AT: Bund, Länder und Sozialversicherung einigen sich auf öffentliches Impfprogramm

3. Juli 2022 | News Österreich | 0 Kommentare

Influenza-Impfung für Erwachsene gegen Rezeptgebühr

Erstmals in Österreich wird es ein reguläres öffentliches Impfprogramm für Erwachsene geben. Darauf haben sich Bund, Länder und der Dachverband der Sozialversicherungsträger heute geeinigt. Das Programm war seit Jahren diskutiert worden, um den Zugang zur Impfung auch für Erwachsene zu erleichtern. Gestartet wird im Herbst 2023 mit der Influenza-Impfung, für die nur mehr die Rezeptgebühr fällig wird. Das Programm ist zunächst auf zwei Jahre befristet und soll dann evaluiert werden. Gemeinsames Ziel ist eine Ausweitung auch auf andere Impfungen.

Von einem „Paradigmenwechsel hin zur Vorsorge“ sprach Gesundheitsminister Johannes Rauch am Rande einer Sitzung der Bundeszielsteuerungskommission. Dort wurde die Einigung auf das öffentliche Impfprogramm für Erwachsene heute erzielt.

Wegen des langen Vorlaufs bei der Bestellung von Influenza-Impfstoffen ist die Einführung des öffentlichen Impfprogramms für alle Erwachsene erst ab 2023 möglich. Bereits in der kommenden Saison wird es, wie in den vergangenen beiden Jahren, beschränkte Angebote geben: Der Bund sichert das kostenlose Influenza-Impfprogramm für Kinder und für Menschen in Alten- und Pflegeheimen.

Ab Herbst 2023 wird dann für alle Erwachsenen der Zugang zur Impfung deutlich kostengünstiger. Sie wird – nur gegen die Rezeptgebühr – für alle Menschen in Österreich offenstehen. Kinder werden wie bisher kostenlos geimpft. Die Finanzierung des öffentlichen Impfprogramms gilt zunächst für die Jahre 2023 und 2024. Nach einer Evaluierung soll über eine Verlängerung und Ausweitung entschieden werden.

Bundesminister Johannes Rauch:

„In der Covid-Pandemie ist wieder ins Bewusstsein gerückt, wie wichtig und wirksam Impfen gegen schwere Krankheiten und Todesfälle ist. Bei vielen Impfungen, die in anderen Ländern zum absoluten Standard gehören, liegt Österreich bei den Durchimpfungsraten im internationalen Vergleich nicht besonders gut. Nach jahrelangen Diskussionen haben wir uns jetzt auf ein öffentliches Impfprogramm für Erwachsene in ganz Österreich geeinigt. Für mich ist die Influenza-Impfung in den kommenden zwei Jahren nur der Start. Mein Ziel ist ein langfristiges Angebot an Impfungen für alle Erwachsenen in Österreich. Damit stärken wir das Prinzip der Vorsorge vor Krankheiten.“

Peter Lehner, Co-Vorsitzender der Konferenz der Sozialversicherungsträger / Obmann der SVS:

„Schutzimpfungen zählen zu den wirksamsten und wichtigsten Präventionsmaßnahmen in der Medizin. Sie schützen den Einzelnen und tragen zum Gemeinschaftsschutz bei. Jede Impfung ist ein Beitrag zum notwendigen Wandel vom Reparatursystem zum Präventionssystem. Das Impfprogramm muss mit einer Eintragung in den E-Impfpass verbunden sein. Der E-Impfpass ist ein zukunftsweisendes digitales Tool, das einerseits wertvolle Informationen zur Durchimpfungsrate liefert und andererseits ein wichtiges Service für den Versicherten bietet.“

Gesundheitsstadtrat Peter Hacker:

„Impfen soll keine Privatsache sein, sondern eine Selbstverständlichkeit. Wir haben in Österreich jahrelang darüber diskutiert, Impfprogramme für die breite Bevölkerung zum Bestandteil der Krankenversicherung zu machen. Jetzt haben wir endlich einen wichtigen Schritt geschafft. Besonderer Dank gilt meiner Kollegin aus Vorarlberg Martina Rüscher, die als Vorsitzende der Gesundheitslandesrät:innen mit viel Energie die Grundlage für diesen Beschluss geschaffen hat.“

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)