Arme sterben in England zehn Jahre früher

25. November 2018 | Gastkommentare | 0 Kommentare

London (pte011/23.11.2018/10:30) – Bei der Lebenserwartung zwischen den reichsten und ärmsten Teilen der Gesellschaft in Großbritannien nimmt die Kluft laut einer Studie des Imperial College London http://imperial.ac.uk weiter zu. Die in „Lancet Public Health“ veröffentlichten Forschungsergebnisse zeigen, dass die Lebenserwartung der ärmsten Frauen seit 2011 weiter gesunken ist. Diesen Trend bezeichnen die Forscher als sehr Besorgnis erregend.

Geschlechterunterschiede

Für die vom Wellcome Trust http://wellcome.ac.uk finanzierte Studie wurden die Daten zu allen Todesfällen zwischen 2001 und 2016 analysiert. Insgesamt handelte es sich um 7,65 Mio. Sterbefälle, die vom Office for National Statistics http://ons.gov.uk erfasst wurden. Die Kluft zwischen den Reichsten und den Ärmsten erhöhte sich bei Frauen von 6,1 Jahren 2001 auf 7,9 Jahren 2016. Bei Männern kam es zu einem Anstieg von neun auf 9,7 Jahre.

2016 lag die Lebenserwartung der ärmsten Frauen bei 78,8 Jahren. Bei den reichsten Frauen lag sie bei 86,7 Jahren. Die ärmsten Männer verfügten über eine Lebenserwartung von 74 Jahren. Die reichsten Männer erreichten durchschnittlich ein Alter von 83,8 Jahren. Die Analyse ergab auch, dass die Lebenserwartung der ärmsten Frauen seit 2011 um 0,24 Jahre gesunken ist.

Laut Seniorautor Majid Ezzati ist die sinkende Lebenserwartung in den ärmsten Gemeinden ein großer Anlass zur Besorgnis, da sie ein klarer Indikator für den Zustand der Gesundheit der Nation sei. „Die Menschen, die am verletzlichsten sind, haben keinen Anteil am Gewinn der Gemeinschaft.“

Wissenschaftler sind besorgt

Zahlreiche Faktoren tragen laut dem Experten zu dieser Entwicklung bei. Das Einkommen durch Arbeit stagniere, die Unterstützung wurde reduziert. Zahlreiche Familien sind daher bei der Ernährung auf Unterstützung angewiesen. Der Preis von gesunden Lebensmitteln wie frischem Obst und Gemüse ist im Vergleich zu ungesunderen Nahrungsmitteln gestiegen. Damit haben diese Menschen keinen Zugang mehr.

Die allgemeinen Einsparungen haben deutliche Auswirkungen auf die Ärmsten. Die Folge ist, dass behandelbare Krankheiten wie Krebs zu spät diagnostiziert werden oder dass Menschen früher an den Folgen einer Demenz sterben. Die Forscher haben auch die Krankheiten untersucht, die zur Verringerung der Lebenserwartung führen. Insgesamt starben arme Menschen häufiger an allen Krankheiten.

Die Lebenserwartung armer Menschen wurde vor allem durch Todesfälle bei Neugeborenen, Kinderkranheiten, Erkrankungen der Atemwege, Herz- und Krebserekrankungen der Lunge sowie der Verdauungsorgane und Demenz verringert. 2016 starben die Kinder der ärmsten Gemeinden 2,5 Mal so wahrscheinlich wie die der reichsten Eltern. Laut Ezzati sterben die Armen in Großbritannien an Krankheiten, die verhindert und behandelt werden können.

Autor:in

  • Markus Golla

    Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)