Afghanistan: Rakete schlägt auf dem Gelände einer von Ärzten ohne Grenzen unterstützten Klinik ein

Auf dem Gelände des von Ärzte ohne Grenzen unterstützten Regionalkrankenhauses in Lashkar Gah ist am Montag eine Rakete nahe der Notaufnahme eingeschlagen. Es gab keine Verletzten, doch der Vorfall zeigt, wie schwierig aktuell der Zugang der Bevölkerung zu medizinischer Hilfe ist. Viele Menschen sind auf der Flucht, andere können wegen der Sicherheitslage keine Kliniken erreichen.
„In einigen Städten wie Lashkar Gah oder Kundus liegen medizinische Einrichtungen direkt im Kampfgebiet“, sagt Laura Bourjolly, bei Ärzte ohne Grenzen zuständig für humanitäre Hilfe in Afghanistan. „Unsere Teams behandeln weiter, aber unter katastrophalen Bedingungen.“ In dem jetzt betroffenen Krankenhaus wurden seit Anfang Mai 652 Verwundete behandelt, davon ein Viertel Kinder und Jugendliche. Allein in den ersten sechs Augusttagen wurden 170 Kriegsverwundete versorgt.

Bereits vor Beginn der Kämpfe war die gesundheitliche Versorgung der Bevölkerung in Afghanistan unzureichend. Die Klinik in Lashkar Gah etwa ist die einzige für 1,3 Millionen Menschen in der Region. Nun ist es für die Bevölkerung oft unmöglich, Hilfe zu suchen – was sich daran zeigt, dass weniger Patient:innen in den Kliniken ankommen. Viele Schwangere müssen mutmaßlich zu Hause entbinden, ohne Hilfe bei Komplikationen.

Trotz der Sicherheitslage setzen die Teams von Ärzte ohne Grenzen ihre Arbeit in allen Projekten in Afghanistan fort. In Kundus wurde das Büro der Organisation zu einem zusätzlichen Behandlungszentrum für schwere Verletzungen umgebaut. In Kandahar hat das Team ein provisorisches Krankenhaus aufgebaut für Menschen, die wegen der Kämpfe ihre Wohnviertel verlassen mussten. Hier werden vor allem Kinder versorgt.

Die Belastung auch für das einheimische Gesundheitspersonal ist enorm. Viele bleiben mittlerweile durchgehend in den Kliniken, weil der Arbeitsweg zu gefährlich ist. Die Versorgung der Patient:innen erfolgt unter ständigem Lärm von Schüssen, Raketen, Flugzeugen und Helikoptern.

In allen Projekten sind die Folgen der Kampfhandlungen für die Zivilbevölkerung sichtbar. Menschen kommen mit Schussverletzungen, viele vermeiden den Weg zur Klinik so lange, bis sich ihr Zustand sehr verschlechtert hat. Ärzte ohne Grenzen appelliert an alle Parteien, die Sicherheit von Kliniken und Gesundheitspersonal zu gewährleisten und Patient:innen einen sicheren Zugang zu Versorgung zu ermöglichen.

Ärzte ohne Grenzen ist in Afghanistan derzeit in Kandahar, Kundus, Khost, Lashkar Gah und Herat im Einsatz, teils mit eigenen Projekten, teils als Unterstützung der örtlichen Kliniken.

Autor:in

  • Studiengangsleiter "GuK" IMC FH Krems, Institutsleiter Institut "Pflegewissenschaft", Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Pflegewissenschaft BScN (Umit/Wien), Pflegewissenschaft MScN (Umit/Hall)

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