Carbetocin statt Oxytocin: Mittel rettet viele Frauen

Ungekühlt gelagertes Medikament zeigt nach Geburt optimale Wirkung

(C) JenkoAtaman

Birmingham (pte002/06.07.2018/06:05) – Tausende Frauen, die nach der Geburt ihres Kindes an inneren Blutungen (Haemorrhagie) sterben, könnten mit einem bereits eingeführten Medikament gerettet werden. Weil es bei der Lagerung keiner Kühlung bedarf, lässt es sich überall einsetzen. Das Präparat heißt Carbetocin. Es ist so wirksam wie Oxytocin, das bei einer Temperatur von höchstens acht Grad Celsius aufbewahrt werden muss. Carbecotin benötigt dagegen keine Kühlung, sodass es prädestiniert ist für Länder mit heißem Klima. Es hält sich drei Jahre lang bei einer Temperatur von 30 Grad und immer noch gut sechs Monate lang bei 41 Grad.

70.000 Todesfälle zu verhindern

Weltweit sterben jährlich 70.000 Frauen nach der Geburt an Blutungen, die sich nicht stoppen lassen, sagen Forscher der University of Birmingham http://birmingham.ac.uk , die das Problem und seine Lösung in einer neuen Studie untersucht haben. Die Federführung hatte die Weltgesundheitsorganisation http://who.int .

„Wir waren begeistert, dass wir dabei helfen konnten, ein Medikament zu überprüfen, das das Potenzial hat, tausende Menschenleben zu retten“, so Arri Coomarasamy, Gynäkologe an der Hochschule. Er repräsentiert die britischen Teilnehmer an der Erhebung. Die Untersuchungen hätten gezeigt, dass hitzebeständiges Carbetocin genauso wirksam sei, wie das Präparat, das derzeit standardmäßig eingesetzt werde, aber ohne Kühlung schnell seine Wirkung verliert.

Tests an 30.000 Müttern im Spital

Die Tests mit Carbetocin fanden an 30.000 Müttern, die gerade ein Kind geboren hatten und an Blutungen litten, in zehn verschiedenen Ländern statt, darunter Großbritannien, Uganda, Ägypten und Thailand. Jeweils die Hälfte der Patientinnen wurde mit Oxytocin behandelt, das gekühlt gelagert wurde, die andere Hälfte mit ungekühlt gelagertem Carbetocin. Die positive Wirkung war nahezu identisch.

Girija Mohanty, Mediziner in der indischen Stadt Cuttack: „Jeden Tag sehe ich die verheerenden Auswirkungen, die nicht zu stillende Blutungen nach einer Geburt auf die Mutter und ihre Familie haben. Es ist extrem frustrierend zu wissen, dass der Tod in vielen Fällen verhindert werden könnte, wenn wir Medikamente, die helfen, gekühlt transportieren und lagern könnten.“ Medikamente bei einer Temperatur von höchstens acht Grad aufzubewahren, sei für viele abgelegene Krankenhäuser unmöglich. Außerdem bestehe ständig die Gefahr, dass die Maximaltemperatur bei langen Transportwegen über Land überschritten werde.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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