Ärzte ohne Grenzen eröffnet ein Zentrum für Ebola-Verdachtsfälle in Beni

(C) MSF

Beni/Wien, 21. November 2018. Als Reaktion auf die Ausbreitung der Ebola-Epidemie und den Anstieg der bestätigen Fälle in der Region verstärkt Ärzte ohne Grenzen seine Präsenz vor Ort. Ärzte ohne Grenzen/Médecins Sans Frontières(MSF) ist seit dem Ebola-Ausbruch im August 2018 in Beni tätig und hat nun ein neues Zentrum für Ebola-Verdachtsfälle eröffnet. Die Organisation kämpft an mehreren Fronten, um die Epidemie einzudämmen und den Menschen in Nord-Kivu die benötigte Hilfe zukommen zu lassen. Gemeinsam mit den anderen Akteuren vor Ort besuchen die Teams regelmäßig 24 Gesundheitszentren für Fortbildungen und die Verteilung von medizinischem Material. Außerdem informieren sie die Bevölkerung laufend über die Krankheit und angemessene Vorbeugemaßnahmen.

„Mit dem Zentrum für Ebola-Verdachtsfälle soll die Kapazität der Patientenversorgung in Beni erhöht werden. Die Stadt ist seit Oktober Epizentrum des Ebola-Ausbruchs und es treten regelmäßig neue Fälle in verschiedenen Bezirken auf. Dieses Transitzentrum wurde in unmittelbarer Nähe des bestehenden und voll ausgelasteten Ebola-Behandlungszentrums errichtet – so können die verschiedenen Akteure, die in der Epidemie-Bekämpfung tätig sind, noch besser zusammenarbeiten“, erläutert Marie Burton, Projektkoordinatorin von Ärzte ohne Grenzen.

Das Zentrum entstand in Rekordzeit auf einem 8000 Quadratmeter großen Fußballfeld. Trotz logistischer Herausforderungen und zahlreicher Gewitter schafften es unsere Teams, die Bauarbeiten in einer Woche abzuschließen. Unterstützt wurden sie dabei von den Fußballclubs, die den Platz zuvor nutzten. Das Zentrum nimmt Patienten und Patientinnen mit Verdacht auf Ebola auf, bis die Laborberichte eintreffen. Das medizinische Personal von Ärzte ohne Grenzen bietet den Betroffenen eine medizinische Erstversorgung, bevor die bestätigten Fälle ins benachbarte Ebola-Behandlungszentrum überwiesen werden. Negativ getestete Patienten und Patientinnen werden zur weiteren Behandlung in bereits existierende medizinische Einrichtungen verlegt.

Im neuen Zentrum wurden anstelle der sonst verwendeten Zelte abgetrennte Räume errichtet, um die Isolation der Erkrankten zu verbessern. Außerdem wurden große Plexiglasfenster eingebaut, um dem medizinischen Personal jederzeit den Sichtkontakt mit den Patienten und Patientinnen zu ermöglichen, aber auch, damit die diese ihre Familien und Angehörigen sehen können. Das Zentrum umfasst derzeit 16 Betten, je nach Verlauf der Epidemie kann die Kapazität aber bis auf 48 Betten erhöht werden.

Die Teams sind zunehmend mit der Identifizierung von Verdachtsfällen beschäftigt, da die Epidemie ein neues Ausmaß erreicht hat. Täglich werden bis zu dreißig neue Verdachtsfälle gemeldet und im Ebola-Behandlungszentrum in Beni aufgenommen.

Drei Monate nach dem Ausbruch hat sich die Epidemie zur schlimmsten in der Geschichte der Demokratischen Republik Kongo entwickelt. Bislang wurden über 340 Verdachtsfälle gemeldet, von denen rund 300 bestätigt wurden. Die ersten Fälle wurden in der Stadt Mangina entdeckt. Inzwischen hat sich das Epizentrum der Epidemie vor allem in die Großstadt Beni verlagert. Hier steigt die Zahl der Patienten und Patientinnen, bei denen ein Verdacht auf Ebola besteht oder dieser Verdacht bestätigt wurde, seit Wochen so stark, dass die bestehende Einrichtung zur Versorgung der Menschen überlastet ist. Seit dem 1. August 2018 sind an dem Virus über 215 Menschen gestorben. Mehrere Organisationen sind im Einsatz, um eine weitere Ausbreitung zu verhindern. Mehr als hundert Patienten und Patientinnen konnten bisher geheilt werden. Die schlechte Sicherheitslage und der erschwerte Zugang zu Teilen der Bevölkerung erschwert die Bekämpfung der Epidemie, die immer noch nicht eingedämmt ist.

„Seitdem sich das Epizentrum der Epidemie von Mangina nach Beni verlagert hat, ist der Ausbruch schwieriger zu kontrollieren. Wir beobachten nun eine zunehmende Zahl von Neuinfektionen weiter im Süden, in der noch größeren Stadt Butembo. Wir befürchten, dass die Situation sich ohne zusätzliche Anstrengungen in dieser Region noch verschlimmern wird“, sagt Gwenola Seroux, Notfallprogrammleiterin für Ärzte ohne Grenzen in Paris.

Eine große Hürde für die Hilfe ist neben der Herausforderung, dass ein Teil der Bevölkerung immer wieder vertrieben wird, die Angst der Bevölkerung vor der tödlichen Krankheit. Dies erschwert die Interaktion mit den Akteuren der Epidemie-Bekämpfung. So zögern die Menschen oft, neue Verdachtsfälle zu melden, Behandlungszentren aufzusuchen oder die Betreuung durch die Teams zu akzeptieren, die eine sichere und würdige Bestattung der an Ebola-Verstorbenen sicherstellen.

„ Alle beteiligten Akteure müssen besser und effizienter kommunizieren, um das Vertrauen der Menschen zu gewinnen. Die Sterblichkeitsrate ist sehr hoch. Daher ist es wichtig, den Menschen zu erklären, dass wir in den Behandlungszentren zwar leider nicht alle Patienten und Patientinnen retten können, aber dennoch Dutzende genesen konnten. Je früher sie ein Behandlungszentrum aufsuchen, desto höher sind ihre Heilungschancen“, sagt die Ärztin Axelle Ronsse, Nothilfe-Koordinatorin von Ärzte ohne Grenzen für den Ebola-Einsatz.

Seit dem Ebola-Ausbruch am 1. August 2018 bekämpfen die Teams von Ärzte ohne Grenezn zusammen mit anderen Akteuren die Epidemie in Nord-Kivu und Ituri. Ärzte ohne Grenzen hat Behandlungszentren in Mangina, Butembo und Tchomia, eine Isolationsstation in Bunia und vor kurzem ein Transitzentrum in Beni eröffnet. Im Oktober haben die Teams von Ärzte ohne Grenzen in Beni zudem über 600 Gesundheitsmitarbeiter- und Mitarbeiterinnen oder Personen, die möglicherweise in Kontakt mit Ebola-Patienten waren, geimpft. Auch in Butembo wurde Anfang November mit Impfungen begonnen.

Markus Golla
Über Markus Golla 4929 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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