AT: 67% der Österreicher:innen mit Gesundheitssystem zufrieden

Aber: Anteil jener, die sich selbst für völlig gesund halten, sinkt – Umfrage am Austrian Health Forum in Schladming präsentiert

Beim Austrian Health Forum (AHF), das heute zu Mittag eröffnet wird und bei dem noch bis Samstag, 14. Mai rund 300 Expert*innen aus dem Gesundheitsbereich in Schladming zusammenkommen, werden heute die Ergebnisse einer groß angelegten Umfrage präsentiert. Durchgeführt wurde die Umfrage, bei der 1000 Österreicher:innen ab 16 Jahren online befragt wurden. im April 2022 durch Demox Research.

67% der Befragten gaben dabei an, dass sie mit dem heimischen Gesundheitssystem zufrieden sind, davon sind 51% „eher zufrieden“ sowie 16% „sehr zufrieden“. Im Gegensatz dazu sind 30% unzufrieden (21% „eher unzufrieden“ plus 9% „sehr unzufrieden“). Auch die Veränderung im Zeitablauf wurde erhoben: Demnach ging die Zufriedenheit seit Mai 2019 von 76% auf 66% zurück, im April und Mai 2020 war die Zufriedenheit zwischenzeitig mit 81% bis 90% Zufriedenen aber besonders hoch.

„Nach Ausbruch der Corona-Pandemie haben viele die Bedeutung des Gesundheitssystems erkannt und waren dankbar für die in Österreich gute Versorgungslage. Allerding sehen wir auch, dass die Bevölkerung sich jetzt mehr mit Gesundheitsthemen befasst und dementsprechend kritisch auf Versäumnisse blickt, was die Zufriedenheit nun wieder gesenkt hat“, interpretiert Christoph Hörhan, Initiator und Programmdirektor des Austrian Health Forum, die Studienergebnisse.

Österreicher:innen fühlen sich jetzt weniger gesund

Seit Februar 2021 ist auch das subjektive Gesundheitsgefühl gesunken. Während sich im Februar 2021 noch 77% „größtenteils“ oder „völlig gesund und wohl“ fühlten, fiel dieser Wert im April 2022 auf 70%, davon fühlen sich 16% „völlig gesund und wohl“ und 54% „größtenteils gesund“. Im Gegensatz dazu sagen jetzt 30%, dass sie sich „eher weniger“ oder „gar nicht gesund“ fühlen, während es im Februar 2021 nur 18% waren.

„Jetzt sind Systeminnovationen gefordert, die den Patient:innen zugute kommen“, resümiert Christoph Hörhan in Hinblick auf das österreichische Gesundheitssystem. Dabei seien laut Umfrage vor allem die Themen „leistbare und qualitative Gesundheitsversorgung für alle“ wichtig (61%), gefolgt von „Pflege“ (55%), der „langfristigen Finanzierbarkeit des Gesundheitssystems“ (47%) sowie der „medizinischen Grundversorgung generell“ (43%) und der „medizinischen Grundversorgung am Land“ (42%). Unter den Top 10 der gewünschten Systeminnovationen finden sich auch „Jungärzte als Ärztenachwuchs“ (38%), „Verfügbarkeit von Behandlungsorten“ (37%), „Forschung in Österreich“ (34%), „Gesundheitsbildung von Jugendlichen“ (31%) sowie „Vorbeugung von ‚Zivilisationskrankheiten‘“ (29%).

Das Austrian Health Forum widmet diesen Systeminnovationen im Gesundheitssystem heuer einen Schwerpunkt und blickt dabei auch auf die Teilbereiche Primärversorgung, Demenz und Pflege, onkologische Versorgungsstrukturen sowie digitale Gesundheitsanwendungen.

Digitale Gesundheitsanwendungen

Zu Letzterem überraschte die Umfrage mit hohen Nutzungsraten bei digitalen Gesundheitsanwendungen: 62% der Österreicher:innen nutzen diese schon jetzt auf ihrem Smartphone, wobei dies sowohl auf jüngere als auch auf ältere Bevölkerungsgruppen zutrifft.

Demenz und Pflege

Was den Themenbereich Demenz betrifft, so gaben 52% der 1000 Befragten an, dass sie sich keine Sorgen machten, im Alter an einer Verschlechterung der geistigen Fähigkeiten zu leiden. Dagegen haben 38% sehr wohl Sorge, an Demenz zu erkranken.

Onkologische Versorgungsstrukturen

Beim Schwerpunktthema Onkologie wurde mit Hilfe der Umfrage erhoben, welche Art der Versorgung sich die Österreicher:innen bei Krebserkrankungen wünschen. 69% sprachen sich eher für hochspezialisierte Zentren aus, für die sie auch höhere Wegzeiten in Kauf nehmen würden. Im Gegensatz dazu plädierten 19% für regionale Versorgungseinrichtungen mit allenfalls geringerem Angebot, wobei dieser Wunsch beispielsweise in der Steiermark häufiger geäußert wurde.

Primärversorgung 

Im Bereich Primärversorgung gaben 68% an, dass der Hausarzt oder die Hausärztin ihre erste Anlaufstelle bei Gesundheitsproblemen ist. 13% wenden sich an den Facharzt oder die Fachärztin, 15% suchen zuerst im Internet, 2% fahren sofort in eine Spitalsambulanz und 1% gaben eine „andere Stelle“ an. Hier gibt es wesentliche Unterschiede nach Altersgruppen, die Unter-30-jährigen recherchieren bei medizinischen Problemen zu 25% im Internet, während dies von den Über-60-jährigen nur zu 5% angegeben wurde. Umgekehrt gehen 80% der Über-60-jährigen direkt zum Hausarzt, während dies bei den Unter-30-jährigen nur zu 57% der Fall ist.

„Diese Ergebnisse bestätigen wie wichtig es für die Menschen ist, wohnortnah medizinisch betreut zu werden. Derzeit nimmt das Angebot an kassenärztlicher Betreuung aber monatlich ab. Umso dringender braucht es neue Angebote in der Primärversorgung, wie sie in den nächsten Tagen am Austrian Health Forum diskutiert werden“, so Christoph Hörhan, Initiator und Programmdirektor des Austrian Health Forum.

Über das Austrian Health Forum

Beim Austrian Health Forum (AHF) kommen von 12.-14. Mai 2022 rund 300 Vordenker:innen aus dem Gesundheitsbereich in Schladming zusammen: Unter dem Motto „Zukunft statt Krise“ diskutieren sie wichtige Innovations- und Integrationsschritte für das österreichische Gesundheitswesen. Das Austrian Health Forum findet bereits zum dritten Mal statt – nun zum zweiten Mal in Schladming – und hat sich als führendes Netzwerktreffen im heimischen Gesundheitswesen etabliert.

Das Austrian Health Forum dankt folgenden Partnern für ihre Unterstützung:

  • Ärztekammer für Wien
  • Bristol Myers Squibb
  • Caritas
  • Demox Research
  • EBCONT
  • Gesundheitsfonds Steiermark
  • Hörhan Strategy Consultants
  • Human.technology Styria
  • InterSystems
  • IQVIA
  • ITSV GmbH
  • JOANNEUM RESEARCH
  • Land Steiermark
  • Medtronic
  • NÖGUS
  • Österreichische Apothekerkammer
  • Österreichische Gesundheitskasse
  • Roche
  • Sanofi
  • Schladming Dachstein Tourismusmarketing
  • Senat der Wirtschaft

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)