AT: Demenz im Krankenhaus: Stark steigend, aber kaum beachtet – AK-Kalliauer fordert neuerlich Strategiegruppe für Spitäler

Demenz Medikamente
(C) Monkey Business

Linz (OTS) – In den oberösterreichischen Krankenhäusern sind immer mehr demente Patienten/-innen anzutreffen, zeigt eine aktuelle Studie der AK auf. Aber die Spitäler sind nur unzureichend darauf vorbereitet. 85 Prozent der Umfrageteilnehmer/-innen sagen, dass Demenz sehr zunimmt. Aufgrund von krankheitsbedingten Aggressionen, Pflegehandlungen, die nur mehr zu zweit ausgeführt werden können, aber auch durch die Suche nach verirrten Patienten/-innen in der Nacht verändert sich der Arbeitsalltag des Pflegepersonals stark. Der erhöhte Zeitaufwand ist in den Personalberechnungen kaum berücksichtigt, deshalb fordert AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer: „Die Versorgungs- und Arbeitsqualität darf nicht leiden. Es braucht hier dringend spürbare Veränderungen.“

Mit der steigenden Lebenserwartung steigt auch das Risiko einer Demenzerkrankung. Bis zum Jahr 2050 ist für Österreich ein Anstieg auf 270.000 bis 290.000 Erkrankte zu erwarten. Zugleich nimmt im Alter die Wahrscheinlichkeit zu, aufgrund altersbedingter Erkrankungen in einem Krankenhaus behandelt werden zu müssen. Die Herausforderungen durch demente Patienten/-innen für das Pflegepersonal sind also enorm.

„Aus heutiger Sicht sind weder die Beschäftigten noch die Krankenhäuser auf die speziellen Betreuungserfordernisse von Menschen mit Demenz vorbereitet“, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer. Die einfache Erklärung dafür: Die derzeitigen Abläufe in Krankenhäusern setzen voraus, dass Patienten/-innen ihre Bedürfnisse und Probleme klar zum Ausdruck bringen können. Für die angemessene Betreuung von (zusätzlich) an Demenz Erkrankten stehen in Akutspitälern meist nicht die nötigen Ressourcen zur Verfügung. Eine Pflegedirektorin sagte in der Studie: „Der Aufwand für die Betreuung von demenzkranken Patienten ist einfach gestiegen. Und wir wissen, da gibt es Hochrechnungen, wie stark das noch steigen wird. Da braucht es Konzepte dafür.“

Die Taktung der Behandlungen und eine immer kürzere Verweildauer im Krankenhaus lassen wenig Zeit für intensive Betreuung, Anleitung, Beratung, aber auch Unterstützung etwa bei der Essensaufnahme oder beim Waschen. Die Folgen laut AK-Studie: Aggressive Handlungen gegenüber Beschäftigten und anderen Patienten/-innen, Unruhe, Abwehr von Pflege- und Therapiehandlungen oder Selbst- und Fremdgefährdung.

„Während das Demenz-Problem bei einigen Trägern zumindest bei Fortbildungen thematisiert wird, ist es in den Personalberechnungsvorgaben und Dienstpostenplänen kaum bis gar nicht abgebildet“, kritisiert Kalliauer. „Es kann nicht sein, dass alle wissen, dass Demenz mehr und mehr zum Problem in den Krankenhäusern wird und die Entscheidungsträger in der Politik darauf nicht reagieren.“ Und weiter: „Es braucht eine Neubewertung der Aufgaben im Krankenhaus, gerade auch mit dem Schwerpunkt Demenz. Ich fordere Landeshauptmann-Stellvertreterin Christine Haberlander in ihrer Funktion als Gesundheitslandesrätin erneut auf, endlich ihre Verantwortung wahrzunehmen und eine Strategiegruppe einzurichten, um gemeinsam Lösungen zu entwickeln.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen