AT: 36. Fachtagung des Berufsverbandes der DMTF + MAB Österreichs

Ein Kongressbericht

(C) Markus Golla

Die medizinischen Assistenzberufe stellen schon seit geraumer Zeit eine wichtige Säule des Gesundheitswesens dar. Sie assistieren den unterschiedlichsten Berufsgruppen, arbeiten in vielen Bereichen komplett selbstständig und haben in ihrem Bereich ein Fachwissen, welches wirklich ein hohes Ansehen verdient. Das Motto des Jahres 2017 stand unter dem Banner „Der Sturz – Ursachen, Prävention, Rehabilitation“. Ein Grund für Pflege Professionell erstmalig die 36. Fachtagung der DMTF und MAB Österreichs zu besuchen….

Wir waren schon auf einer Menge Kongresse und Events in Wien, aber das Seminarhotel Springerschlössel am Rande Schönbrunns punktete bereits beim Eintreffen. Ein märchenhafter Veranstaltungsort, der durch den sonnigen Morgen eine noch angenehmere Atmosphäre bot. Die meisten Teilnehmenden hatten sich bereits zur Registrierung eingefunden und schnell merkte man als Neuankömmling, dass die Gruppe der DMTF und MAB eine offenherzige und familiäre Berufssparte ist. Jeder schien jeden zu kennen, unabhängig aus welchem Arbeitsbereich die Personen kamen oder in welchem Bundesland sie wohnten. „Heimisch und freundlich“!

(C) Markus Golla

 

Die Eröffnungsrede der Präsidentin des Berufsverbandes, Frau PhDr. Petra Herz, MAS war elegant und voller energieerfüllter Worte, wie man sie sich von einer Präsidentin nur wünschen konnte. Hierbei gab es Metaphenvergleiche zur musikalischen Begleitung von Giorgia Veneziano und einige Geschichten aus der Vergangenheit des Berufsverbandes.

Das blaue Tape stammte übrigens nicht von einer Sport- oder Arbeitsverletzung, sondern von der freudigen Teilnahme am Workshop „Einführung ins K-Taping“, welcher am Anreisetag stattgefunden hatte.

 

 

(C) Markus Golla

Dr. Wolfgang Schaden, Begründer der Stoßwellentherapie und Führungsperson in der AUVA, hielt eine großartige Rede über Interdisziplinarität. Schon bei den ersten Worten merkte man die Wertschätzung gegenüber den Assistenzberufen, welche er immer wieder durch Wortmeldungen während des gesamten Kongresses weiterführte. Eine solche Würdigung zeigt, dass professioneller Einsatz und das interdisziplinäre Teamwork in einigen Bereichen auf Augenhöhe wirklich gelebt wird. Einen herzlichen Dank hierfür!

 

 

(C) Markus Golla

 

Wenn jemand über das Thema „Prävention von Fall und Sturz“ berichten kann, so ist es Dr. Harald Maruna, welcher mit Freuden über die AUVA Kampagne „Baba und fall ned“ berichtete. Nach einem kurzen historischen Rückblick über „die Prävention im Arbeitsalltag“, berichtete der begeisterte Präventionsbeauftragte, über die Aktion und dessen Nutzen. Allein der Rückgang der Sturzunfälle, welcher ganz klar auf die AUVA Kampagne zurück zu führen war, zeigte, dass sich Prävention wirklich auszahlt. „Wer einen Euro in die Prävention investiert, erspart sich vier Euro in der Behebung.“, eine Kalkulation die vor langer Zeit aufgestellt wurde und die heute noch immer ihre Wertigkeit besitzt.

 

(C) Markus Golla

„Welche Laborwerte sind in der Diagnostik von Relevanz?“ und „Was kann man aus diesen Laborwerten ablesen?“ Mit diesen beiden Fragen präsentierte sich der Wiener Ärztekammerpräsident Dr. med. univ. Thomas Szekeres. Sein zwanzigminütiger Vortrag wies alle relevanten Laborparameter aus. Leider fehlte hierbei ein wenig der Übergang zum Kongressthema „Der Sturz“, was jedoch beim Zuhören nicht wirklich störte.

Es folgte das Thema „Stürze und Sturzprophylaxe aus der Sicht der Neurologie“ und „Stürze und Sturzprophylaxe aus der Sicht der Rheumatologie“, welche von Univ. Prof. Dr. Gerald Wiest (Neurologie) und Priv. Doz. Dr. Michael Bonelli (Rheumatologie) vorgetragen wurden. Beide Präsentationen informierten über die möglichen Ursprünge der Sturzgefahr plus diverser Zusatzinformationen. Bevor es in die Mittagspause ging erzählte Ao. Univ.Prof. Dr. Richard Crevenna über den interdisziplinären Auftrag aus Sicht einer Klinik. (In diesem Fall über das Allgemeinkrankenhaus in Wien).

(C) Markus Golla

Die Mittagspause wurde natürlich nicht nur zur Verköstigung genutzt. Hier wurde ab der ersten Minute genetzwerkt und man tauschte Fachwissen, Ausbildungsinhalte und Beschreibungen über Arbeitsbedingungen aus. Durch die angenehme Mittagssonne verlagerten sich diese Gespräche schnell ins Freie. Natürlich waren hier auch Frau Direktorin Stv. Sabine Kaiser (MAB Schule St. Pölten), Direktorin Maria Sauer (MAB Schule Wien), Direktorin Christa Reiser (MAB Schule Steiermark) und Direktorin Elisabeth Kalchschmid D.O. (MAB Schule Tirol)

(C) Markus Golla

anzutreffen. Nach dieser kurzen Pause wurde die nächste Vortragsrunde mit einem Vortrag von OA Dr. Gerald Pärtan über die radiologische Diagnostik von Stürzen und ihren Folgen eingeläutet. Es folgte ein Doppelvortrag von OA Dr. Joachim Renner über „Sturz und Erste Hilfe“ und „Die operative Behandlung nach Sturz“. An der Vortragsweise des  „Vollblutunfallchirurgen“ sah man sehr schnell, das dieser Mann mit Leib, Seele und Herzen ein Unfallchirurg ist, der regelmäßig auf Kongressen und Schulen unterrichtet. Sein Arbeitskollege OA Dr. Gerhard Michels erörterte die konservative Versorgung nach einem Sturz und brachte auf humorvolle Weise die Thematik Nachbehandlung ins Spiel. Mit einem uralten Video, welches dem Publikum eine Reihe an Lachanfällen bescherte, beendete er den interessanten Vortrag, welcher ebenfalls mit vielen Bildern aus den unterschiedlichsten Handlungsepochen untermalt wurde. Gerade die alten Gipstechniken kamen hier besonders zur Geltung.

(C) Markus Golla

Um das Thema konservative Behandlungsmethode perfekt abzurunden folgte der Vortrag „Oberarm-Fraktur – Versorgung mit modernen Gips-Techniken von  Prim. Univ. Prof. DDr. Thomas Klestil. Hierbei waren es die neuen Materialen, die perfekt präsentiert wurden. Obwohl die konservative Behandlung eine sehr alte Kunst ist, wurde den ZuhörerInnen sehr spannend präsentiert, dass Gips eben nicht gleich Gips ist. Viele neue Materialien und die dazugehörigen Bearbeitungstechniken machen diese Disziplin zu einem Meisterhandwerk, das mit der Zeit gegangen ist. Das ist auch sicher ein Grund, warum innovative Kollegen wie Rudolf Bucher und Helmut Westerthaler aus Tirol ein so einzigartiges Fachbuch (Reposition und Gipstechnik) herausbringen konnten. Ein solches Werk war längst überfällig und beweist auch, dass man keinen akademischen Titel braucht, um die Fachwelt mit einem praxisnahen literarischen Werk zu beschenken. Da man nicht genug gute Nachschlagewerke haben kann, kam zeitgleich das Buch „Gips und Castverbände“) von Christian Hebbauer auf den Markt, welches im Springerverlag erschienen ist. Wir bedanken uns bei diesen drei Herren für die Bereicherung, die den MABs dadurch zuteil wurde.

(C) Markus Golla

Nach einer kleinen Pause folgten dann berufsspezifische Fach und Firmenworkshops zum Thema Muskelaufbau und Oberarmfraktur. Um diesen einzigartigen Tag perfekt zu beenden, gab es am Abend eine Benefizveranstaltung zugunsten der „Initiative Kinderreha“, der auch von der örtlichen Politik besucht wurde.

Fazit: Es war unser erster DMTF und MAB Kongress, eine Veranstaltung die uns große Freude bereitet hatte. Da das Veranstaltungsspektrum für Assistenzberufe in Österreich nicht wirklich großhaltig angeboten wird, ist gerade dieser Kongress ein Leuchtfeuer, welches Veranstalter motivieren sollte, noch mehr für diese wunderbare Community zu generieren. Zu diesem Punkt gibt es auf jeden Fall noch positiv zu sagen, dass die 36. Fachtagung nicht nur von eingefleischten „Althasen“ besucht wurde, sondern auch die MAB Schule aus St. Pölten mit zahlreichen SchülerInnen vertreten war. So muss gelebter Berufszusammenhalt aussehen! Berufsprofis und Einsteiger mit Schulterschluss, wenn es um die Zukunft einer Berufssparte geht…

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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