AT: Das österreichische Gesundheitswesen – Das Forum Spital 2019 nennt das Sorgenkind beim Namen

v. l.n.r.: Mag. Christoph Varga, Leiter ZIB-Wirtschaftsredaktion, ORF Österreichischer Rundfunk GmbH, Dr. Harald Mayer, Vizepräsident der Österreichischen Ärztekammer, Ass. Jur. Holger Wagner, Direktor Personal & Organisation, Allgemeine Unfallversicherungsanstalt (AUVA), Prok. Mag. Manfred Ferch, Leiter der Hauptabteilung Finanzen und Controlling, KABEG und Dr. Josef Probst, Generaldirektor, Hauptverband der österreichischen Sozialversicherungsträger (C) Interfoto

Wien (OTS) – Das imh Forum Spital 2019 in Mauerbach bei Wien thematisierte Gesundheitsreformen, Kassenzusammenlegungen, Finanzierungsfragen und Patiententourismus zwischen Fachkräftemangel im Gesundheitswesen und der Revolution durch Digitalisierung sowie KI.

Das Gesundheitswesen stimmt 5 Tage vor der Nationalratswahl ab

Wenn Sie auf dem Forum Spital 2019 im Schlosspark Mauerbach bei Wien waren, haben Sie bereits gewählt. Die Gesundheitsreform und Sozialversicherungsorganisation standen hier nicht nur zur Debatte, sondern auch zur Wahl. Zuerst diskutierten Vertreter verschiedenster Meinungen und Organisationen. Dr. Josef Probst, Generaldirektor des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger, stellte sich der Kritik, erntete aber auch Verständnis. Die Reform fällt schließlich nicht vom Himmel, sondern trifft auf eine über Jahrhunderte gewachsene Struktur. Es sei versucht worden, eine gemeinsame Zielsteuerung auszuarbeiten, aber selbst bei einer großen österreichischen Gesundheitskasse, die 15 Milliarden Euro schwer wäre, säßen ihr 9 Bundesländer gegenüber, die am Ende immer noch mächtiger wären als sie selbst.

Meinungen zu einer offenen Debatte

Die derzeitige Lösung liegt im Moment dem Verfassungsgerichtshof vor. 14 Klagen gegen die SV-Reform sind anhängig. Die Entscheidungen hierzu sind in den nächsten Wochen zu erwarten, teilte Dr. Martin Gleitsmann (WKO) mit. Auf diversen Widerstand stößt die Variante der alten ÖVP-FPÖ Koalition nicht nur vor Gericht sondern auch bei Andreas Huss, AN-Obmann der Österreichischen Gesundheitskasse. Hinter der Diskussion der beiden entgegengesetzten Lager steht eine Grundsatzfrage: Wollen wir weiterhin ein selbstverwaltetes oder mittelfristig ein staatliches SV-System? Die Verwaltung von Geldern und die Fragen nach den Problemen bei den Schnittstellen im Gesundheitswesen sind daher hauptsächlich Ableitungen dieser zentralen Frage. Damit sind nicht nur die Gerichte gefordert, sondern auch wieder die Politik. Es warten Grundsatzentscheidungen, die nicht ewig auf die lange Bank geschoben werden können. Denn es gibt auch andere Baustellen. Sogenannter Patiententourismus ist z.B. eine Kostenstelle, die v.a. zwischen Wien und Niederösterreich für Reibungen sorgt, aber auch zu großen grenzübergreifenden Geld- und Leistungsflüssen führt. Dass das nicht unbedingt schlecht sein muss, dafür stand KR Mag. Hadschieff, Vorstandsvorsitzender der PremiQaMed Holding. Dem wiederum hielt Mag. Florian Bachner (Gesundheit Österreich) entgegen, dass mit den 300 Millionen Euro, die österreichische Patienten im Ausland – etwa bei Zahnärzten in Sopron – ausgeben, 500 zusätzliche Kassenstellen finanziert werden könnten.

Harren auf die Weichenstellung

Als über die Einschätzung des bisherigen Verlaufs der Reformen im Gesundheitswesen abgestimmt wurde, antworteten schließlich mehr als 2/3 der knapp 100 teilnehmenden Experten aus den Bereichen Krankenhausmanagement und -organisation, Gesundheitslogisitik und medizinische IT, dass eine Reform wohl notwendig ist, der gewählte Ansatz allerdings falsch sei. Es waren aber nur 5%, die bei dieser interaktiven Abstimmung der Meinung waren, die Reform brächte gar keine Besserung. Damit zeigt die kleine Abstimmung an diesem Dienstag vor allem, dass von der großen Abstimmung am Sonntag gerade für das österreichische Gesundheitswesen viel abhängt.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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