AT: Care Leaver-Fallschirm darf nicht reißen!

Allianz aus NGOs fordert die Löcher in der Jugendhilfe zu reparieren.

Wien, Ballhausplatz – Die VertreterInnen mehrerer NGOs machten heute vor dem Bundeskanzleramt auf ihr Anliegen aufmerksam und forderten die Löcher in der Jugendhilfe schnellstmöglich zu reparieren.

„Jugendliche mit 18 Jahren nicht alleine lassen“

Der Tenor der beteiligten NGOs lautet: „Wir fordern, dass fremd untergebrachte Jugendliche mit dem 18. Geburtstag nicht vor die Tür gesetzt und sich selbst überlassen werden“.
Tanja Wehsely, Geschäftsführerin der Volkshilfe Wien dazu: „Wir haben in Österreich eine sehr gute Betreuung für Jugendliche, die nicht bei ihren Familien leben können. Mit dem 18. Geburtstag endet diese Unterstützung oftmals abrupt. Deswegen fordern wir, die vorhandenen Betreuungsangebote auszubauen, die sicherstellen, dass den jungen Erwachsenen weiterhin Ansprechpartner*innen und Mentor*innen in der Übergangsphase zur Seite stehen.“

„Beziehungskontinuität nach der Volljährigkeit gewährleisten“

Ähnlich sieht es auch Maximilian ULLRICH, Vorstandsmitglied der FICE Austria und Projektleitung des EU-Projekts „Leaving Care“, der hervorhebt: „Genau diese Übergangsphase und Betreuung von Care Leavern muss in Zukunft gewährleistet sein.“
„Junge Menschen, die einen nicht ganz so einfachen Start ins Leben hatten, haben häufig kein soziales Netz, auf das sie sich verlassen können. Mit dem Auszug aus einer Wohngemeinschaft verlieren sie vertraute Bezugspersonen und sind auf sich alleine gestellt“, bemerkt DSP Anita Nöhammer, MSc, Fachbereichsleitung Kinder und Jugendliche, Volkshilfe Wien.

„Jugendhilfe darf kein Stigma für Betroffene sein“

DI (FH) Susanne Haslinger, DSP, Qualitätssicherungsbeauftragte der Sozialpädagogischen Wohngemeinschaften der Volkshilfe Wien ergänzt: „Viele 18jährige sind einfach noch nicht so weit, um ihr Leben völlig alleine zu meistern“.

„Care Leaver-Unterstützung als neuen Standard der Jugendhilfe festschreiben“

Dr. Hubert Löffler, Geschäftsführer des Dachverbandes Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen appelliert an die öffentliche Hand, sich so um die jungen Menschen in der Jugendhilfe zu kümmern, wie es gute Eltern tun: Diese interessieren sich auch nach der Volljährigkeit weiter dafür, wie es ihnen mit dem Erwachsenwerden geht, telefonieren nach und sind noch lange wichtige Ansprechpartner für ihre Probleme. „Eine verbesserte Unterstützung für junge Erwachsene gehört als neuer Standard in die Bund- Länder-Vereinbarung zur Jugendhilfe aufgenommen“.
Abschließend verweisen die Mitglieder der Plattform 18+, welche das Ziel verfolgt, eine Chancengleichheit für junge Erwachsene aus der Jugendhilfe im Vergleich zu anderen jungen Menschen zu erreichen, auf die Fachtagung „Be The Change – Gleiche Chancen für Care Leaver“, welche am 21. Februar 2020 im Wiener Rathaus diese Themen aufgreifen wird.

Die Vertreter*innen der Volkshilfe Wien, der Plattform18+, der Bundesjugendvertretung, der Alumni Akademie, der Kinder- und Jugendanwaltschaft der Stadt Wien, des Dachverbands Österreichischer Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen, der FICE Austria, a_way Caritas und des Care Leaver Verein Österreich stehen gerne für Rückfragen zum Thema zur Verfügung.

Markus Golla
Über Markus Golla 5604 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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