AT: Covid-19: Generika sind Lebensretter auf der Intensivstation

90% der COVID-19-Patientinnen und Patienten werden auf der Intensivstation mit Generika behandelt.

Covid-19 Corona
(C) Production Perig

Bisher gibt es noch kein kausal wirksames Medikament gegen das Virus. Eine umso wichtigere Rolle spielen Generika im Erste-Hilfe-Koffer, mit dem COVID-19-Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen behandelt werden. Denn er besteht zu rund 90 Prozent aus Generika.

Insbesondere am Anfang der Pandemie war die „Inzidenz“, also die Anzahl der Neuinfektionen, maßgebende Kennzahl. Die wirksamen Corona-Impfungen haben diese Situation verändert: die Zahl der Hospitalisierung – die Auslastung der Betten und Intensivbetten in den Krankenhäusern – wurde wichtiger Leitindikator.

Das deutsche Bundesinstitut für Arzneimittel (BfArM) hat zu Beginn der Pandemie zwei Listen erarbeitet, die sämtliche Arzneimittel enthalten, deren Bedarf sich nach Einschätzung der Expertinnen und Experten pandemiebedingt stark erhöhen könnte.[1] Umgelegt auf den österreichischen Arzneimittelmarkt ist festzustellen, dass der Generikaanteil bei diesen Arzneimitteln 90% beträgt, gemessen in verabreichten Einzeldosen[2] und bezogen auf den aktuellen 12-Monatszeitraum[3].

Die wichtigsten Wirkstoffe werden als Generika eingesetzt

Die am häufigsten eingesetzten Substanzgruppen sind Analgetika, Antibiotika, Anästhetika, Herztherapeutika und Magenschutz-Medikamente. Der Generika-Anteil in diesen Substanzgruppen beträgt zwischen 44 und 99 Prozent. Analgetika (99 Prozent), Antibiotika (85 Prozent) und Anästhetika (95 Prozent) haben einen besonders hohen Generika-Anteil und werden damit fast ausschließlich als generische Medikamente verordnet. „Generika spielen damit eine wesentliche Rolle in der Behandlung von Covid-19-Erkrankten, die intensivmedizinisch versorgt werden müssen“, so Dr. Wolfgang Andiel, Präsident des Österreichischen Generikaverbandes.

COVID-Patienten auf der Intensivstation

Nach einem ersten Höhepunkt von Covid-19-Patientinnen und Patienten in Intensivpflege am 8.4.2020 im Rahmen der ersten Pandemie-Welle (267 PatientInnen) ging die Zahl im April und Mai 2020 rasch zurück. Die höchste Auslastung hatte es in der zweiten Welle vergangenen Herbst gegeben. Am 25. November 2020 benötigten österreichweit 709 SARS-CoV-2-Infizierte eine intensivmedizinische Versorgung. Am 12.4.2021 wurde mit 615 Fällen der Höchststand der dritten Welle verzeichnet. [4]

Diese Zahlen spiegeln sich auch in der Verwendung von Generika wider – wobei hier bereits im März 2020 ein deutliches Absatzwachstum bei allen genannten Arzneimittelgruppen auf insgesamt rund 40 Millionen Einzeldosen festzustellen war – welcher im April und Mai dann stark zurückgegangen ist. Im Juli 2020 wurde bereits für den Herbst bevorratet, weil die Zahlen wieder im Begriff waren zu steigen. Hier waren es vor allem Arzneimittel aus den Gruppen Analgetika (insbesondere Paracetamol als Infusion), Antibiotika (Linezolid und Moxifloxacin) und Anästhetika (Propofol und Midazolam für beatmete Patienten), die mit insgesamt 35 Millionen Einzeldosen einen stärkeren Verbrauch zeigten. Für den neuerlich starken Anstieg im November 2020 war man dementsprechend bereits gut vorbereitet und versorgt – während die dritte Welle im März und April 2021 offenbar überraschender kam und wieder einen plötzlich erhöhten Bedarf zeigte. So wurde von Februar 2021 auf März 2021 ein Absatzwachstum von 10 Millionen Einzeldosen auf rund 41 Millionen Einzeldosen verzeichnet. Die erhöhte Zahl der Covid-Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation beeinflusste die Verwendung von Generika also deutlich, während der Absatz von Biosimilars und nicht-generischen Medikamenten dahingegen im Großen und Ganzen unberührt blieb und keine wesentlichen Schwankungen verzeichnete.

Ohne Generika wäre in der Frühphase der Pandemie die Patientenversorgung zusammengebrochen

Der Beitrag der europäischen Generikaindustrie zur Bewältigung der Corona-Pandemie, insbesondere in ihrer frühen Phase war enorm. Diese frühen Tage mit Grenzschließungen, Exportverboten und dem allgegenwärtigen Risiko eines Mangels an lebensrettenden Therapien rückten die kritische Systemrelevanz von unentbehrlichen Medikamenten und die Tatsache, dass die meisten von ihnen Generika sind, ins Rampenlicht. Insbesondere zum Anfang der Pandemie, als sich die Lage zum Beispiel in der Lombardei zugespitzt hat, wurden die klassischen intensivmedizinischen Medikamente knapp.

Durch die Zusammenarbeit mit den europäischen Institutionen und über Unternehmens- und Branchengrenzen hinweg ist es gelungen, die Medikamente trotz beispiellosen Drucks verfügbar zu halten und größere Versorgungsunterbrechungen zu verhindern, insbesondere bei kritischen Arzneimitteln für beatmete Covid-Patientinnen und Patienten auf den Intensivstationen, wie zum Beispiel Anästhetika, Narkotika, Analgetika, Antibiotika und andere“, so Wolfgang Andiel.

Die Nachfragesituation sieht heute ganz anders aus, aber der politische Fokus auf die Versorgungssicherheit ist nicht verschwunden. In den letzten Monaten wurde parallel zum Beginn der Diskussionen über die neue EU-Pharmastrategie ein hochrangiger strukturierter Dialog über Pharmalieferketten zwischen der Europäischen Kommission und wichtigen Interessenträgern gestartet.

Dies ist eine kritische Zeit für die Generikabranche und es kommt darauf an, dass jetzt die richtigen Weichen gestellt werden. „Es ist klar, dass die Förderung einer stärkeren inländischen bzw. europäischen Produktion Teil der Gesamtstrategie sein sollte. Gleichzeitig brauchen wir aber mehr als ein Tool in unserem Werkzeugkasten – und wir müssen das Risiko vermeiden, das gleiche Problem der Lieferabhängigkeit anderswo neu zu kreieren“, so Andiel.

Ein umfassender Ansatz zur Gewährleistung zuverlässiger und reaktionsfähiger Pharma-Lieferketten erfordert mehrere komplementäre Strategien, einschließlich z.B. mehrere registrierte Quellen für Schlüsselmoleküle und strategischer Sicherheitsvorräte kritischer Arzneimittel. Ebenso wichtig ist ein angemessener Informationsfluss, wie während der Pandemie mehr als deutlich wurde. Von Regulierungsbehörden und Medien gemeinhin als Mangel bezeichnete Versorgungsprobleme können oft besser als Informationsdefizit beschrieben werden.

Versorgungsprobleme treten selten branchenweit und über alle Märkte hinweg auf. In der Regel betreffen sie einzelne Länder, Regionen oder Krankenhausgruppen und könnten abgewendet oder gemildert werden, wenn alle Mitglieder der Versorgungskette die gleichen Informationen teilen, wenn auch in anonymisierter Form. Deshalb ist es wichtig, weiterhin mit den zuständigen Behörden zusammenzuarbeiten, um Wege zu finden, relevante Daten in Zeiten ohne Krise besser auszutauschen, wobei natürlich alle einschlägigen Kartellvorschriften uneingeschränkt eingehalten werden müssen.

Über den Österreichischen Generikaverband:

Wir sind der Österreichische Generikaverband, ein Zusammenschluss von 10 Generika-Produzenten, die sich zur optimalen Versorgung der österreichischen Patientinnen und Patienten mit hochwertigen, preiswerten Arzneimitteln bekennen. Das Ziel unseres Verbands ist einerseits, die Öffentlichkeit über die Vorteile von Generika zu informieren und andererseits aktuelle gesundheitspolitische Debatten mitzugestalten.


[1] https://www.bfarm.de/

[2] IQVIA Dataview TOTA/08/2021

[3] Datenverfügbarkeit zum Zeitpunkt der Information 09/2020 – 08/2021

[4] Hospitalisierungen – AGES Dashboard COVID19

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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