AT: Aktuelle Umfrage zum Welt-COPD-Tag 2021 zeigt: Lücken im Wissen über die Lungenerkrankung COPD

Vor allem bei jungen Menschen ist die Chronisch Obstruktive Lungenerkrankung COPD weitgehend unbekannt. Aufklärung und Prävention essenziell!

Im Bild v.l.n.r.: Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang VALIPOUR (Leiter des Karl-Landsteiner-Instituts für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie, Klinik Floridsdorf), Gundula KOBLMILLER, MSc. (Mitglied des Vorstandes der Österreichischen Lungenunion), Mag.a Romana FORSTER-GARTLEHNER (Senior Researcher, SPECTRA Marktforschung Linz), Alexander Schauflinger (Geschäftsführer FINE FACTS Health Communication GmbH) Fotocredit:Home Care Provider/APA-Fotoservice/Schedl

COPD gehört zu den häufigsten Todesursachen weltweit [1], jährlich sterben weltweit drei Millionen Menschen an der Krankheit.[2] Landläufig ist COPD unter dem Synonym Raucherhusten bekannt – mehr als 80% der Betroffenen waren oder sind Raucher*innen. Auf Basis einer österreichweiten, repräsentativen Markforschung von SPECTRA wurde erhoben, wie bekannt COPD als Begriff bzw. Erkrankung in der österreichischen Bevölkerung ist.

Am 17. November 2021 findet der Welt-COPD Tag statt, ein Tag der das Bewusstsein für die Erkrankung schärfen und Aufmerksamkeit für Betroffene schaffen will. Die Krankheit ist die dritthäufigste Todesursache weltweit, in Österreich sind 400.000 – 800.000 Menschen davon betroffen. Hauptursache dieser Krankheit ist das Rauchen, gleichzeitig greift in Österreich trotz Nichtraucherschutzgesetz noch immer jede*r Fünfte täglich zur Zigarette.[3] Umso wichtiger ist es, über die Erkrankung aufzuklären und auf die Gefahren hinzuweisen. Daher wurde auf Basis einer österreichweiten, repräsentativen Markforschung von SPECTRA die Bekanntheit von COPD innerhalb der heimischen Bevölkerung erhoben.

Große Wissenslücken vor allem bei jungen Menschen

Im Rahmen der Erhebung wurden im Oktober 2021 500 Personen ab 15 Jahren, repräsentativ für die österreichische Bevölkerung, zu ihrem Wissen zu COPD befragt. Die Umfrage fand via Telefon durch das SPECTRA Marktforschungsinstitut statt. Alle Befragten, die entweder mit dem Begriff COPD oder chronisch obstruktiver Lungenerkrankung vertraut waren, wurden schließlich vertiefend zu Ursachen, Symptomen, Langzeitfolgen und therapeutischen Konsequenzen befragt. Innerhalb der Studie gaben 22% an Raucher*in zu sein, der Anteil an Nichtraucher*innen lag bei 78%. Mag.a Romana Forster-Gartlehner, Senior Researcher bei Spectra Marktforschung und Durchführungsverantwortliche fasst zusammen: „Die Ergebnisse der Studien zeigen, dass 4 von 10 Österreicher*innen nichts mit dem Begriff COPD oder chronisch obstruktive Lungenerkrankung anzufangen wissen. Unter den jüngeren (15-30-Jährigen) sind es sogar 70%, die die Erkrankung nicht kennen. Allgemein steigt die Bekanntheit über COPD mit dem Alter: bei den 30-49-Jährigen sind es 63% und bei den über 50-Jährigen 71%, die die Krankheit COPD kennen.“ Die Bekanntheit ändert sich demnach in den verschiedenen Altersgruppen stark, was sich mit der ebenso steigenden Betroffenheit mit zunehmendem Alter deckt.

Beim Nichtraucherschutz fortsetzen – vor allem bei jungen Menschen

Daher sei es wichtig, vor allem bei jungen Menschen für diese Erkrankung zu schaffen, erklärt Gundula Koblmiller, MSc., Vorstandsmitglied bei der Österreichischen Lungenunion. Wir sind ein Land mit einer starken Raucherkultur – 20,6% der Österreicher*innen rauchen täglich, bei Jugendlichen von 15-24 Jahren liegt der Raucheranteil sogar bei 32 Prozent! Besonders bedenklich ist der Anteil an rauchenden jungen Männern von 37,2%.[4] Wichtig ist, der österreichischen Bevölkerung vor Augen zu führen, dass vor allem das Rauchen für die Erkrankung verantwortlich ist. Rauchen erst gar nicht anzufangen, ist die beste Prävention!“ Tatsächlich besteht ein großer Zusammenhang zwischen der Erkrankung COPD und langjährigen Rauchen, das als Hauptursache der Atemwegserkrankung gilt. Die Befragung zeigt jedoch, dass dies vor allem Raucher*innen oft unklar ist: Nur die Hälfte der befragten Raucher*innen sehen das Rauchen als die häufigste Ursache – bei den Nichtraucher*innen sind es 65 Prozent.

Mehr Bekanntheit führt zu früheren Diagnosen

Die Bewusstseinsschaffung für COPD spielt auch im Rahmen der Diagnose eine wichtige Rolle. „Würde man in der Gesundheitspolitik dem Thema COPD mehr Bedeutung und Gewicht beimessen und COPD mit Rauchen bzw. mit den Folgen des Rauchens in Verbindung bringen, dann könnte man das COPD-Risiko beträchtlich verringern.“stellt Prim. Priv.-Doz. Dr. Arschang Valipour klar. Der Lungenfacharzt ist Leiter des Karl-Landsteiner-Instituts für Lungenforschung und Pneumologische Onkologie und Vorstand der Abteilung für Innere Medizin und Pneumologie der Klinik Floridsdorf. Auch Gundula Koblmiller richtet ihre Appelle an die Politik und fordert einen niederschwelligeren Zugang zur Rauch-Entwöhnung: „Die wichtigste therapeutische Maßnahme ist, mit dem Rauchen aufzuhören. Hierzu sollten sich die die Sozialversicherungen und Versorgungseinrichtungen bundesweit schnell durchringen.“ Die Folgen des jahrelangen Rauchens zeigen sich erst zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr – denn die Krankheit schreitet sehr langsam voran. Klassische Symptome wie chronischer Husten und Atemnot werden oft jahrelang ignoriert, daher wird oftmals eine COPD nicht diagnostiziert. Die Diagnose selbst wird über einen Lungenfunktionstest (Spirometrie) bei einem Lungenfacharzt festgestellt. „Damit aber mehr Betroffene überhaupt diesen Test machen, ist es wichtig, auch hierfür Bewusstsein für die Erkrankung zu schaffen. Nach der Diagnose kann eine Therapie das Fortschreiten der Erkrankung – abhängig vom Schweregrad – verlangsamen und die Beschwerden lindern“erklärt der Lungenspezialist.

Pandemie verstärkt Engpässe

Ziel ist, so lange wie möglich eine hohe Lebensqualität zu erhalten. Neben nicht-medikamentösen Therapien wie Raucherentwöhnung und Bewegung gibt es die Behandlung mit Medikamenten. Auch Lungen-Rehazentren gehören zu den Therapien, die eine COPD lindern bzw. die Leistungsfähigkeit und Lebensqualität von Betroffen steigern können. „Doch mittlerweile müssen COPD-Erkrankte und Long-COVID-Patient*innen um die Reha-Plätze „konkurrieren“, zeigt Koblmiller auf. „Neben der fehlenden Awareness für COPD gibt es einen hohen Bedarf an zusätzlichen pneumologischen Reha-Plätzen.“ Während COVID-19 den meisten Menschen mittlerweile gezeigt hat, dass Atemnot lebensgefährlich sein kann, geschieht dies bei COPD laut Koblmiller zu „leise“ und „unauffällig“. Auch Valipour findet die Unbekanntheit über COPD problematisch: „Insgesamt ist es mehr als ernüchternd, dass 41% nicht wissen, was eine COPD ist. Die gleiche Umfrage würde bei Diabetes wohl ein komplett anderes Bild ergeben, obwohl Diabetes nicht öfter vorkommt als COPD.“

Plattform Home Care Provider: Bewusstseinsbildung als wichtige Maßnahme

Die Plattform Home Care Provider vereint Unternehmen, die Österreich mit medizinischem Sauerstoff versorgt – unter anderem eine große Anzahl von Menschen mit schwerer COPD. Alle Produkte sind nach DIN EN ISO 9001 und/oder DIN EN ISO 13485 zertifiziert, die Produktionsstandorte für medizinischen Sauerstoff werden durch die Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) geprüft. „Es ist uns neben unserem Versorgungsauftrag für ganz Österreich wichtig, Bewusstsein für Lungenleiden wie COPD und schlafbezogene Atemwegserkrankungen zu schaffen. Je besser die Öffentlichkeit über die Erkrankungen und deren Risiken aufgeklärt sind, desto höher ist auch die Versorgungsqualität“, betont Dipl.-Ing. Uwe K. Gapp, Leiter Geschäftsbereich Linde Homecare und Sprecher der Plattform Home Care Provider.


[1] https://www.ots.at/redirect/whocausesofdeath

[2] https://www.ots.at/redirect/whocopd

[3] https://www.ots.at/redirect/anteilderraucher

[4] https://orf.at/stories/3218756/

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)