AT: Bio-Chip misst Verletzungen von Gewebe

Neuer Bio-Chip der TU Wien für individualisierte Medizin (Foto: tuwien.at)

Patentierte Methode von Forschern der TU Wien soll individualisierte Medizin voranbringen

Wien (pte/29.10.2019/10:30) Forscher der Technische Universität Wien (TU Wien) http://tuwien.at haben eine inzwischen patentierte Methode entwickelt, Gewebe in scheckkartengroßen Bio-Chips zu züchten und auf genau definierte Weise mechanischem Stress auszusetzen. Das ermöglicht nicht nur wichtige Grundlagenforschung über Gewebsverletzungen, es öffnet auch die Tür zu besserer individualisierter Medizin: Im Laborversuch lässt sich etwa ausprobieren, welche Medikamente für eine bestimmte Person am besten sind. 

Gewebe Stress aussetzen

„Wir haben in unserem Labor mittlerweile viel Erfahrung mit der Herstellung von Geweben – von Knorpeln über Blutgefäße bis hin zu Hautgewebe. Wenn man allerdings wissen will, wie diese Gewebe auf mechanischen Stress reagieren, dann muss man einen Weg finden, den Gewebeproben auf sehr kontrollierte und exakt reproduzierbare Weise bestimmte Verletzungen zuzufügen. Genau das macht unser Bio-Chip nun möglich“, so Peter Ertl, Leiter der Cell-Chip-Forschungsgruppe am Institut für angewandte Synthesechemie der TU Wien.

Die neuen Bio-Chips bestehen aus transparentem Kunststoff. Sie enthalten Kammern im Durchmesser von wenigen Millimetern, in denen man Gewebe wachsen lässt. Zudem kann das Gewebe durch feine Leitungen mit Nährstoffen oder auch mit Medikamenten versorgt werden. Um mechanische Verletzungen hervorzurufen, wurde direkt in den Chip eine dünne Membran eingebaut, an der ein fester Mikro-Stempel befestigt ist. Mit Druckluft lässt sich die Membran von außen ansteuern und damit der Stempel ins Gewebe pressen.

Bessere Dosierung als Ziel

Vor allem in Bezug auf die individualisierte Medizin ist der Chip interessant. „Wenn man heute Verletzungen behandelt, dann kann man sich nur nach Durchschnittswerten richten, die bei statistischen Auswertungen ermittelt wurden. Manchmal ist das aber nicht gut genug. Eine Medikamentendosis, die bei einer Person noch gar keine Auswirkungen hat, ist für jemand anderen vielleicht schon zu viel“, sagt Ertl. Gerade für schwierige, chronische Fälle biete die Bio-Chip-Technologie die Möglichkeit, ganz individuell die beste Lösung herauszufinden.

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    Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin, Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser

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