Afghanistan: Statement zum Welttag der humanitären Hilfe

Statement von Laura Leyser, Geschäftsführerin von Ärzte ohne Grenzen Österreich anlässlich des Welttages der humanitären Hilfe am 19. August 2021: „Nur durch unsere gelebte Neutralität können wir weiterhin in Afghanistan bleiben und jetzt, wo es am dringendsten ist, helfen, während andere sich zurückziehen. Wir konnten unsere Arbeit auch während der Kampfhandlungen weiterführen und unsere Teams sind derzeit in Kunduz, Helmand, Kandahar, Herat und Khost im Einsatz.

Ärzte ohne Grenzen arbeitet gemäß der humanitären Prinzipien Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit. Diese wirken oft abstrakt aber gerade anlässlich der aktuellen Situation in Afghanistan sehen wir, wie wichtig diese sind – denn sie sind der Hauptgrund, warum wir unsere Arbeit vor Ort trotz aller Widrigkeiten weiterführen können.

Ganz konkret bedeuten die humanitären Prinzipien Neutralität, Unabhängigkeit und Unparteilichkeit, dass wir wo immer möglich mit allen Konfliktparteien sprechen, Gelder von Regierungen verweigern und nur private Spenden annehmen, uns klar identifizieren, um nicht mit anderen Gruppen verwechselt zu werden, und unsere Krankenhäuser zu waffenfreien Zonen machen. Wer auch immer in eine unserer Kliniken oder ein Spital von Ärzte ohne Grenzen kommt, muss die Waffe an der Tür lassen.

Unsere Teams orientieren sich rein am medizinischen Bedarf. Wir würden niemals eine:n Patient:in abweisen, sei es ein verwunderter Regierungssoldat, ein Taliban-Kämpfer, eine schwangere Frau, ein Autounfallopfer. Wir arbeiten nach medizinischer Ethik, nicht danach, wer als Kriminelle:r, Terrorist:in, Soldat:in oder Politiker:in gilt. Nur so können wir überhaupt in Konflikten arbeiten.

Wir verfolgen eine Politik der strikten Unabhängigkeit gegenüber jeder Institution oder Macht, sei sie politischer, religiöser, wirtschaftlicher oder anderer Natur, und lehnen es ab, von einer Regierung als außenpolitisches Instrument benutzt zu werden.

Die Zukunft Afghanistans ist ungewiss und unser Einsatz wird unter Druck bleiben. Die Herausforderungen, vor denen wir stehen, werden sich verändern. Die Sicherheit unserer Teams und Patient:innen ist dabei immer das oberste Gebot.“

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

Hinterlasse jetzt einen Kommentar

Kommentar hinterlassen