AT: 1 Jahr Corona – neunerhaus Gesundheitszentrum: Bilanz und Ausblick

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2020 erhöhte Nachfrage an Behandlung und Beratung von obdach- und wohnungslosen sowie nichtversicherten Menschen, Tendenz steigt nach wie vor

Wien (OTS) – Auch im vergangenen Jahr war das neunerhaus Gesundheitszentrum im 5. Wiener Gemeindebezirk eine wesentliche Anlaufstelle für armutsbetroffene Menschen ohne Krankenversicherung, für die es sonst nur sehr wenige Andockstellen im Gesundheitssystem gibt – und die Nachfrage ist auch 2021 nach wie vor enorm.

„Wir sind da. Das war unser Motto 2020 und daran halten wir auch 2021 fest. Seit dem Ausbruch der Krise konnten wir durchgehend die Türen offen halten, um die medizinische Versorgung unserer NutzerInnen in vollem Umfang sicherzustellen. Seit Monaten bildet sich täglich eine Warteschlange vor unserem Gesundheitszentrum. Viele Menschen haben keine Versicherung aber sehr wohl chronische Erkrankungen, Zahnschmerzen, offene Wunden an den Beinen oder ganz einfach Rede- und Aufklärungsbedarf zu ihrer Situation – bei neunerhaus gilt für sie alle: ‚du bist wichtig‘“, so Daniela Unterholzner, neunerhaus Geschäftsführung.

„Dem Virus ist es letztendlich egal, ob jemand eine e-card hat oder die Möglichkeit zu #stayathome. Teststraßen auch für Nichtversicherte zu öffnen, sollte selbstverständlich sein und ist sicherlich ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung“, ergänzt Elisabeth Hammer, neunerhaus Geschäftsführung.

Bald 6.000 PatientInnen jährlich

Vergangenes Jahr versorgten die neunerhaus ÄrztInnen und SozialarbeiterInnen 5.800 obdachlose und nichtversicherte Menschen, 2019 waren es 5.300. Allein die neunerhaus Arztpraxis verzeichnete seit Pandemiebeginn einen PatientInnenzuwachs von mehr als einem Viertel (Q1 2020: 676, Q2 2020: 877). Auch der Bedarf an sozialarbeiterischer Beratung, die im neunerhaus Gesundheitszentrum mit der medizinischen Versorgung Hand in Hand geht, stieg eklatant: Gab es 2019 über 1.500 Beratungen, waren es 2020 mit 2.500 Beratungen bereits um zwei Drittel mehr. „Die Zahl der PatientInnen stieg und damit auch das Bedürfnis an Beratung, Austausch, Entlastung und Weitervermittlung. Somit hat das Thema psychische Gesundheit auch uns im letzten Jahr sehr stark begleitet und gefordert“, so Elisabeth Hammer.

„Damit wir obdachlosen und nichtversicherten Menschen auch weiterhin die dringend benötigte medizinische Behandlung und Beratung bieten können, sind wir vor allem auf Spenden angewiesen“, so Daniela Unterholzner.

Fotomaterial zum Download unter www.neunerhaus.at/presse

Über das neunerhaus Gesundheitszentrum

Das neunerhaus Gesundheitszentrum ist für wohnungs- und obdachlose Menschen sowie für Menschen ohne Krankenversicherung da und vereinigt seit Herbst 2017 die neunerhaus Arztpraxis, die neunerhaus Zahnarztpraxis, die Wundversorgung und die neunerhaus Sozialarbeit interdisziplinär unter einem Dach. Über 5.000 Menschen werden im Gesundheitszentrum pro Jahr versorgt – Tendenz steigend. Zudem sind die neunerhaus Mobilen ÄrztInnen in 27 verschiedenen Einrichtungen der Wiener Wohnungslosenhilfe in ganz Wien tätig. Im März 2020 startete das neunerhaus Gesundheitstelefon, im Auftrag der Wiener Gesundheitsbehörde und in Kooperation mit dem Fonds Soziales Wien, das sich an MitarbeiterInnen der Wohnungslosenhilfe, der Flüchtlingshilfe, der Behindertenhilfe und der Frauenhäuser richtet.

neunerhaus wird vom Fonds Soziales Wien gefördert und hat einen Vertrag mit der Österreichischen Gesundheitskasse, ist aber auch vor allem zentral auf Spenden angewiesen.
https://www.neunerhaus.at/konzepte/neunerhaus-gesundheitszentrum/

Über neunerhaus

neunerhaus wurde 1999 gegründet und ist eine Sozialorganisation in Wien. neunerhaus ermöglicht obdachlosen und armutsgefährdeten Menschen ein selbstbestimmtes und menschenwürdiges Leben mit medizinischer VersorgungWohnen und Beratung. Ziel ist es, Betroffenen Hilfe zur Selbsthilfe zu geben, um ihre Lebenssituation nachhaltig zu verbessern. In drei neunerhaus Wohnhäusern und über 250 Wohnungen in ganz Wien leben mehr als 600 ehemals obdach- und wohnungslose Menschen jährlich.
www.neunerhaus.at

Markus Golla
Über Markus Golla 9264 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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