AT: 24-STUNDEN-BETREUUNG: PersonenbetreuerInnen reagieren auf die geplante Kürzung der Familienbeihilfe

(C) Lukas Beck

Wien (OTS) – Eine aktuelle Befragung von PersonenbetreuerInnen zur Kürzung der Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder ergibt:  Mehr als die Hälfte der betroffenen BetreuerInnen kehren Österreich den Rücken.

In Österreich arbeiten aktuell rund 65.000 PersonenbetreuerInnen. Fast alle von ihnen kommen aus den benachbarten EU Ländern. Ein geschätztes Drittel der BetreuerInnen beziehen für ihre Kinder Familienbeihilfe aus Österreich. Kaum eines dieser Kinder lebt in Österreich. Die BetreuerInnen wohnen während ihrer Betreuungstätigkeit bei den betreuten Personen und verfügen über keine eigene Wohnmöglichkeit in Österreich. Dadurch können sie ihre Kinder auch nicht nach Österreich mitnehmen. Die regelmäßige Turnustätigkeit (zB zwei Wochen Dienst – zwei Wochen Pause) ermöglicht es ihnen aber trotzdem ihre Beziehung zu den im Heimatland verbliebenen Kindern aufrechtzuerhalten.

Für die Zeit der Abwesenheit organisieren PersonenbetreuerInnen die Versorgung ihrer Kinder entweder über ihre Partner/Partnerin oder auch durch externe Personen wie Angehörige, Nachbarn oder Bekannte. Aufgrund der wochenlangen Abwesenheit der BetreuerInnen können deren PartnerInnen in den meisten Fällen keiner Vollzeitbeschäftigung nachgehen. Dieser Verdienstverlust sowie die Versorgung der Kinder durch externe Personen werden durch die österreichische Familienbeihilfe teilweise kompensiert.
Die BetreuerInnen sind sich in einem Punkt einig: Durch die Turnustätigkeit als PersonenbetreuerInnen in Österreich entstehen in der Versorgung der Kinder deutliche Mehrkosten.

Die Organisation AIW – ALTERN IN WÜRDE hat aktuell eine Umfrage durchgeführt, um das Verhalten der BetreuerInnen im Falle der Kürzung der Familienbeihilfe zu erfragen. Mehr als 1400 eingegangene Antworten zeigen, dass sich die Kürzung auf die 24-Stunden-Betreuung negativ auswirken könnte.

Ergebnis der Umfrage: 

  • 30% der BetreuerInnen möchten im Falle der Kürzung ihre Betreuungstätigkeit in Österreich beenden.
  • 26%  der Betreuungskräfte sehen sich gezwungen ein höheres Honorar von den betreuten Personen zu verlangen.
  • 24%  suchen sich die gleiche Tätigkeit in einem anderen EU Land.

Demnach wird die Kürzung der Familienbeihilfe nicht nur die BetreuerInnen selbst, sondern auch die betreuten Personen unmittelbar betreffen. Sollte die Familienbeihilfe für PersonenbetreuerInnen tatsächlich gekürzt werden, müssen 80% der betroffenen betreuten Personen diese Auswirkungen in Kauf nehmen.

Der Beruf der PersonenbetreuerInnen braucht sinnvolle Anreize. Die Politik sollte deshalb Rahmenbedingungen schaffen und dazu beitragen den Beruf der Personenbetreuung attraktiver zu gestalten, um erfahrene Betreuungskräfte langfristig in Österreich halten zu können. Mit der Kürzung der Familienbeihilfe für die Kinder der PersonenbetreuerInnen steuert die österreichische Politik allerdings genau in die Gegenrichtung.

Auf dem Rücken der BetreuerInnen und auf Kosten der Qualität darf nicht gespart werden. Diese für die Versorgung der Menschen so wichtige Berufsgruppe braucht zukunftsorientierte Lösungen, auch beim Thema Familienbeihilfe. Seit mehr als 25 Jahren sorgen PersonenbetreuerInnen für das Wohl vieler betreuungsbedürftiger Menschen in Österreich. Für diese wertvolle Unterstützung haben sich die BetreuerInnen längst mehr Anerkennung und Wertschätzung seitens der österreichischen Politik verdient.

Markus Golla
Über Markus Golla 3185 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Lehrer und Vortragender im Bereich Gesundheit- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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