AT. Advanced Nursing Practice Kongress: Sichtbarkeit der Pflege durch Advanced Practice Nurses?!

6. Mai 2018 | News Österreich | 0 Kommentare

Kongresstag 18. April 2018

Im Anschluss an den Workshop-Tag am 17. April fand am 18.4. zum achten Mal der ANP-Kongress in Linz statt. Silvia Neumann-Ponesch legte in ihrer Begrüßungsrede die Wichtigkeit der Sichtbarkeit der Pflege dar. Ebenso erwähnte sie die nicht zu vernachlässigende Perspektivensicht, da Seitens der Politik oftmals die Pflege eher als unbeliebt und unfinanzierbar wie ein Damoklesschwert über dem System schwebe. Laut Frau Neumann-Ponesch ist es gerade die Berufsgruppe der Advanced Pracitce Nurses (APN), welche in der Lage ist, in komplexen Pflegesituationen richtig und adäquat zu handeln. Es besteht auch die Evidenz, dass diese Berufsgruppe auch die am besten qualifizierte ist um komplexe Pflegesituationen zu bearbeiten, trotzdem aber in Österreich noch am wenigsten eingesetzt wird. Diese Evidenz dazu ist leider nicht transparent und wird daher auch nicht in politischen Entscheidungen herangezogen. Wobei gerade Sichtbarkeit ein wichtiges Fundament für Empowerment aus ihrer Sicht darstellt. Denn Sichtbarkeit eröffnet Möglichkeiten der Gestaltung und rückt die Pflege und deren Handlungen in den Vordergrund. Es besteht die Notwendigkeit des Mitgestaltens zur Sichtbarmachung denn immer die medizinische Versorgung in Österreich in den Vordergrund zu stellen beschreibt die Organisatorin als Einbahnstraße. Auch muss die Integrierte Versorgung in Österreich verstärkt eingeführt und umgesetzt werden. Hier ist auch die Pflege gefragt! ANP ist laut Neumann-Ponesch nicht Selbstzweck sondern unterstützt die Gesundheitsversorgung.

Elisabeth Rappoldt als Moderatorin startet in den Kongresstag in ihren Begrüßungsworten, dass sich der ANP-Kongress vor allem damit auszeichnet immer die Perspektive von Betroffenen im Fokus zu haben und dies ein herausragendes Merkmal darstellt.

Peter Sönser, stellte die Sicht eines Betroffenen im Gesundheitssystem dar und beschrieb seine Erlebnisse als Patient im System. „Wenn man selbst als Patient nicht mehr kann und ins Gesundheitssystem kommt bzw. dort durchgeschleust wird“. Er betont die wichtigen Anreize für Betroffene im Sinne der Mitbeteiligung am Genesungsprozess. Transparenz, Öffnung und Demokratisierung des Systems sei wichtig und dies müsse gefördert werden.

Maria Müller-Staub ging in ihrem Vortrag darauf ein, dass Pflege als Profession selbst leider immer wieder auf der Suche nach Identität sei und oftmals den Kern der Sache vergesse. Denn „…Pflege ist weit mehr als abgegrenzte definierte Tasks“, sie ist kritisches Denken und Pflegediagnostik für die Patientinnen und Patienten. Eine Task-Orientierung so wie sie sich derzeit darstellt ist für sie der falsche Weg. Durch den Advanced-Nursing-Process mit validen Instrumenten und theoriegeleiteten Outcomes kann das Kerngeschäft Pflege evident sichtbar gemacht werden. Professionelle Pflege bedeutet Eigenverantwortung und ANPs sind evident wirksam. Der Pflegeprozess muss mittels Pflegediagnostik sichtbar, beschreibbar und messbar gemacht werden und als Kerngeschäft auch individualisiert mit den Patientinnen und Patienten von fachkompetenten Pflegenden geleitet werden.

Gertje van Roessel stellte den etwa zweihundert interessiert zuhörenden Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Kongresses das Modell Buurtzorg vor. Die Wichtigkeit der Beziehungspflege sowie der Kompetenzen der Pflegepersonen zum Aufbau eines informellen Betreuungsnetzes für Klientinnen und Klienten als tragender Faktor des Modells wurden detailliert beschrieben.

Peter Ullmann, als Vertreter des Deutschen Netzwerkes für Advanced Practice Nursing (DNAPN) stellte einen Zusammenhang zwischen Clinical Leadership und ANP her und verwies auf den noch nötigen Forschungsbedarf sowie den Bedarf an kritischem Diskurs. Er beschrieb den Weg der Erkenntnis als den Prozess des Sichtbarmachens und betonte den Bedarf an Fachexperten mit Entscheidungskompetenzen.

Tanja Segmüller stellte mit eindrucksvollen Beispielen die sog. Wittener Werkzeuge zur Beratung vor und beschrieb in ihrem Vortrag die Patient-Care-Perspektive und die Self-Care-Perspektive. Für sie stellt der Prozess der Beratung in der Pflege einen ergebisoffenen ad-hoc Prozess im Gegensatz zur planbaren Beratung in anderen Settings dar. Gerade eine ANP hat fundierte Beratungskompetenzen die in komplexen Pflegesituationen zur Anwendung kommen. Für Segmüller darf die kommunikative Komponente der Pflege nicht vernachlässigt werden. Im Buch – siehe Link: https://www.amazon.de/gp/product/3863212916/ werden die Wittener Werkzeuge vorgestellt.

Claudia Leoni-Scheiber stellte anhand ihrer Forschung hinsichtlich der Prävalenz von Pflegediagnosen die Chancen und Risiken der Sichtbarkeit ausführlich dar.

Am Nachmittag wurden in Parallelsessions Praxisbeispiele vorgestellt und im Anschluss daran fand eine Podiumsdiskussion mit dem Titel „Beschreiten neuartiger Modelle: eine gesellschaftliche und ökonomische Notwendigkeit?“ mit Ernst Fürthaller, Land OÖ Linz, Philipp Hermann, Land Kärnten, Klagenfurt, Sebastian Hutter, JAMÖ, SALK, Wien, Salzburg, Martin Rupprecht, FH St. Gallen, Schweiz, Elisabeth Tschachler, Österr. Krankenhauszeitung, Graz und Andrea Voraberger, Klinikum Wels, ANDA statt.

Mit einer Vorschau auf den ANP-Kongress 2019 und einem Sektausklang endete ein interessanter ANP-Kongress in Linz.

 

Autor:in

  • Karin Eder

    Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, akademische Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Demenzberaterin, Direktorin im Haus Hetzendorf, Kuratorium Wiener Pensionisten-Wohnhäuser