AT: Das Leben danach – über die Nachsorge bei Krebs

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Die Nachsorgephase ist die entscheidende Schnittstelle zwischen krank und gesund, auch wenn sie nicht so im Zentrum der Aufmerksamkeit steht wie Diagnose oder medizinische Therapien

Wien (OTS) – „Der letzte Tag der Krebstherapie ist nicht der letzte Tag des Leidenswegs der PatientInnen.“ bringt Mag.ª Karin Isak, psychoonkologische Leiterin des Beratungszentrums der Krebshilfe Wien, das Thema Nachsorge auf den Punkt. Dieser oftmals vernachlässigte Teil einer Krebsbehandlung stellt Betroffene vor etliche Herausforderungen, mit denen sie sich oft allein gelassen fühlen. Die neue kostenlose Online-PatientInnenschulung der Krebshilfe Wien auf selpers.com bietet gezielte ExpertInnen-Ratschläge, um diese schwierige und langwierige Phase bestmöglich zu meistern. Denn die Nachsorge gehört zur Krankheit – beziehungsweise zum Gesundwerden – und bedarf erneut eines ganzen Orchesters an UnterstützerInnen und BeraterInnen. Wie und wo Betroffene und deren Angehörige diese finden und wie dieses interdisziplinäre, multiprofessionelle ExpertInnenteam ihnen „das Leben danach“ ein Stück weit erleichtern kann, erfahren PatientInnen und Angehörige im neuen Online-Angebot.

Große Erwartungen an „das Leben danach“

Nach einer überstandenen Krebstherapie wünschen sich PatientInnen und Angehörige eine möglichst rasche Rückkehr in den normalen Alltag. Jetzt, da alles überstanden ist, muss es schlagartig leichter werden. Man muss wieder die oder der Alte werden. Die unausgesprochenen Erwartungshaltungen des beruflichen und privaten Umfelds aber auch der PatientInnen selbst sind dementsprechend hoch – die Ernüchterung meist ebenso. Denn gemeinhin sieht die neue Normalität anders aus.

„Wir wissen aus unserer Beratungserfahrung, dass es in den meisten Fällen nach Therapieende nicht schlagartig besser wird. Es folgt hingegen eine weitere lange, sehr schwierige Lebensphase,“ erklärt Mag. ª Gaby Sonnbichler, seit 20 Jahren GF der Österreichischen Krebshilfe Wien und Initiatorin der neuen PatientInnenschulung.

Erschöpfung, extreme Müdigkeit, Ängste, posttraumatischer Stress und Sorgen machen sich breit. Oft wird erst in der Nachsorge das ganze Ausmaß des Erlebten offensichtlich, wenn die Folgeerscheinungen der kräftezehrenden Therapie ans Tageslicht kommen. „PatientInnen haben einen enormen Leidensdruck,“ berichtet die Psychoonkologin Mag. Karin Isak von ihren langjährigen Erfahrungen in der Beratungsstelle der Krebshilfe Wien, „Daher ist es sehr wichtig, über Fatigue zu sprechen, über Angst, Schlafstörungen, Unsicherheit und Konzentrationsschwächen, um die Aufmerksamkeit auf diesen wichtigen Abschnitt im Laufe einer onkologischen Behandlung zu legen. Scheuen Sie sich nicht, psychoonkologische Hilfe in Anspruch zu nehmen!“

Ein bedeutsamer Schritt in die neue Normalität

Die Online-PatientInnenschulung kann ein erster wichtiger Schritt sein, „das Leben danach“ ein wenig zu erleichtern. Neben Kontrollterminen für Nachsorgeuntersuchungen sowie die medizinische und psychosoziale Behandlung von Nebenwirkungen und Spätfolgen stehen in dieser Phase der Krankheit vor allem das Thema Wiedereinstieg in den Beruf und auch in die Familie, aber auch Fragen rund um Partnerschaft und Sexualität im Mittelpunkt vieler Ängste und Sorgen. Sogenannte unmet needs, unerfüllte Bedürfnisse, erschweren die wichtige Phase der Ruhe, Erholung und Verarbeitung.

Mit Dr. Ursula Denison, Fachärztin für Frauenheilkunde und Gynäkoonkologin, Mag.ª Karin Isak, Psychoonkologische Leiterin des Beratungszentrums der Krebshilfe Wien, Mag.ª Carmen Harrer, Arbeitsassistenz Krebs und Beruf der Krebshilfe Wien sowie Univ.-Prof. Dr. Richard Crevenna, Facharzt für Physikalische Medizin und Rehabilitation geben vier ExpertInnen aus den wichtigsten Gebieten der Nachsorge in der Online-Schulung einen strukturierten Überblick und zeigen Betroffenen, wie und wo sie sich die notwendige Unterstützung holen können, um mit der neuen Normalität bestmöglich zurecht zu kommen.

„Rat, Hilfe und Unterstützung sind in der Nachsorgephase besonders gefragt und erleichtern, sich im Leben nach einer Krebserkrankung besser orientieren zu können und an Lebensqualität zu gewinnen,“ bestärkt Sonnbichler, „Die Krebshilfe Wien steht PatientInnen und Angehörigen als kostenlose Anlaufstelle im Raum Wien zur Verfügung. PatientInnen und Angehörige aus anderen Bundesländern können sich an eine der österreichweit mehr als 60 Krebshilfe-Beratungsstellen wenden.“

Die PatientInnenschulung ist unter folgendem Link kostenlos und ohne Anmeldung abrufbar:

https://selpers.com/kurs/nachsorge-bei-krebserkrankungen

Markus Golla
Über Markus Golla 9125 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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