Maßnahmen, Rauchverbote im öffentlichen Raum, Information und Aufklärung zum Thema Rauchen etc. Österreich landete hier auf dem letzten Platz.

ÖGP fordert Maßnahmenbündel zur Raucherprävention

Aktive Schritte zur Raucherprävention tun also Not und die Lungenfachärzte fordern eine ganze Reihe gezielter Maßnahmen: „Es gibt ausreichend Erfahrungswerte für ein Bündel erfolgversprechender Strategien aus vergleichbaren Ländern“, so Schenk. „Dazu zählen eine Erhöhung der Tabaksteuer, ausnahmslos rauchfreie Schulen, Arbeitsplätze, Geschäfte, Spitäler und Gesundheitseinrichtungen, ein Rauchverbot auf Kinderspielplätzen und das Verbot von Zigarettenautomaten und jeder Außenwerbung für Tabakprodukte und verwandte Erzeugnisse.“

Lamprecht betont die Bedeutung der Signal- und Vorbildwirkung, die viele dieser Maßnahmen auf Kinder und Jugendliche haben: „Die weitaus meisten Menschen beginnen in ihrer Jugend zu rauchen. Wenn auf Spielplätzen, in Schulen, am Arbeitsplatz, in Geschäften und vor allem in der Gastronomie nicht mehr geraucht wird, dann ist schon viel gewonnen – dann entfällt die so fatale Vorbildwirkung und viele Jugendliche fangen erst gar nicht mit dem Rauchen an!“

[1] https://www.aerzteinitiative.at/RaucherpraevTgl1975-2015.pdf

2 OECD (2019), Daily smokers (indicator). doi: 10.1787/1ff488c2-en (Accessed on 23 May 2019)

3 OECD/EU (2016), Health at a Glance: Europe 2016: State of Health in the EU Cycle, OECD Publishing, Paris, https://doi.org/10.1787/9789264265592-en.

4 https://www.tobaccocontrolscale.org/wp-content/uploads/2017/03/TCS-2016-in-Europe-COMPLETE-LoRes.pdf

 

Markus Golla
Über Markus Golla 5152 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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