Am Lebensende zu sich selbst finden

Methoden zur Stärkung des Selbstzugangss von Schwerstkranken, Angehörigen und Begleitern

Die Herausforderungen der letzten Lebensphase können Betroffene in eine innere Entfremdung führen. Sie durchleiden ihren Alltag dann im Tunnelblick, in innerer Erstarrung und Handlungslähmung. Forschungsbefunde zeigen, dass ähnliche Symptome auch bei Angehörigen und auf professioneller Seite in Palliative Care auftreten. Denn nicht selten werden aufgrund vielfach fordernder Aufgaben und Themen bei zugleich hoher Entscheidungsverantwortung innere Grenzen erreicht.

Aus psychologischer Sicht stehen diese Phänomene mit einem erhöhten negativen Affekt in Zusammenhang. Dadurch ist der Zugang zu den eigenen Bedürfnissen und zum eigenen Selbst, das in unbewussten Gehirnarealen zu verorten ist, verschüttet. Die Methoden des Zürcher Ressourcen Modells (ZRM®), die im praktischen Teil für die Selbstanwendung beschrieben werden, zielen direkt auf die Aktivierung des Selbst. Dadurch sind Betroffene in der Lage, ihre Gefühle (wieder) wahrzunehmen und zu regulieren, den Überblick über die aktuelle Situation zu erlangen und selbstbestimmte, gute Entscheidungen zu treffen.

Persönliches Fazit: Die Autor*innen beziehen sich in ihrer Publikation auf das Zürcher Ressourcen Modell. Hierbei werden klare theoretische Trennungen zwischen dem Verstand und dem unbewussten Ich gemacht. Gerade in palliativen Entscheidungen ist das Zwischenspiel dieser beiden Systeme absolut relevant. Es geht hierbei um Entscheidungen, die auf dem finalen Weg zu treffen sind. Sachlich und von 0 beginnend wird die Leserschaft an dieses Thema herangeführt. Hierbei kommt es zu kleinen Übungen, um gerade bei Themen die dann letztendlich nicht so klar sind, eine Erkenntnis zu erlangen. Was ist der Unterschied zwischen Entscheidungssicherheit und Entscheidungsklarheit? Wo zieht jeder seine persönliche Grenze in der Kompromissbereitschaft? Wie viel Zeit bleibt ihnen überhaupt noch für eine Entscheidung? Sind wir am Ende noch Selbstbestimmt? Seite für Seite wird der Lesenden aufgezeigt, dass es in dieser Situation doch nicht alles so leicht zu beantworten ist. Aus routinierten Entscheidungen wird auf einmal ein Ausnahmezustand, denn das Selbst am Lebensende im Gleichgewicht zu halten ist absolut nicht leicht. Doch wer nun glaubt, das dies nun das Ende des Buches ist, sei eines besseren belehrt. Nun hat man die Grundlagen durchgelesen und es geht mit vielen Beispielen und Ideen in die nächste Runde. Praxisbeispiele und die Anwendung des ZRM stehen nun im Vordergrund. Es geht um Verständnis, Sprache, entsprechenden Assessments und vieler Ideen. Die palliative Haltung ist hier stets im Vordergrund. Das Buch bringt sie werden dem Lesen in eine Welt der Selbstreflexion und ist ein Sammelsurium toller Möglichkeiten. Auf jeden Fall absolut empfehlenswert und für ruhige Abende eine tolle Leselektüre.

Autorinnen: Julia Weber, Daniel Berthold
Umfang: 296 Seiten
Sprache: Deutsch
ISBN: 3456859724

Markus Golla
Über Markus Golla 7025 Artikel
Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Lehrer für Gesundheit- und Krankenpflege (Studium Umit/Wien)

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