Anerkennung

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Laut Duden bedeutet der Begriff Anerkennung Lob, Wertschätzung, Achtung, Respekt, Würdigung der Leistung. Die Leistungen von Pflegeberufen erfahren in den letzten Monaten Anerkennung – etwa durch lobende Worte der Politik bis hin zu Dankesinseraten in namhaften Modejournalen.  Bis dato wurden die Arbeit von Pflegeberufen eher zu Weihnachten, zum Muttertag, oder am Internationalen Tag der Pflegenden gelobt. Zumeist geht es dann um Empathie oder Berufung, die Notwendigkeit von Wissen und Entscheidungskompetenz rückt eher in den Hintergrund.  Das hat sich mit der Corona-Pandemie deutlich geändert. Es wurde plötzlich klar was es bedeutet, wenn etwa die beste Beatmungsmaschine mangels kompetenten Pflegepersonals nicht zum Einsatz kommen kann, oder Pflegeeinrichtungen den Personalnotstand, wegen ausgeschöpfter Personalkapazität ausrufen müssen. Als Anerkennung für die außergewöhnlichen Belastungen des Pflegepersonals während der Corona- Pandemie stellt die Regierung nun einen „Corona- Bonus“ von € 500.—zur Verfügung, und noch dazu steuerfrei, der im kommenden Jahr über die Länder ausbezahlt wird. Das ist zumindest ein Signal an die große Berufsgruppe der Pflegepersonen die sicher nicht zu den Spitzenverdienern gehören und das auch, im Gegensatz zu so manchen anderen Gesundheitsberufen, nie sein werden.

Nun wäre es aber auch an der Zeit, die zentralen Rollen sowie das Aufgabenspektrum von Gesundheits- und Krankenpflegepersonen auf Augenhöhe im therapeutischen Team zu bringen und diese auch der breiten Öffentlichkeit zu verdeutlichen. Denn genau diese Schritte sind längst überfällig. Als aktuelles Beispiel wäre hier die Rolle der Pflegepersonen bei der Durchführung von Antigen SARS-Cov-2 Schnelltests zu nennen. Es war hoch an der Zeit, die bereits vorhanden Kompetenz des Pflegefachpersonals dafür zu nutzen und längst überholter Delegationsmechanismen zu überwinden.  Es geht aber auch um einen direkt durch den gehobenen Dienst für Gesundheits- und Krankenpflege abrechenbaren Honorarkatalog mit den Krankenversicherungen; auch bei diesem Thema sollten die Verantwortlichen endlich konkrete Vorschläge auf den Tisch legen.

Mit der umfassenden Ausbildungsreform für Pflegeberufe des Jahres 2016, deren gesetzlich verankerte zentrale Punkte die Ausbildung des gehobenen Dienstes für Gesundheits- und Krankenpflege an Fachhochschulen, sowie die Einführung der mit zwei Jahren ausgebildeten Pflegefachassistenz und der 2019 darauffolgenden gesetzlich verpflichtenden Meldung aller laut Gesundheits- und Krankenpflegegesetz ausgebildeten Pflegeberufen im Gesundheitsberufe – Register, wurden die wesentlichen Voraussetzungen für diese Verankerungen geschaffen.

Ebenso belegen zahlreiche aktuelle Studien und Analysen, dass ein wichtiger Punkt des geringen Interesses, insbesondere von jungen Menschen, einen Pflegeberuf ausüben zu wollen, die mangelnde Würdigung der Fachkompetenzen in der Pflegepraxis und im Gesundheitswesen ist.

Nun sind die politischen Entscheidungsträger am Zug, wenn es darum geht, Pflegeberufe im 21. Jahrhundert mit allen dazugehörigen Rahmenbedingungen und Konsequenzen ankommen zu lassen.

Die Kolleginnen und Kollegen müssen jedoch auch diese ihnen gebührende Anerkennung auf Augenhöhe im therapeutischen Team einfordern – und das tagtäglich und auf allen Ebenen.

Übrigens: wann entschließt sich der Gesetzgeber die Unterscheidung „ärztliche“ und „nichtärztliche“ Gesundheitsberufe aufzuheben? Dies wäre auch ein längst überfälliger Schritt in Richtung Respekt und Anerkennung gegenüber den Pflegeberufen.

 

 

Autor:in

  • 1977 bis 2007 Pflegepraxis und Projektarbeit im stationären Bereich wie etwa Unfall- und Allgemeine Chirurgie, Kardiologie und Nephrologie, sowie von 1993 bis 2007 Tätigkeitsbereich im Operationssaal. 2007 bis 2020 Präsidentin des ÖGKV sowie Vorsitzende der Österreichischen Pflegekonferenz. Aktuell Mitglied im wissenschaftlichen Beirat des Karl Landsteinerinstitutes für Human Factors & Resources im Gesundheitswesen, Lektorin der Weiterbildungsakademie für Pflegeberufe an der Sigmund Freud Universität Wien

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