AT: Caritas: Klimakrise, Konflikte und Corona verschärfen weltweiten Hunger

(C) Nyokabi Kahura

Landau: „Mehrfach-Krisen erfordern Mehrfach-Hilfe. Die Menschen im Südsudan brauchen unseren Beistand dringender denn je. Wir müssen jetzt beherzt handeln!“

Wien (OTS) – Weltweit leiden 690 Millionen Menschen an chronischem Hunger. Das bedeutet: weltweit hungert einer von elf Menschen. Das ist eine erschreckende Trendumkehr, denn konnte der globale Hunger zwischen 1990 und 2015 halbiert werden, so steigt die Zahl der hungernden Menschen jetzt wieder an. Der Grund: Die Corona-Pandemie wirkt als Brandbeschleuniger und verschärft die Ernährungssituation. Vor allem die Länder Sub-Sahara Afrikas sind betroffen. Im Zuge einer digitalen Pressereise in den Südsudan zeigt die Caritas wie die Menschen aktuell mit drei Krisen gleichzeitig fertig werden müssen – und wie die Caritas gemeinsam mit Partner*innen vor Ort dabei unterstützt, Ernährungssicherheit für alle Menschen zu erreichen.

Hungerkrise im Südsudan: Kinder brauchen Nahrungsmittel und Trinkwasser

Nach Angaben der UN sind im Südsudan derzeit 1,4 Millionen Kinder unter fünf Jahren von akuter Unterernährung bedroht. „Die Situation im Südsudan ist dramatisch: Jedes dritte Kind hat ein zu geringes Körpergewicht, um sich gesund entwickeln zu können. Diese Kinder brauchen dringend Nahrungsmittel und Trink­wasser, andernfalls drohen bleibende körperliche, geistige und seelische Schäden“, warnt Caritas Präsident Michael Landau. „Das Leben zwischen Krieg und Klimakrise war schon schwer genug, Corona hat die Lebenssituation der Menschen im Südsudan noch schwieriger gemacht. Unsere Hilfe ist jetzt noch dringender nötig.“

Kämpfe und Wetterextreme führen zu Hunger, Corona verschärft die Lage

Gewaltsame Konflikte im Südsudan sind eine der Hauptursachen für schlechte Versorgung und Hunger. „Jahre lang herrschte Bürgerkrieg im Südsudan, noch immer kommt es zu Gewaltausbrüchen“, sagt Caritas Auslandshilfe-Chef Andreas Knapp. „Wenn Kämpfe ausbrechen, verlassen Familien ihr Zuhause und werden zu Vertriebenen im eigenen Land oder flüchten in die Nachbarländer. Zurück bleiben Felder, die verdorren und Nutztiere, die verenden.“ Hunger ist auch im Südsudan eine direkte Folge von Klimaveränderungen: Dürren werden länger und intensiver, Regenzeiten werden unvorhersehbarer. „Aufgrund von Dürren und Überflutungen können Menschen ihren täglichen Bedarf an Nahrungsmitteln nicht mehr decken“, so Knapp. Zu Kämpfen und Klima kam Corona: Im Südsudan haben viele Menschen in der Pandemie ihre Arbeit und damit ihre Lebensgrundlage verloren und können sich Nahrungsmittel kaum noch leisten. Weil auch hier Schulen schließen mussten, haben viele Kinder nicht nur einen sicheren Ort zum Lernen verloren, sondern auch die einzige Chance auf eine regelmäßige Mahlzeit.

So hilft die Caritas: Hunger stillen, Widerstandskraft stärken

In der Hungernothilfe verteilen Helfer*innen Lebens­mittel, Wasser, Medikamente und Hygieneartikel. Unterernährte Kinder und alte Menschen bekommen Zusatznahrung, damit ihre geschwächten Körper besser gegen Krankheiten gewappnet sind. Im Rahmen der 70 Ernährungsprojekte weltweit erreicht die Caritas zurzeit rund 280.000 Menschen, davon 45.000 bäuerliche Familien und 6.000 Menschen in der Behandlung von Unterernährung. Im Südsudan sind derzeit rund 600 Kinder in zwei Ernährungszentren registriert. „Für Babys und Kleinkinder bis fünf Jahre gibt es dort dreimal wöchentlich ein nahrhaftes Essen mit Linsen, Bohnen, Reis und Gemüse. Damit können wir die schlimmsten Mangelerkrankungen vorbeugen und die Kinder können sich gesund entwickeln“, so Knapp. In der Hauptstadt Juba unterstützt die Caritas 9.000 durch den Bürgerkrieg vertriebene Menschen mit Lebensmittelpaketen. Neben der Nothilfe leistet die Caritas langfristig Hilfe zur Selbsthilfe: Bauernfamilien erhalten Saatgut, Schulungen und Werkzeug. Mitarbeiter*innen der Partnerorganisationen fahren regelmäßig in die Dörfer, begleiten und beraten Bäuerinnen und Bauern. Zusätzlich begleiten sie Frauen, die sich in Spargruppen zusammenschließen und gemeinsam Reserven für Krisensituationen ansparen oder damit kleine Restaurants, Marktstände oder Geschäfte betreiben. Dadurch können sie von externer Hilfe unabhängig werden und ihre Familien versorgen.

Globale Solidarität und Österreichs Beitrag gefordert

„Die Bekämpfung der Pandemie, der Einsatz gegen weltweiten Hunger oder gegen die Folgen der Klimakrise können nur gemeinsam gelingen. Auch Österreich muss da seinen Beitrag leisten. Die kürzlich beschlossene Erhöhung der Entwicklungshilfeausgaben ist ein erster Schritt, aber um den Menschen in Ländern des Globalen Südens akut zu helfen, braucht es zusätzlich ein Pandemie-Rettungspaket. Die Bundesregierung ist zudem nicht nur gefordert, Entwicklungshilfe auszuweiten, sondern auch Handelsbeziehungen fair zu gestalten und die Klimakrise zu stoppen. Die Zeit drängt, wir müssen jetzt beherzt handeln“, so Caritas Präsident Landau. „Das Ziel unserer Hilfe ist klar: Wir wollen langfristig – über akute Nothilfe hinaus – eine Zukunft ohne Hunger schaffen, eine Zukunft, in der die Menschen das Wissen und die Kraft haben, Ernährungssicherheit selbst in die Hand zu nehmen und zu erreichen. Als Caritas werden wir weltweit weiterhin akute Überlebenshilfe leisten und gleichzeitig in langfristigen Projekten die Widerstandskraft der Menschen stärken. Helfen Sie uns helfen! Danke für Ihre Unterstützung.“

Spenden Sie jetzt!

  • 20 Euro ermöglichen nahrhaftes Essen für ein Kind für einen Monat
  • 40 Euro ermöglichen den Kauf einer Ziege im Rahmen eines Landwirtschaftsprojekts für Kleinbäuer*innen
  • 50 Euro ermöglichen ein Semester lang den Schulbesuch für ein Kind

Caritas Spendenkonto

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Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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