AT: AK: Qualitativ hochwertiges und leistbares Pflegesystem ist Teil gesellschaftlicher Verantwortung

Gut ausgebildetes Personal, Verbesserung der Arbeitsbedingungen und Sicherstellung ausreichender Finanzierung als wichtigste Handlungsfelder

Wien (OTS) – „Die Menschen müssen sich darauf verlassen können, im Alter ein menschenwürdiges, qualitativ hochwertiges und leistbares Pflegesystem vorzufinden“, erklärt Silvia Rosoli, Leiterin der Abteilung Gesundheitsberuferecht und Pflegepolitik in der AK Wien auf dem heutigen Forum „Pflege.fit für die Zukunft“. Dafür braucht es aus Sicht der AK eine konstruktive und intensive Zusammenarbeit, um dieser gesellschaftlichen Verantwortung gerecht zu werden. Die prioritären Handlungsfelder aus Sicht der AK sind dabei die Attraktivierung der Pflegeberufe durch eine hochwertige Ausbildung, durch den gezielten Einsatz der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik, durch bessere Arbeitsbedingungen und ausreichende Personalressourcen sowie eine solidarische und nachhaltige Finanzierung.

Hochwertige Ausbildung:
+ Massive Aufstockung der Mittel für aktive Arbeitsmarktpolitik, um Quer- und WiedereinsteigerInnen entsprechend zu qualifizieren.
+ Mehr Ausbildungsplätze – sowohl im sekundären als auch tertiären Bereich
+ Lückenschluss zwischen Pflichtschulabschluss und Ausbildungsbeginn in der Pflege, durch Etablierung eines Berufsbildenden Mittleren und Höheren Schulzweigs für Gesundheits- und Sozialberufe.

Verbesserung der Arbeitsbedingungen:
+ Aus Sicht der AK zählen dazu vor allem eine bessere Bezahlung und faire Arbeitszeitmodelle – und nicht wie geplant die Verschärfung des Arbeitszeitrechtes in Krankenanstalten und Pflegeheimen durch eine Verkürzung der täglichen Ruhezeit auf fünf Stunden.
+ Dringend gebraucht wird auch eine bedarfsgerechte Personalberechnung, um die anstrengende Arbeit auch auf entsprechend viele Schultern verteilen zu können und so die in den Pflegeberufen Tätigen zu entlasten.
+ Um die Pflegeberufe attraktiver zu machen, muss die Eigenverantwortlichkeit gestärkt werden, Einsatzbereiche und Kompetenzen müssen an die Bedürfnisse der Zeit angepasst werden.

Aus Sicht der AK ist der Ausbau des Pflegefonds in einen (unbefristeten) Pflegegarantiefonds der richtige Weg. Dafür sollen die Mittel aller Gebietskörperschaften gebündelt werden, verlangt Silvia Rosoli, Leiterin der Abteilung für Gesundheitsberuferecht und Pflegepolitik in der AK Wien: „Das garantiert Transparenz und Effektivität. Aber die Bündelung bereits verfügbarer Mittel allein wird auf Grund der demografischen Entwicklung nicht reichen. Darum fordert die AK eine solidarische und nachhaltige Finanzierung. Die AK bekennt sich daher zu einer steuerbasierten Finanzierung, so wie es auch im Regierungsprogramm vorgesehen ist.“ Wichtig ist auch, dass den Pflegenden und den Pflegebedürftigen rasch geholfen wird. In ihrem Pflegepaket fordert die AK daher entsprechende Sofortmaßnahmen:
mehr Personal, Ausbau des mobilen Bereiches, Abschaffung der Selbstbehalte in der mobilen Betreuung und Pflege sowie Schließung der Lohnunterschiede zwischen Langzeitpflege und Krankenhäusern.

Die Finanzierung der Pflege ist ein großes Thema, das nicht von heute auf morgen gelöst sein wird. „Aber bei der Diskussion um die Finanzierung darf nicht der Nutzen für die Menschen vergessen werden, denn gute Pflege bringt allen was“, verlangt Rosoli und verweist darauf, dass sich öffentliche Investitionen in die soziale Infrastruktur auch durchaus rechnen. Laut einer WIFO Studio fließen von jedem öffentlich bezahlten Euro 70 Prozent in Form von Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen wieder zurück.

Das AK-Pflegepaket als erste Sofortmaßnahme
Aus Sicht der AK sind rasch erste Investitionen notwendig, die sofort in Maßnahmen zur Entlastung von Pflegenden und Pflegbedürftigen fließen müssen. Das sind:

+ 20 Prozent mehr Personal sowohl im stationären als auch mobilen Bereich der Langzeitpflege (Kosten rund 511 Mio.)
+ Mehr Zeit für mehr Qualität pro Einsatz und für mehr Leistungsstunden insgesamt im mobilen Bereich (Kosten rund 660 Mio.) + Abschaffung der Selbstbehalte (Kosten rund 154 Mio.) in der mobilen Betreuung und Pflege
+ Schließen der Lohnunterschiede zw. stationärer Langzeitpflege und Krankenhäusern (Kosten rund 200 Mio)

Dieses Paket kostet rund 1,5 Milliarden Euro und könnte zB durch Einführung einer Steuer auf hohe Erbschaften und hohe Schenkungen sowie eine Zweckwidmung von 60 Prozent der Einnahmen aus der Tabaksteuer finanziert werden. Mit dieser Finanzierung käme Österreich auch der Empfehlung der Europäischen Kommission nach einer Entlastung des Faktors Arbeit und der Erhöhung von Vermögenssteuern nach.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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