ADHS-Pillen ziehen Antidepressiva nach sich

ADHS-Medikamente: Später mehr Depressionen (Foto: pixelio.de, Bernd Kasper)

Neue Untersuchung der israelischen Bar-Ilan University widerlegt gängige Forschungsmeinung

Ramat Gan (pte/28.03.2019/06:00) Die langfristige Therapie der Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörung (ADHS) während der Kindheit mit stimulierenden Medikamenten, die wie Ritalin auf Methylphenidat basieren, erhöht das Risiko der Einnahme von Antidepressiva während der Adoleszenz. Zu dem Schluss kommen Forscher der Bar-Ilan University http://biu.ac.il . Bisher gingen Expertan davon aus, dass die Beibehaltung dieser Medikation, meist während oder nach dem Einsetzen der Pubertät, Depressionen und Angst später verhindern.

6.830 Kinder begleitet

Für die zwölf Jahre laufende Studie haben die Forscher 6.830 Kinder von einem frühen Alter bis in die Pubertät begleitet. Die Erhebung ist laut den Autoren die erste ihrer Art, die den Zusammenhang zwischen ADHS, der Verschreibung von Methylphenidat im Alter zwischen sechs und acht Jahren und der späteren Verschreibung von Antidepressiva untersucht hat.

Die Fachleute haben alle Kinder einbezogen, die zwischen sechs und acht Jahren erstmals auf Methylphenidat basierende Medikamente erhielten. Untersucht hat man dann, wie viele Monate das Mittel im Verhältnis zur verschriebenen Dosierung verabreicht wurde. Fazit: Kinder mit einer hohen Einhaltung von über 50 Prozent wiesen ein deutlich höheres Risiko auf, zwischen dem zwölften und 18. Lebensjahr Antidepressiva verschrieben zu bekommen. Auch die individuellen Risikofaktoren, wie etwa die Einnahme von Antidepressiva durch die Eltern, wurden berücksichtigt.

Dauer der Einnahme relevant

Laut Forschungsleiter Nir Madjar sollten sich alle Beteiligten dessen bewusst sein, dass die anhaltende Einnahme von Medikamenten mit Methylphenidat in einem so frühen Alter ein Prädiktor für den folgenden Einsatz von Antidepressiva sein kann. „Unsere Ergebnisse betonen die Wichtigkeit einer systematischen Weiterbeobachtung bei allen Kindern, die diese Medikamente vor dem achten Lebensjahr erhalten und die Einnahme weiter beibehalten.“

Die Beibehaltung stehe wahrscheinlich mit mehr positiven Auswirkungen auf die ADHS-Symptome in Verbindung. Die zugrunde liegende Dysregulation bei Emotionen und Verhalten könnte jedoch in der Pubertät weiter bestehen. Sie wird, so die Studie, durch die Zunahme der Einnahme von Antidepressiva widergespiegelt. Die Forschungsergebnisse wurden im Fachmagazin „European Child and Adolescent Psychiatry“ publiziert.

Karin Eder
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Diplomierte Gesundheits- und Krankenpflegerin, Advanced Practice Nurse, Lehrerin für Gesundheits- und Krankenpflege, Leitung Bereich Gerontologie und Validation im Ausbildungszentrum des Wiener Rotes Kreuzes GmbH.

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