82 Menschen an Bord der Ocean Viking warten auf einen sicheren Hafen

Erkinalp Kesikli, Projektkoordinator von Ärzte ohne Grenzen an Bord der Ocean Viking über die aktuellen Entwicklungen.

Ocean Viking, 28.07.2019: Luca Pigozzi, Ärzte ohne Grenzen © Anthony Jean/SOS MEDITERRANEE

„Eine im neunten Monat schwangere Frau und ihr Mann wurden am Mittwoch zur medizinischen Behandlung nach Malta evakuiert. Die Ocean Viking hat die beiden am Sonntag auf Hoher See gerettet.

Erste Untersuchungen zeigten zwar, dass es ihnen gut ging. Aber bei einer letzten Untersuchung, die eine Hebamme von Ärzte ohne Grenzen gemeinsam mit dem medizinischen Team an Bord durchführte, zeigten sich bei der Mutter schwere medizinische Komplikationen, die sie und ihr Baby gefährden könnten.

Während der Patrouillenfahrt in internationalen Gewässern, 80 Seemeilen südlich von Lampedusa, kontaktierte die Ocean Viking die nächstgelegenen Seefahrtsbehörden, um eine sofortige medizinische Evakuierung zu beantragen. Daraufhin meldeten sich die maltesischen Behörden, und die Familie konnte in Sicherheit gebracht werden.

Für die meisten Menschen dürfte es undenkbar sein, dass sich eine hochschwangere Frau oder eine Familie mit Kindern dafür entscheidet, ihr Leben auf See zu riskieren, statt in Libyen zu bleiben. Viele der Patientinnen und Patienten, die vom medizinischen Team von Ärzte ohne Grenzenbehandelt wurden, weisen Spuren von körperlicher Gewalt, einschließlich Schuss- und Stichwunden, auf.

Körperliche und seelische Verletzungen

Sie erzählen unseren Ärztinnen und Ärzten, dass ihre Haut mit geschmolzenem Plastik verbrannt und sie mit Holz- oder Metallstäben geschlagen wurden. Das sind nur die körperlichen Verletzungen. Es gibt weitere schreckliche Geschichten von Missbrauch und Ausbeutung, die bei vielen psychologische Verletzungen oder Traumata hinterlassen haben.

82 gerettete Menschen bleiben an Bord der Ocean Viking und warten auf einen sicheren Hafen, damit ihre Tortur auf Hoher See beendet ist.

Die Ocean Viking verstärkt nun die Bemühungen bei den italienischen und maltesischen Behörden um einen sicheren Ort für diese Menschen. Denn die libysche Koordinationsstelle für Seenotrettung schlägt vor, sie unter Verletzung des Völkerrechts wieder zurück nach Libyen zu bringen.

Die europäischen Staaten verstärken die Traumatisierung dieser Menschen weiter, indem sie deren Evakuierung vom Schiff unnötig verzögern und damit weiterhin ein System unterstützen, dass sie in Libyen gefangen hält.“

Markus Golla
Über Markus Golla 4929 Artikel
Diplomierter Gesundheits- und Krankenpfleger, Studiengangsleitung (FH) und Vortragender im Bereich Gesundheits- und Krankenpflege, Kommunikation & Projektmanagement, Pflegewissenschaft BScN (Absolvent UMIT/Wien), Kommunikationstrainer & Incentives-Experte, Masterstudent Pflegewissenschaft (UMIT/Hall)

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