AT: Anschober: Psychiatrische Versorgung von Kindern- und Jugendlichen muss weiter verbessert werden

Neubau der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Wien ist wegweisend

(C) Rudolf Anschober

Gesundheitsminister Rudolf Anschober hat bei seinem Besuch des Neubaus der Wiener Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH ein klares Bekenntnis zu einem Ausbau der österreichweiten Versorgung in diesem Bereich abgelegt: „Bei psychischen wie auch bei körperlichen Erkrankungen gilt oft: Je früher geholfen werden kann, desto weniger chronische Verläufe und Langzeitfolgen. Das gilt selbstverständlich auch für Kinder und Jugendliche mit psychiatrischem Versorgungsbedarf“, so Anschober.

Die Kinder- und Jugendpsychiatrie ist in Österreich erst seit 2008 im Österreichischen Strukturplan Gesundheit verankert – damit gibt es erst seit 12 Jahren eine entsprechende bundesweite Planungsgrundlage.

„Es gibt derzeit allerdings immer noch einen deutlichen Nachholbedarf bei der psychiatrischen Versorgung junger Menschen. Daher soll die Kapazität der stationären Versorgung in der Kinder- und Jugendpsychiatrie bis 2025 auf 0,11 Betten und tagesklinische Plätze pro 1.000 EinwohnerInnen substantiell ausgebaut werden. Beim Ausbau bis 2025 wollen wir insbesondere auch die tagesklinische Komponente stärken – jedes Bett und jeder Tagesklinikplatz mehr in diesem Bereich trägt zur besseren Versorgung von Kindern und Jugendlichen bei“, so Anschober.

Berufsfeld muss attraktiver werden

„Damit unsere Kinder und Jugendlichen gut versorgt werden können, brauchen wir aber auch das nötige Personal. Die Fachrichtung der Kinder- und Jugendpsychiatrie gilt in Österreich derzeit als Mangelfach – nur etwa 12-16 Personen pro Jahr legen die entsprechenden Prüfungen ab. Das ist zu wenig, um den Bedarf zu decken. Daher arbeitet mein Haus gemeinsam mit den Ländern und der Sozialversicherung im Rahmen der Zielsteuerung-Gesundheit daran, das Berufsfeld der Kinder- und Jugendpsychiatrie, aber auch andere Berufe im Bereich der psychosozialen Versorgung von Kindern und Jugendlichen attraktiver zu machen“, so Anschober zu seinen aktuellen Bemühungen.

Neue Uniklinik ein „best practice Beispiel“

„Ich bin sehr zuversichtlich, dass die neue, attraktive und innovative Universitätsklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie am AKH Wien zu diesem Ziel wichtige Beiträge leisten kann: Denn die Klinik bietet die Möglichkeit, dass bereits Studierende der Medizinischen Universität Wien das Fach direkt kennenlernen können. Durch die Verbindung mit Forschung und Innovation ist ein weiterer Faktor für einen attraktiven Arbeitsbereich gegeben. Das sind wichtige Voraussetzungen dafür, in der nächsten Generation von Ärztinnen und Ärzten ausreichend Nachwuchs zu gewinnen und dadurch die Bedarfsdeckung in diesem wichtigen Bereich im Interesse der Kinder und Jugendlichen laufend zu verbessern. Und das ist notwendig. Denn wenn wir der Forschung glauben dürfen, steigt der Anteil von Kindern und Jugendlichen mit psychosozialem Versorgungsbedarf nicht zuletzt durch die Corona-Pandemie weiter an: Home Schooling, physischer Abstand zu Freundinnen und Freunden, Großeltern und anderen Verwandten, Belastungen der Eltern durch Kurzarbeit oder Arbeitslosigkeit, aber auch das Risiko häuslicher Gewalt wirken sich auf Kinder und Jugendliche besonders belastend aus. Hier gilt es, gegenzusteuern und zu unterstützen.

Vor diesem Hintergrund ist auch die zeitgemäße Ausstattung der neuen Universitätsklinik sehr positiv hervorzuheben – auch durch die 1- und 2-Bettzimmer und die Möglichkeiten, Grünflächen zu nutzen, wird hier ein wichtiger Beitrag zur psychischen Gesundheit geleistet. Für mich ist daher der Neubau ein best practice Beispiel in jeglicher Hinsicht “, so der Gesundheitsminister bei seinem Besuch im AKH.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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