AT: Caritas-Tageshospiz wird 20 Jahre alt – und wird im Coronajahr dringender gebraucht denn je

Seit zwei Jahrzehnten ist das spendenfinanzierte Tageshospiz der Caritas in Wien für sterbenskranke Menschen da und zählte insgesamt knapp 7.000 Besuche

Wien (OTS) – Unheilbare und sterbenskranke Menschen können das Tageshospiz der Caritas in Wien-Liesing an zwei Tagen in der Woche kostenlos besuchen, Therapien in Anspruch nehmen, aber auch palliativ betreut werden. „Es wird gemeinsam getrauert, aber auch gemeinsam gefeiert“, sagt Klaus Schwertner, gf. Caritasdirektor der Erzdiözese Wien. „Das Ziel ist klar: Es geht darum, ein Leben in Würde bis zum letzten Tag möglich zu machen. In der Pandemie wird einmal mehr deutlich, wie wichtig diese Hilfe ist. Die Corona-Krise hat die Situation für sterbenskranke Menschen und ihre Angehörigen noch schwerer gemacht. Und die Nachfrage ist größer als das Angebot. Unser Wunsch wäre, daher nicht nur an zwei, sondern an fünf Tagen in der Woche für die Betroffenen und somit auch für ihre Angehörigen da sein zu können.“ Dass hospizliche Angebote im Zuge der Krise an Wichtigkeit gewonnen haben, weiß auch Harald Weikl, der Leiter aller hospizlichen Angebote der Caritas der Erzdiözese Wien: „Hospiz bedeutet Menschen, in fortgeschrittenen Erkrankungen bis zum Ende ihres Lebens zu begleiten und sie nicht alleine zu lassen, Widersprüche auszuhalten, Menschen an einem Punkt ihres Lebens nahe zu sein, den viele als das Ende fürchten. Bei uns werden die Gäste nicht nur palliativ und pflegerisch betreut, sondern wir bieten zusätzlich auch verschiedene Therapiemöglichkeiten. Aber gerade jetzt nach diesem langen Jahr der Krise ist der psychosoziale Aspekt unserer Arbeit enorm wichtig, die Sorge vor Einsamkeit und Isolation nimmt zu – das spüren wir im Tageshospiz, aber etwa auch im Bereich des Mobilen Hospizes.“

327 Besuche im Tageshospiz, 2.092 begleitete Menschen im Mobilen Bereich

Von 9-16 Uhr können unheilbar erkrankte Menschen zwei Mal wöchentlich dieses spezialisierte und teilstationäre Angebot in Anspruch nehmen. Aktuell besuchen bis zu acht Gäste das Tageshospiz pro Öffnungstag. 327 Besuche wurden im Vorjahr gezählt. 2020 wurden darüber hinaus 2092 Menschen in Wien und Teilen Niederösterreichs durch das Mobile Hospiz zuhause betreut. Da wie dort wird die Arbeit vor allem auch mit Hilfe von Ehrenamtlichen getragen. Das Durchschnittsalter aller vom Caritas Hospiz begleiteten Betroffenen liegt bei 71 Jahren, ein Großteil leidet an einer Krebserkrankung – so auch im Fall von Elisabeth K. Seit zwei Jahren kommt sie regelmäßig ins Tageshospiz. Wenn es die Möglichkeit gäbe, würde sie gerne öfter kommen, sagt sie: „Es bedeutet mir sehr viel, hierherkommen zu dürfen. Das gibt mir Freiheiten. Ohne meine Schmerzpumpe, die ich Henry nenne, wäre das gar nicht möglich. Ohne Henry könnte ich nicht hier sein. Ich kann hier basteln, es gibt Musik, aber hauptsächlich komme ich wegen des Ambientes so gerne hier her.“ Zusätzlich zu den palliativen Leistungen umfasst das Angebot auch therapeutische Maßnahmen wie Musiktherapie und Qigong. „Wir schaffen für unsere Gäste Freiräume trotz der Angst vor dem was kommt“, betont Elisabeth Anzi-Hauer, die das Tageshospiz leitet. „Im Fokus steht immer ganz klar die Lebensspanne, die noch bleibt.“

Caritas fordert Ausbau Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich

Schwertner: „Wir müssen sicherstellen, dass die Menschen in Österreich jene Hospiz- und Palliativversorgung erhalten, die sie benötigen.“ Im März 2015 gab es einen einstimmigen Parlamentsbeschluss, wonach bis zum Jahr 2020 eine flächendeckende Hospiz- und Palliativversorgung in Österreich gegeben sein sollte. „Davon sind wir noch immer weit entfernt. Wenn wir uns zum 20. Geburtstag etwas wünschen, dann schlicht, dass die Verantwortlichen in der Politik das Versprechen, das sie 2015 gegeben haben, auch tatsächlich einhalten.“

Damit alle Menschen die Möglichkeit haben, in Würde zu sterben, braucht es aus Sicht der Caritas:

  • Einen Ausbau von Angeboten – flächendeckend in ganz Österreich – im Bereich der stationären Hospizbetten, der Palliativkonsiliardienste, der Tageshospize sowie der mobilen Hospizteams.
  • Eine österreichweit einheitliche und vor allem auch langfristig abgesicherte öffentliche Finanzierung, die an bundesweit einheitliche Qualitätskriterien gebunden ist. Der Hospiz- und Palliativbereich ist in Österreich teilweise noch immer auf Spenden angewiesen. Angebote sollen möglichst ohne oder nur mit geringer Kostenbeteiligung der Betroffenen, ähnlich wie bei Krankenhaus-Aufenthalten, in Anspruch genommen werden können.
  • Eine kompetente und wirksame Begleitung am Lebensende hängt noch immer vom Wohnort ab. Die Menschen in Österreich sollten ein Recht auf höchstmögliche Lebensqualität und ein Sterben in Würde haben. Wir brauchen einen einen Rechtsanspruch auf alle Hospiz- und Palliativ-Angebote in Österreich

www.caritas-hospiz.at

Caritas Spendenkonto
BIC: GIBAATWWXXX
IBAN: AT23 2011 1000 0123 4560
Kennwort „Hospiz“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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