Akademische Fachkräfte, das Böse der deutschsprachigen Pflege

Und wieder 4 Meldungen, die ich nach vielen Jahren nicht mehr hören kann…
„AKADEMISCHE KRANKENPFLEGEFACHKRÄFTE WOLLEN NICHT AM BETT ARBEITEN“
Fragen Sie dies mal die „Krankenschwestern“ (sic) in der USA, England, Kanada, Australien, China, Finnland, Neuseeland, Südkorea, Irland, Dänemark, Taiwan, Schweden, Spanien, Brasilien,…., denn dort sind die Pflegekräfte akademisiert. Wer arbeitet dann dort am Bett ❓❓ Ist das so etwas wie Schrödingers Katze? Eine akademisierte Fachkraft die nicht am Bett arbeitet und zugleich den Patienten versorgt ❓❓ Oder sind es nur die österreichischen akademisierten Pflegefachkräfte, die nicht am Bett arbeiten wollen ❓❓ Warum kommen dann jährlich über 100 Studierende zu mir an die FH und wollen 1000x lieber die praktischen Fächer erlernen, als die Wissenschaftsfächer ❓❓
„IN DEN KRANKENPFLEGESCHULEN HABEN WIR AUCH KEINE PFLEGEWISSENSCHAFT GEBRAUCHT“
Nein, genau. Die Pflegebücher haben sich aus reinen Erfahrungsberichten zusammenschreiben lassen. Darum sind ja auch die S3 Leitlinien rein „Ahnenüberliefert“ und haben diesem wissenschaftlichen Firlefanz seit e und je entsagt.
„WARUM SOLLTEN AKADEMISCHE PFLEGEKRÄFTE MEHR VERDIENEN, DASS IST UNFAIR!
Nehmen wir mich als Beispiel. Bisher habe ich rund 25.000 Euro in meine Ausbildung gesteckt. Für den kommenden PhD wird es eine ähnliche Summe sein. Von den vielen Jahren ohne Freizeit, weil jeder Urlaubstag für die Universität verbraucht wurde, rede ich erst gar nicht. 4 Jahre Selbstaufgabe und nun folgen weitere 4 Jahre. Ich investiere also mehr als einen hochwertigen Neuwagen in meine Bildung und soll, genauso viel bekommen, wie jemand, der nach drei Jahren Schule genauso viel verdient. Jetzt kommt das Argument:“JA, aber für die selbe Leistung am Bett.“ STIMMT. Für die selbe Leistung finde ich es auch komisch, ABER wenn man dann durch die Investition eine bessere Position bekommt, dann ist es wieder für viele unfair.
Nochmals: Ich investiere in meine Zukunft und andere fühlen sich dadurch unfair behandelt bzw. ausgegrenzt. In jeder anderen Berufssparte ist dies Usus, aber in der Pflege ist es natürlich ein No-Go das eigen investierte Lebenszeit & Geld, um voranzukommen, auch etwas bringen soll. Na klar bei einem aufopfernden Herzensberuf müssen natürlich alle gleich sein, egal wie sehr sie sich anstrengen. LOGISCH
„PFLEGEWISSENSCHAFT BRAUCHT MAN IN DER PFLEGE NICHT“
Genau, wozu sollte man eine praxisorientierte Forschung für den Beruf brauchen, um hiermit neues Wissen zu generieren. Wir machen ja e immer alles so wie wir es immer schon gemacht haben. Hierfür bedarf es keinem neuen Wissen. Es reicht ein Try & Error, welches wir dann global auf die Pflege umwälzen können. Das reicht doch. Die ÄrztInnen machen das doch auch nicht anders und die PsychologInnen ebenso. Die werfen alle morgens Reiskörner in eine runenverzierte Tonschale, um festzustellen, wie neue Krankheiten heilbar sind oder welches Verfahren bei welcher Krankheit am effektivsten ist. Aber wir hätten bitte gern deren Gehalt, weil die ja in medizinischen Hauptschulen ausgebildet worden sind und nun mehr verdienen als die herzliche Pflege.
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Ich kenne keine Berufsgruppe, die SO „NICHT Stolz“ auf Weiterentwicklungen ist, wie die Pflege. Aber das gilt natürlich nur für Österreich, denn in USA, England, Kanada, Australien, China, Finnland, Neuseeland, Südkorea, Irland, Dänemark, Taiwan, Schweden, Spanien, Brasilien,…. ist man „Proud to be a nurse“
Eines Tages wird auch dies kein Thema mehr sein.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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