AT: AUVA-„Back to Life“-Award Wien für Biljana Misic

(C) v.l.n.r.: Biljana Misic (Preisträgerin), Vukasin Misic (Ehemann), Kurt Wagner (Vorsitzende des Gesundheits- und Sozialausschusses, Landtagsabgeordneter), Alexander Bernart (Direktor AUVA-Landesstelle Wien), Mario Watz (Wirtschaftskammer Wien)

Wien (OTS) – Seit fünf Jahren pflegt Biljana Misic ihren Mann Vukasin, der seit einem Arbeitsunfall auf fremde Hilfe angewiesen ist. Für ihr vorbildhaftes Engagement wurde sie am 11. Dezember 2018 bei einem Festakt im Wiener Rathaus mit dem AUVA-„Back to Life Award“ für Wien ausgezeichnet.

Der Großteil der pflegebedürftigen Menschen in Österreich wird von einem engen Familienmitglied betreut und gepflegt. Mit dem „Back to Life“-Award holt die AUVA jedes Jahr Menschen vor den Vorhang, die ihre Angehörigen nach dem Schicksalsschlag „Arbeitsunfall“ zu Hause pflegen und dabei jeden Tag körperliche und psychische Höchstleistungen vollbringen – wie Biljana Misic. Dafür überreichte ihr bei einem Festakt am Dienstag – stellvertretend für Bürgermeister Michael Ludwig – der Vorsitzende des Gesundheits- und Sozialausschusses, Landtagsabgeordneter Kurt Wagner den Award. Wagner bedankte sich für Misic Engagement, „nicht nur für ihren Ehemann, sondern auch für die Stadt Wien. Pflegende Angehörige wie Biljana Misic bilden eine wichtige Stütze in der Gesundheitsversorgung!“.

Seitens der AUVA-Landesstelle Wien gratulierten Direktor Alexander Bernart und Vorsitzender Rudolf Silvan. „In den Reha-Zentren der AUVA werden Patientinnen und Patienten nach modernsten Gesichtspunkten auf die Rückkehr in den Alltag vorbereitet. Gerade bei Schwerverletzten gibt uns das die Chance, den Patientinnen Patienten trotz gesundheitlicher Einschränkungen eine gute Rückkehr ins Leben zu ermöglichen“, sagte Bernart. „Als Landesgeschäftsführer der Gewerkschaft Bau-Holz Niederösterreich weiß ich, wie hart und gefährlich die Arbeit auf der Baustelle ist. Menschen wie Vukasin Misic, die diesen Job ihr ganzes Leben lang ausgeübt haben, brauchen im Unglücksfall soziale Sicherheit – und dafür stehen wir von der AUVA“, so Silvan. Die Gewerkschaft Bau-Holz und die Wirtschaftskammer Wien stellten Anerkennungspreise zur Verfügung: einen Erholungsurlaub sowie Warengutscheine im Wert von 2.000 Euro. „Pflegende Angehörige verbringen jeden Tag ganz im Stillen große Leistungen, und das muss auch öffentlich anerkannt werden“, betonte Mario Watz von der Wirtschaftskammer Wien.

Arbeitsunfall kurz vor der Rente

Im November 2013 stürzte Vukasin Misic bei Dachdeckereiarbeiten aus dem 5. Stock. Die Unfallfolgen waren fatal: Schwere Schädelverletzungen mit Blutungen, zahlreiche Sehnen- und Bänderrisse sowie Prellungen, Verrenkungen und Knochenbrüche am ganzen Körper. Nach einer Notoperation verbrachte er drei Monate auf der Intensivstation, ein weiteres halbes Jahr dauerte die Reha im Rehabilitationszentrum Meidling. Auf Grund der Schwere seiner Verletzungen ist Vukasin Misic heute ein Pflegefall der Stufe 7, mit einer hochgradigen arm- und linksbetonten Teillähmung aller vier Extremitäten. Besonders tragisch: Der Arbeitsunfall passierte ein halbes Jahr bevor Herr Misic, nach über 30 Jahren schwerer körperlicher Arbeit am Bau, den wohlverdienten Ruhestand angetreten hätte.

Verzahnte Versorgung rettet Leben

Obwohl die Zahl der Arbeitsunfälle dank intensiver Präventionsmaßnahmen stetig sinkt, wurden in Österreich im Vorjahr 91.897 Menschen bei Arbeitsunfällen verletzt. Um sie kümmert sich die AUVA von der Akutbehandlung bis zur Rehabilitation, wenn nötig bis zur Unfallrente. Die Unfallkrankenhäuser der AUVA sind vor allem auf die Akutversorgung nach schweren Unfällen spezialisiert. Das Traumazentrum Wien der AUVA (TZW) mit seinen beiden Standorten in Meidling und Brigittenau/Lorenz Böhler ist das größte traumatologische Zentrum Österreichs und versorgt jährlich über 150.000 Unfallopfer. Das Rehabilitationszentrum Meidling, das direkt an den Standort Meidling des Traumazentrum Wien anschließt, ist seit 50 Jahren auf die Rehabilitation von schweren Schädel-Hirn-Traumata spezialisiert und nimmt eine Schlüsselrolle in der heimischen Reha-Versorgung ein. Eine gleichwertige Einrichtung für die neurorehabilitative Behandlung von Hirnverletzungen existiert in Österreich nicht. „Durch die enge Verzahnung und räumliche Nähe zum TZW ist eine nahtlose Behandlung vom Schockraum über das Intensivbett bis zur Rehabilitation am Standort Meidling gegeben. So haben Schädel-Hirn-Trauma-Patienten auch nach Monaten im Koma noch eine Chance auf eine erfolgreiche Rehabilitation“, erklärt Alexander Bernart.

Anerkennung der Leistungen pflegender Angehöriger

Trotz der bleibenden Folgen ist Herr Misic ein lebensbejahender und positiver Mensch geblieben. Biljana Misic pflegt ihren Mann großteils alleine, rund um die Uhr und ohne Unterstützung von professionellen Pflegekräften. Schritt für Schritt arbeitete sich das Ehepaar, das seit 32 Jahren verheiratet ist, ins Leben zurück und meistert zusammen den nicht immer leichten Alltag. Neben der psychischen Belastung bedeutet die Pflege ihres Mannes für die 56-jährige Biljana Misic auch schwere körperliche Arbeit. Das geht nicht spurlos vorbei – immer öfter stößt Frau Misic an ihre körperlichen Grenzen, hat oft Rückenschmerzen und auch die Kraft lässt nach. Statistisch gesehen, ist die Wienerin eine typische pflegende Angehörige: Laut einer vom Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit und Konsumentenschutz (BMASGK) beauftragten Studie vom Juni 2018 ist die Mehrheit der pflegenden Angehörigen älter als 60 Jahre; in der häuslichen Pflege liegt der Anteil der Frauen bei rund 73 Prozent.

Die soziale Rehabilitation der AUVA sieht eine regelmäßige Betreuung von schwerversehrten Patienten wie Vukasin Misic vor. Je nach Bedarf werden Maßnahmen eingeleitet, um die Lebensbewältigung zu erleichtern und die Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. nicht zu verschlechtern. Dabei spielt auch die Entlastung und Unterstützung der Angehörigen eine zentrale Rolle. „Die AUVA hat uns immer zuverlässig und kompetent unterstützt; wir fühlen uns gut aufgehoben und verstanden. Diese Sicherheit gibt mir und meinem Mann die nötige Kraft für den Alltag“, bedankt sich Biljana Misic. „Mein Mann ist mein Herz, meine große Liebe! Ich bin so glücklich, dass er den Unfall überlebt hat und dass wir noch zusammen sein können. Das entschädigt mich für alle Mühen“, sagt Biljana Misic.

Über die AUVA

Bei der AUVA sind rund 320.000 Unternehmen und über 5 Millionen Personen gesetzlich gegen die wirtschaftlichen, gesundheitlichen und sozialen Folgen von Arbeitsunfällen und Berufskrankheiten versichert. Die AUVA finanziert ihre Aufgaben fast zur Gänze aus den Beiträgen der Dienstgeber und übernimmt dafür die Haftung für Arbeitsunfälle und das Auftreten von Berufskrankheiten. Kernaufgaben der AUVA sind die Verhütung von Arbeitsunfällen sowie die Heilbehandlung und Rehabilitation. Ziel ist es, Unfallopfer und Beschäftigte mit Berufserkrankungen möglichst rasch wieder in den Arbeitsprozess zu integrieren. Eine weitere Kernaufgabe der AUVA ist die finanzielle Entschädigung. Diese vier Aufgabenbereiche der AUVA ermöglichen eine integrierte und effiziente Unfallversicherung mit hohem volkswirtschaftlichen und gesellschaftlichen Nutzen. Die Landesstelle Wien betreut in den Bundesländern Wien, Niederösterreich und Burgenland 42 Prozent aller Versicherten. Im Traumazentrum Wien mit den beiden Standorten in Meidling und Lorenz Böhler/Brigittenau werden jährlich rund 150.000 verunfallte Patientinnen und Patienten auf medizinischem Spitzenniveau versorgt. Rund 2.000 Verletzte werden in den Reha-Zentren RZ Meidling (W) und RZ Weißer Hof in Klosterneuburg (NÖ) bestmöglich auf die Rückkehr ins Berufsleben und den Alltag vorbereitet.

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Über den Back to Life Award

Der AUVA-„Back to Life“-Award wird seit 1997 von der AUVA-Landesstelle Wien vergeben. Ursprünglich wurden pflegende Angehörige ausgezeichnet („AUVA-Pflegepreis“). Seit 2016 geht der Preis unter neuem Namen auch an Menschen, die sich nach schweren Arbeitsunfällen mit einer beispielhaften sozialen und beruflichen Rehabilitation ins Leben zurückgearbeitet haben und damit vielen Menschen Mut machen.

Markus Golla
Über Markus Golla 7055 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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