AT: Aussendung des Nikotin Instituts zu Lungenerkrankungsfällen in den USA und dem Konsum von E-Zigaretten

Rauchen: Zigaretten erleichtern Drogeneinstieg (Foto: pixabay.com, cherylholt)

Wien (OTS) – Aussendungen und Informationsbroschüren stellen derzeit E-Zigaretten allgemein unter Verdacht für das gehäufte Auftreten von Lungenerkrankungen und einen Todesfall in den USA verantwortlich zu sein. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC (Center for Disease Control) untersucht derzeit alle Vorfälle. Man hat sich hier auch warnend geäußert, vermutlich um der rechtlichen Informationspflicht nachzukommen.

Da wir laufend Anfragen von verunsicherten E-Zigarettenkonsumentinnen und -konsumenten erhalten, dürfen wir kurz in einer Presseaussendung Stellung nehmen.

Univ.-Doz. Dr. Ernest Groman: „Es werden noch viele Menschen zu Tode kommen nachdem sie E-Zigaretten geraucht haben.“ Allerdings ist die Frage „inwieweit es sich hierbei nur um Koinzidenzen (lat. con „gemeinsam“ incidere „vorfallen“) handelt“.

Aus einer Koinzidenz einen kausalen (ursächlichen) Zusammenhang zu schließen oder anzudeuten, ist ein häufiger logischer Fehler. Menschen versuchen im Kausalitätsbedürfnis immer Erklärungen für Ereignisse zu finden. Dies macht ja Sinn, kann aber auch zu verwirrenden und irreführenden und manchmal skurrilen Ergebnissen führen: Zum Beispiel kann die Storchenpopulation durchaus mit der Geburtenrate korrelieren.

Dringend zu fordern im Fall der E-Zigaretten wären Einzelfallanalysen, um die Fragen Wer?, Was?, Wann?, Wie?, Warum?, unter welchen Umständen, Vorerkrankungen, Medikationseinfluss, Lebenssituationen etc. etc. zu klären, und zu einer differenzierten Sichtweise zu kommen. Leider klären die bisherigen Veröffentlichungen kaum etwas davon.

Eine Standardisierung der Produkte und strenge Richtlinien haben wir schon vor Jahren auch öffentlich gefordert. Diese wurde in Österreich zumindest zum Teil bereits verwirklicht. Problematisch bleiben offene Systeme bei denen sich Konsumentin oder Konsument selbst entsprechende Mischungen zubereiten, und gegebenenfalls auch nicht vorgesehene Substanzen zufügen können. Auch wenn vermutlich die meisten Menschen hier im vorgegebenen Bereich agieren, muss man im Gesundheitsschutz wohl immer vom Unbegabtesten, aber auch Experimentierfreudigsten ausgehen.

Eine Standardisierung erleichtert in jedem Fall auch die Bewertung von „auftretenden Fällen“.

Wir sind laufend in Kontakt mit internationalen Expertinnen und Experten, die in der Mehrzahl die Gefahr durch E-Zigaretten derzeit als „gering“ und nicht mit Zigaretten vergleichbar einschätzen. Einschränkend darf angemerkt werden, dass sich objektive Expertenmeinungen nur am jeweiligen Stand des Wissens orientieren können.

Des weiteren darf angemerkt werden, dass in Österreich, Deutschland und der Schweiz gesamt täglich von ca. 400 – 450 Todesfällen durch den chronischen, langjährigen Zigarettenkonsum ausgegangen werden kann. Hinlänglich bekannt ist, dass Nikotin zwar vergleichsweise harmlos ist, aber den Konsum von nikotinhältigen tabakhältigen aber auch tabakfreien Produkten aufrechterhält. „Gesündere“, risikoärmere alternative Nikotinzulieferungssyteme sind somit dringend notwendig, um auch die Raucherinnen und Raucher zu erreichen die ihren Konsum ohne Alternativen nicht beenden können oder wollen. Nur so wird es möglich sein, die Morbidität und Mortalität dieser Personengruppe in den nächsten 15-20 Jahren zu senken.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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