AT: COVID-19: Große Studie zeigt hohe Krankheitslast durch die postakuten Folgebeschwerden

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Die Krankheitslast nach einer akuten COVID-19-Erkrankung ist vielfältig erheblich – und dies auch bei Patientinnen und Patienten, die nur eine leichte Akutsymptomatik aufwiesen. Das zeigt eine Studie eines Teams der Universität Saint Louis.

„Diese große Studie liefert starke Hinweise, dass auch unter Menschen, die eine akute COVID-19-Infektion überleben, und selbst unter Personen mit den leichtesten Verlaufsformen die postakute Krankheitslast hinsichtlich der Beschwerden und der Behandlungskosten erheblich ist.“ So fasst Prof. Anthony L. Komaroff von der Harvard Medical School in einem Kommentar im „Journal Watch“ des New England Journal of Medicine (NEJM) die zentralen Ergebnisse der Arbeit eines Forscherteams der Universität Saint Louis zu den langfristigen Auswirkungen einer akuten COVID-19-Erkrankung zusammen, die in Journal Nature publiziert wurde.

Die Autorinnen und Autoren beschreiben in der Publikation detailliert die postakuten Folgen einer COVID-19-Erkrankung auf der Basis der umfassenden Datenbank des US Department of Veterans Affairs. Analysiert wurden die Daten von COVID-19-Patientinnen und -Patienten, die mindestens 30 Tage nach der Diagnose noch lebten – das betraf 73.435 Menschen. Die Kontrollgruppe ohne vorangegangene COVID-19-Erkrankung umfasste 4.990.835 Personen. Es dürfte sich angesichts dieser Datenmenge um die bisher umfangreichste Analyse von postakuten COVID-Symptomen handeln.

Das Forscherteam zeigt, dass nach mehr als 30 Tagen nach der akuten COVID-19-Erkrankung Patientinnen und Patienten ein erhöhtes Mortalitäts- und Morbiditätsrisiko haben. Beobachtet wurden bei Betroffenen nicht nur Langzeitfolgen für die Atemwege, sondern auch neurokognitive Symptome, psychiatrische Erkrankungen, Stoffwechsel-Erkrankungen, kardiovaskuläre Erkrankungen, Magen-darm-Beschwerden, Schmerzen, Erschöpfung und Anämie. Dies spiegelte sich auch im Medikamentenverbrauch wieder: Post-COVID-19-Patientinnen und -Patienten wiesen einen erhöhten Verbrauch von Analgetika, Antidepressiva, Anxiolytika, Blutdrucksenkern und oralen Antidiabetika auf und ungünstige Laborwerte für verschiedene Organsysteme.

„Unsere Analyse einer ganzen Reihe von definierten Outcome-Parametern zeigt eine Risikosteigerung, die mit der Schwere der akuten COVID-19-Erkranung korrelierte“, berichtet der Epidemiologe und Erstautor Dr. Ziyad Al-Aly. Doch sei als wichtiges Ergebnis festzuhalten, so die Autorinnen und Autoren: Auch für Menschen, die keine so schwere COVID-Verlaufsform aufwiesen, dass sie stationäre Behandlung benötigt hätten, besteht ein erhöhtes Risiko für postakute Symptome unterschiedlichster Art.

Verglichen haben die Forscherinnen und Forscher auch die postakuten Spätfolgen bei Menschen, die wegen einer COVID-19-Erkrankung hospitalisiert waren und bei Personen, die  aufgrund einer akuten Influenza-Infektion eine stationäre Behandlung benötigten. Sie kommen zum Ergebnis, dass die Belastung durch postakute Symptome bei an COVID-19 Erkrankten wesentlich höher ist als nach eine Influenza-Erkrankung.

Die Ergebnisse zeigten, heißt es im aktuellen Paper, „den Bedarf an ganzheitlicher und integrierter, multidisziplinärer Langzeitversorgung für Patientinnen und Patienten mit COVID-19“ auf.

Quellen:
Komaroff AL reviewing Al-Aly Z et al. Nature 2021 Jun; NEJM Journal Watch 15. Juni 2021 https://www.jwatch.org/editors/AU036

Al-Aly Z et al. High-dimensional characterization of post-acute sequelae of COVID-19. Nature 2021 Jun; 594:259. (https://doi.org/10.1038/s41586-021-03553-9)

Autor:in

  • Michael Urschitz BSc, Intensivpfleger Sanatorium Kettenbrücke der Barmherzigen Schwestern GmbH, Student ANP Masterstudium (IMC FH Krems),

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