AT: AK OÖ: Bessere Arbeitsbedingungen und eine echte Ausbildungsoffensive sind notwendiger als eine Pflegelehre

Das fehlende Personal in den Gesundheits- und Pflegeberufen ist mittlerweile zu einem Dauerthema geworden. Immer wieder wird dabei das Projekt einer Pflegelehre als die große Lösung aller Probleme genannt. „Die Arbeiterkammer hat dazu einige Fragen, kritische Anmerkungen und Forderungen“, so AK-Präsident Andreas Stangl.

AK-Präsident Stangl fordert einmal mehr, dass sowohl in den Krankenhäusern als auch in der institutionellen und mobilen Pflege das Personal so rasch wie möglich um 20 Prozent aufgestockt wird, verteilt über alle Berufsgruppen. Alleine bis 2025 fehlen in den Mobilen Diensten und Heimen mit vorsichtiger Schätzung des Sozialressorts 1.500 Vollzeitstellen: Mehraufgaben und neue Anforderungen sind dabei noch gar nicht berücksichtigt. Und in den Krankenhäusern braucht es 6.025 zusätzliche Dienstposten in der Pflege, nur um Pensionierungen und den Mehrbedarf durch die Bevölkerungsentwicklung zu stemmen. Derzeit denken viele Beschäftigte daran, die Pflege zu verlassen: Hauptgründe dafür sind hohe Belastungen und schlechte Arbeitsbedingungen.

Doch ist eine Pflegelehre die Lösung? Der AK ist vor allem unklar, wer die Zielgruppe der Pflegelehre sein soll: Pflegearbeit zu Beginn dieser Lehre für 15-jährige Jugendliche ist abzulehnen. Sie überfordert die Jugendlichen und lässt sie aus dem Beruf aussteigen, bevor sie überhaupt darin angekommen sind. Der Zugang zur praktischen Ausbildung mit 17 Jahren soll daher weiterhin aufrechterhalten werden.

Bereits jetzt gibt es große Baustellen bei den Praktika in der Regelausbildung: zu wenig Zeit für Praxisanleitung, Praktikanten/-innen werden teils als reguläre Pflegerin eingeteilt, der Ausbildungscharakter geht verloren. Außerdem ist fraglich: Wie passen Pflegelehre (Wirtschaftsministerium) und Gesundheits- und Krankenpflegegesetz (Gesundheitsministerium) zusammen? Denn die Theorie- und Praxisstunden sind anders verteilt als in „klassischen Lehrberufen“.

Für erwachsene Umsteiger/-innen ist die Lehre ohnehin wenig attraktiv, hier braucht es andere Lösungen. Oft wird bereits die Ausbildung abgebrochen (nach dem ersten Praktikum) bzw. verlassen Menschen den Beruf, weil sie die Arbeitsbedingungen auf Dauer nicht aushalten.

Die Arbeiterkammer erneuert ihre Forderungen:

  • Die Arbeitsbedingungen sind grundsätzlich zu verbessern. Es braucht dringend eine Anpassung des Mindestpflegepersonalschlüssels und der Personalberechnungen, aufbauend auf arbeitswissenschaftliche Grundlagen.
  • Eine echte Ausbildungsoffensive für die Pflege inklusive arbeitsmarktpolitischer Initiativen für Ein-, Um- und Wiedereinsteiger/-innen. Das Arbeitsmarktservice und das Land OÖ müssen zusätzliche Mittel in die Hand nehmen, um die Pflegeausbildung leistbar zu machen und attraktiver zu machen.
  • Flächendeckender Ausbau der Ausbildungsmöglichkeiten zur Pflege in einer Berufsbildenden Höheren Schule/Berufsbildenden Mittelschule in ganz Oberösterreich
  • In der „OÖ Fachkräftestrategie Langzeitpflege“ echte Verbesserungen umsetzen, anstatt auf die Pflegelehre zu hoffen, die die Probleme nicht lösen wird.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)