AT: Altenpflege zwischen Wunsch und Wirklichkeit

Schlüsselerlebnisse bei der Pflege von alten Menschen | Plädoyer für eine dringende Weiterentwicklung der Altenpflege

„Die Altenpflege führt in unserer Gesellschaft nach wie vor ein Stiefmütterchen-Dasein“, kritisiert die Gerontologin Sonja Schiff. Warum das so ist, liegt für sie auf der Hand: „Der Mensch neigt zur Verdrängung von persönlich bedrohlichen Themen, frei nach dem Motto ‚Es ist ja noch nicht so weit‘.“ Dazu kommen Stress, Personalmangel und schlechte Rahmenbedingungen in diesem Berufsfeld. Kein Wunder also, dass Altenpflege schon lange ein enormes Imageproblem hat, mit nachhaltig negativer Wirkung auf Strukturen und Weiterentwicklung. In ihrem Springerbuch Magische Momente in der Altenpflege trotzt die Fachfrau den Stereotypen und Skandalmeldungen, die sich auch gerne die Medien zu Nutze machen. Die passionierte Altenpflegerin ist davon überzeugt: das eigentliche, was den Beruf ausmacht und was Pflegepersonen in diesem Berufsfeld hält, sind die Begegnungen mit alten Menschen und jene Momente, die die Autorin als ‚magisch‘ benennt. Sie gibt es, trotz stressigem Pflegealltag, nur werden sie zu selten thematisiert. Deswegen skizziert sie ein realistisches – durchaus kritisches – Alltagsbild und lässt den berührenden Momenten aus dem Pflegealltag ihren nötigen Raum. Mit Achtsamkeit für sich selbst und für den zu pflegenden Menschen sieht Sonja Schiff durchaus positiv in die Zukunft dieser Tätigkeit.

Gleichzeitig fordert die Autorin, die in Österreich zu den Pionieren der ambulanten Pflege gehört, einen Perspektivenwechsel für die Altenpflege. Sie beschreibt Altenpflege als Beziehungsarbeit und als Lebensbegleitung in den letzten Lebensjahren und weist auf die Dringlichkeit von Gesprächen und ehrlichem Interesse am alten Menschen hin.

An unzähligen Schlüsselerlebnissen aus dem Pflegealltag zeigt die Autorin, wie durch Empathie in den unterschiedlichen Alltagssituationen Begegnung mit dem alten Menschen entstehen kann. Aber nicht nur die Autorin selbst erzählt von besonderen Begegnungen in ihrer Pflegepraxis. Sie hat auch 10 Personen aus unterschiedlichen Professionen der Altenpflege zu besonderen Erlebnissen mit alten Menschen befragt. Zu Wort kommen fünf Pflegepersonen, eine Heimleiterin, ein Altenseelsorger, eine Gerontopsychologin, eine Musiktherapeutin und schließlich ein Fotograf. Letzterer hat sich auf Menschen mit Demenz spezialisiert und berichtet etwa von seinem Treffen mit Rudi Assauer, dem bekannten deutschen Fußballmanager. Alle Geschichten gehen unter die Haut, sind lehrreich und zeigen, warum Altenpflege Beziehungsarbeit ist.

In ihrem Plädoyer verurteilt die Pflegeexpertin die Politik, die ihrer Überzeugung nach zu lange geschlafen hat und Altenpflege vor allem als ‚Arbeit am Körper‘ betrachtet. Ihre Berufskollegen fordert sie auf, den ‚Dienst nach Vorschrift‘ und die fließbandartige Altenpflege zu beenden und sich wieder den alten Menschen zuzuwenden.
Das Buch richtet sich an alle Pflege- und Betreuungskräfte der Altenpflege, wie auch ans Management, Einrichtungsträger und sozialpolitisch tätige Personen. Und natürlich an alle Menschen, die in der Altenpflege magische Momente möglich machen wollen.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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