AT: Caritas plädiert für „Pflegekraftpaket“

(c) Maurice Shourot

Landau: „Menschenwürdige Pflege braucht Stärkung des Pflegeberufs.“ Caritas stellt Pflegeberuf in den Mittelpunkt ihrer neuen Kampagne. Das Motto: „Nächstenliebe deinen Job“.

Es ist eine der größten Aufgaben, vor der die nächste Bundesregierung stehen wird. „Es geht um die Frage, wie die Zukunft einer menschenwürdigen Pflege in Österreich sichergestellt werden kann“, betont Caritas Präsident Michael Landau am Dienstag. „Für mich ist klar: Dem Thema Pflege sollte im nächsten Regierungsprogramm ein Schwerpunkt gewidmet werden. Es wird darum gehen müssen, pflegende Angehörige bestmöglich zu unterstützen, Betroffene selbst bestmöglich zu betreuen und darum, den Pflegeberuf insgesamt zu stärken. Klar ist: Eine Reform der Pflege hat das Potenzial das Leben sehr vieler Menschen in unserem Land nachhaltig zu verbessern.“

Bis zum Jahr 2050 ist in Österreich – laut WIFO – mit einem Anstieg pflegebedürftiger Menschen von derzeit 450.000 auf 750.000 Menschen zu rechnen. Mehr als 50.000 zusätzliche Pflegekräfte werden benötigt. So wie alle anderen Pflegeorganisationen sucht auch die Caritas dringend Fachkräfte für Betreuung und Pflege alter und pflegebedürftiger Menschen. Im Oktober macht die Caritas deshalb mit der Kampagne „Nächstenliebe deinen Job“ auf den akuten Fachkräftemangel aufmerksam. „Wir brauchen rasch ein Pflegekraft-Paket. Die Rahmenbedingungen für diesen wichtigen und schönen Beruf müssen rasch verbessert werden“, so Landau.

„Gleichzeitig will sich die Caritas mit den Plakaten als Arbeitgeberin bei all ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bedanken. Denn unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter betreuen pflegebedürftige Menschen mit unglaublich viel Professionalität, mit Engagement und Herzlichkeit. Ganz gleich, ob in der mobilen Pflege oder in unseren Senioren- und Pflegehäusern, schon heute gilt: Trotz aller Herausforderungen, die der Pflegeberuf mit sich bringt, wird Menschlichkeit in der Pflege großgeschrieben. Dafür möchte ich mich sehr herzlich bedanken!“ so Landau.

Rahmenbedingungen für Pflegeberufe verbessern

Aus Sicht der Caritas sollten die Rahmenbedingungen für Pflegeberufe jedenfalls deutlich verbessert werden. „Das wäre eine nachhaltige und sinnvolle Investition in die Zukunftstauglichkeit unserer Gesellschaft“, ist Landau überzeugt. Die Erfahrung aus der täglichen Arbeit zeige deutlich, dass etwa die Verbesserung der Gehälter von mobilen Pflegekräften dringend notwendig ist. „Wir benötigen darüber hinaus eine Ausbildungsgarantie für künftige Pflegekräfte. Und der Zugang zu Pflegeberufen sollte durch neue Ausbildungswege erschlossen und die Ausbildungskosten sollten abgeschafft werden. Jene Menschen, die sich für die Arbeit im Bereich Pflege und Betreuung interessieren, sollten grundsätzlich auch die Chance haben, diesen Beruf zu ergreifen“, so Landau. Die Caritas leistet hier einen Beitrag, in dem sie etwa ab 2020 an der Berufsbildenden Höheren Schule in Gaming, in Niederösterreich, erstmals in Österreich eine Pflegeausbildung mit Matura anbietet. Darüber hinaus braucht es Supervisionszeiten und Fallbesprechungszeiten als fixe Bestandteile für qualitätsvolle Arbeit.

Die Pflege darf nicht zum Pflegefall werden

„Unser Land wird alt aussehen, wenn die Reform der Pflege nicht zügig in der nächsten Legislaturperiode auf den Weg gebracht wird. Es gilt zu verhindern, dass die Pflege selbst zum Pflegefall wird“, betont der Caritas Präsident. „Aus unserer Sicht sollte es darum gehen, pflegende Angehörige besser zu unterstützen – denn sie sind der größte Pflegedienst des Landes. Gelingen kann dies etwa durch flächendeckende Entlastungsangebote. Der Rechtsanspruch auf Pflegkarenz und Pflegeteilzeit, der in der vergangenen Woche beschlossen wurde, ist hier ein weiterer Mosaikstein. Die Arbeit am Gesamtkonzept muss aber weitergehen“, so Landau.

Neben der Stärkung der Pflegeberufe, der Entlastung von pflegenden Angehörigen braucht es die Unterstützung von pflegebedürftige Menschen selbst: Neue Formen der Kurzzeitpflege, die Stärkung des mobilen Bereichs sind hier ebenso Thema, wie die Erleichterung des Zugangs zu Pflegeangeboten, etwa via e-card, und eine bessere Ausgestaltung des Pflegegeldes. „Mit der vor dem Sommer beschlossenen Anpassung des Pflegegeldes wurde eine unserer langjährigen Forderungen erfüllt“, betont Michael Landau. „Darüber hinaus wäre aber auch eine umfassende Reform des Pflegegeldes und eine Modernisierung der Einstufungslogik dringend erforderlich.“

„Wir dürfen beim Thema Pflege nie aus den Augen verlieren, dass es dabei – und zwar zuallererst und immer – um Menschen und um ihre Würde geht. Daran ist Maß zu nehmen“, so Landau abschließend.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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