Achtsamkkeit üben

Keine Berührungsängste“

Gehören Sie zu denjenigen Menschen, die eine niedrige Hürde brauchen, um sich auf Ungewohntes einzulassen? Dann haben Sie mit dem Buch „Achtsamkeit üben“ eine Möglichkeit, sich niederschwellig auf Neues einzulassen. Da der Alltag unruhig und wechselhaft ist, brauchen viele Zeitgenossinnen und Zeitgenossen Momente des Loslassens und der Entspannung. So rückt die Achtsamkeit zunehmend in den Fokus der Menschen.

Wo vernunftgeleitetes Denken eine große Bedeutung hat, dort geht ein achtsames Fühlen eher unter. Behutsam fühlen Michalak, Meibert und Heidenreich, die psychotherapeutisch und pflegerisch tätig sind, die Leserinnen und Leser zum praktischen Einüben. Sie sorgen dafür, dass die Menschen von heute keine Berührungsängste mit der Achtsamkeit entwickeln.

Aus Sicht der Autor_innen ist Achtsamkeit kein Allheilmittel, „aber das regelmäßige und geduldige Üben kann sehr positive Auswirkungen auf unterschiedliche Bereiche unseres Lebens haben, die die meisten Menschen, die dies am eigenen Leib erfahren haben, nicht mehr missen möchten“ (S. 61). Das Üben von Achtsamkeit führe zu einer großen Bandbreite an Veränderungen, „die sich auf das Wohlbefinden und die psychische Stabilität von Menschen auswirken können“ (S. 60).

Hier und dort sind die Wirkungen von Achtsamkeitserprobung in der Diskussion. Michalak, Meibert und Heidenreich beschreiben mit ihrer Definition von Achtsamkeit ein Minimum, das letztendlich aber auch Eindruck hinterlässt. Achtsamkeit sei eine „Form der Aufmerksamkeitslenkung, die auf die Hier-und-Jetzt-Erfahrung ausgerichtet ist und uns hilft, die Details unserer Erfahrung genauso wahrzunehmen, wie sie in diesem Moment sind, ohne zu urteilen oder sie sofort verändern zu wollen“ (S. 22).

Mit dem Ratgeber „Achtsamkeit üben“ wollen die Autor_innen vor allem denjenigen Unterstützung bieten, die an Depressionen und Ängsten, Stress und häufigem Grübeln leiden. Sie leisten mit dem kleinen und verständlich geschriebenen Buch mehr. Als Alltagslektüre bietet es einen guten Zugang zum Einüben von Achtsamkeit. Anschaulich stellen sie Übungen dar, mit denen der Weg zur Achtsamkeit leicht gefunden werden kann.

Bei der Einführung in die Achtsamkeit orientieren sich die Autor_innen an der „achtsamkeitsbasierten kognitiven Therapie“. Dies erscheint als zeitgemäß für die professionell Tätigen, die einen Zugang finden wollen. Da gibt es, wenn jemand die Arbeit inhaltlich vertiefen will, wissenschaftliche Wirksamkeitsnachweise.

Für die alltägliche Anwendung von Achtsamkeitsübungen haben Michalak, Meibert und Heidenreich natürlich auch Tipps zur Hand. Sie empfehlen, lieber täglich zehn Minuten Übungen zu machen als ein, zwei Mal wöchentlich ausführlichere Achtsamkeitstrainings zu machen. Dabei wünschen sie den Übenden, milde und großzügig mit sich zu sein.

Wer also die Achtsamkeit mehr in den eigenen Blick nehmen und in den eigenen Alltag integrieren will, der hat mit dem Ratgeber „Achtsamkeit üben“ eine wirklich gute Gelegenheit.

 

Johannes Michalak, Petra Meibert & Thomas Heidenreich: Achtsamkeit üben – Hilfe bei Stress, Depression, Ängsten und häufigem Grübeln, Hogrefe-Verlag, Bern 2018, ISBN 978-3-8017-2676-8, 65 Seiten, 8.95 Euro.

Christoph Mueller
Über Christoph Mueller 239 Artikel
Christoph Müller, psychiatrisch Pflegender, Fachautor, Mitglied Team "Pflege Professionell", Redakteur "Psychiatrische Pflege" (Hogrefe-Verlag) cmueller@pflege-professionell.at

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