AT: Apothekerkammer fordert grünes Licht zum Impfen in Apotheken

Impfung
(C) Markus Golla

Startschuss für Grippeimpfung in allen deutschen Apotheken – österreichische Apotheker:innen stehen bereit

Deutschland baut seine Impf-Infrastruktur immer weiter aus. Mit dem gestrigen Beschluss im deutschen Bundestag dürfen Apothekerinnen und Apotheker im ganzen Land künftig neben Corona-Impfungen auch Impfungen gegen die Grippe durchführen. Angesichts dieser Entscheidung in unserem Nachbarland bekräftigen Österreichs Apotheker:innen erneut die Vorteile eines erweiterten Impfangebots und fordern von der Regierung die Berechtigung zum Impfen.

„Es ist international erwiesen, dass durch das Impfen in der Apotheke deutlich höhere Durchimpfungsraten in der Bevölkerung erzielt werden. Dahinter stehen der wohnortnahe und niederschwellige Zugang der Apotheken, die flächendeckende Verteilung in ganz Österreich, ein über viele Jahre gewachsenes Vertrauensverhältnis zu Patientinnen und Patienten und natürlich unsere kundenfreundlichen Öffnungszeiten“, erklärt Mag. pharm. Dr. Gerhard Kobinger, Präsidiumsmitglied der Österreichischen Apothekerkammer.

Internationale Erfolgsbeispiele gibt es viele. In Irland etwa ist seit dem Start der Grippeimpfung in den Apotheken die nationale Grippeimpfrate um 60 Prozent gestiegen. Auch die dortige Ärzteschaft verzeichnet 27 Prozent mehr Grippeimpfungen. „Das zeigt deutlich: Von einer Impfberechtigung der Apothekerinnen und Apotheker profitieren auch die Arztpraxen – eine klassische win-win-Situation. Vor allem gewinnen natürlich die Bürgerinnen und Bürger“, ist Kobinger überzeugt. „Die Erfolgsformel lautet: Eigenverantwortung und Leichtigkeit. Wir müssen es allen Menschen so einfach und bequem wie möglich machen, sich impfen zu lassen.“ Konkret fordert die Standesvertretung der 6.800 Apothekerinnen und Apotheker in Österreich die Erlaubnis zum Impfen erwachsener Personen gegen Grippe, FSME und COVID-19.

Österreich bleibt zurück

Mit dem ausstehenden Impf-Startschuss für Apotheker:innen gerät Österreich EU-weit zunehmend ins Hintertreffen. In Portugal wird bereits jede zweite Grippeimpfung in der Apotheke verabreicht. In Dänemark darf seit 2021 in Apotheken geimpft werden. Seitdem ist dort die Impfquote um 25 Prozent gestiegen. Frankreichs Apothekerschaft hat 2019 innerhalb von elf Wochen 2,3 Millionen Menschen gegen Grippe geimpft. Das entsprach 26,7 Prozent aller Grippeimpfungen. Weitere Länder stehen kurz vor der gesetzlichen Freigabe des Impfens in der Apotheke.

Apoteheker:innen stehen bestens ausgebildet bereit

Von Seiten der österreichischen Apothekerschaft ist alles vorbereitet. „Mehr als 1.600 hochmotivierte Apothekerinnen und Apotheker in Österreich haben eine spezielle und nach internationalem Vorbild konzipierte Impf-Fortbildung absolviert. Sie müssen aber warten, weil sie von Gesetzes wegen hierzulande nicht impfen dürfen“, kritisiert Mag. pharm. Susanne Ergott-Badawi, ebenfalls Mitglied des Apothekerkammer-Präsidiums. Die Apothekerschaft verfüge über jahrzehntelange Erfahrung in der Impfberatung. Die Verabreichung von Impfungen sei daher der logische nächste Schritt, ergänzt Ergott-Badawi.

„Unsere Impf-Fortbildung umfasst alle wesentlichen Aspekte, von der Beurteilung der Impfeignung über die Beratung und die Injektion bis hin zur Nachsorge. Besonderes Augenmerk legen wir im Praxisteil auf die Injektionstechnik und Spezifische Erste Hilfe. Somit werden alle relevanten Bereiche rund um das Thema Impfen bestens abgedeckt“, so Ergott-Badawi.

Breite Zustimmung in Deutschland

Die nunmehr erweiterte Impferlaubnis für Apotheker:innen in Deutschland stößt vor allem in Hinblick auf die kommende Grippesaison auf große Zustimmung in der dortigen Bevölkerung und in Fachbereichen. „Gerade beim jährlichen Grippeschutz sind zusätzliche Angebote dringend erforderlich, da die Impfquote trotz aller Angebote und Kampagnen viel zu niedrig ist“, hieß es gestern von der Bundesvereinigung Deutscher Apothekerverbände. In Deutschland war das Impfen in der Apotheke bisher nur im Rahmen bestimmter Modellprojekte erlaubt.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)