AT: AK-Kalliauer: Um die Arbeit in Alten- und Pflegeheimen attraktiver zu machen, müssen noch einige Hausaufgaben gemacht werden

Arbeiterkammer OÖ

Linz (OTS) – Seit kurzem gilt die neue oberösterreichische Alten- und Pflegeheimverordnung. Einige Verbesserungen wurden nicht zuletzt auf Drängen der AK Oberösterreich eingeführt. So kann der Pflegepersonalbedarf nunmehr auf Basis tatsächlicher Pflegestufen berechnet werden, und die Landesregierung versucht – inspiriert durch ein erfolgreiches AK-Pilotprojekt im Linzer Sonnenhof – die Pflegedokumentation in Alten- und Pflegeheimen auf neue Beine zu stellen. „Doch trotz all dieser Erfolge herrscht in vielen Bereichen noch immer akuter Handlungsbedarf“, verweist AK Präsident Dr. Johann Kalliauer auf bestehende Defizite.

Wie viele Menschen muss eine Pflegekraft betreuen? Dieses zahlenmäßige Verhältnis stimmt in den oberösterreichischen Heimen längst nicht mehr. Viele Pflegekräfte können ihre Arbeit nicht mehr so meistern, wie sie es gerne möchten. In der novellierten Alten- und Pflegeheimverordnung wurden einige AK-Forderungen – zumindest teilweise – umgesetzt. So müssen Kurzzeitpflegegäste nun in den Mindestpflegepersonalschlüssel eingerechnet werden. Bei der Berechnung des Personalbedarfs sind die zu erwartenden Pflegestufen zu berücksichtigen, und in der neuen Sozialhilfeverbände-Dienstpostenplanverordnung darf der Mindestpflegepersonalschlüssel erstmals um bis zu zehn Prozent überschritten werden. Dennoch bleiben einige „Baustellen“ übrig.

Hoher Anteil an Teilzeitarbeit, wenig Zeit für Betreuung im Heim

Betreuung und Zuwendung bedeuten mehr Lebensqualität für Heimbewohner/-innen. Auf die dafür notwendige Zeit hat die Novelle allerdings keine Rücksicht genommen. Der Personalbedarf wird zu knapp berechnet, der Mindestpflegepersonalschlüssel wird häufig als Höchstvorgabe gesehen, Kennzahlen werden über Halbjahreszeiträume berechnet – das alles führt dazu, dass in den Dienstpostenplänen viel zu wenig Personal vorgesehen ist. So müssen oberösterreichische Pflegefachkräfte in der Nacht fast doppelt so viele Personen betreuen wie die Wiener oder Salzburger Kollegen/-innen! Im Bundesländervergleich weist Oberösterreich den höchsten Anteil an Teilzeitbeschäftigten in Heimen auf. 71 Prozent der Heim-Mitarbeiter/-innen leisten regelmäßig ein- oder mehrmals im Monat Mehr- und Überstunden. 23,2 Prozent machen diese mindestens einmal pro Monat sogar unbezahlt. „Um die Versorgungsqualität zu sichern und die Gesundheit der Beschäftigten zu schützen, müssen mehrere Maßnahmen realisiert werden“, so AK-Präsident Kalliauer. Die AK-Forderungen im Einzelnen:

  • Eine faire Entlohnung, die die Leistungen auch am Gehaltszettel abbildet.
  • Ausreichend Personal soll Abwesenheiten wegen Urlaub, Krankenstand oder Schwangerschaft ausgleichen.
  • Im Nachtdienst braucht es mindestens zwei Beschäftigte pro Haus (ab 100 Bewohner/-innen mindestens drei) ohne Kürzung beim Tagdienst.
  • Eine Strategiegruppe zur Langzeitpflege inklusive Nutzung der AK-Expertise ist einzurichten.
  • Alle Berufsgruppen müssen bei ihren Weiterbildungswünschen finanziell und mit Arbeitszeit unterstützt werden.
  • Flächendeckende Projekte, die dazu dienen, bürokratische Doppelgleisigkeiten abzubauen und eine neue Pflegedokumentation im Heim umzusetzen, müssen realisiert werden.
  • Der Fokus muss verstärkt auf Personaleinsatzplanung und Arbeitsbedingungen aller Berufsgruppen (Küche, Reinigung, Haustechnik …) gerichtet werden.

Detailliertere Informationen zu den Inhalten dieser Aussendung finden Sie unter ooe.arbeiterkammer.at.

Autor:in

  • markus

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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