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Am 2.10.2018 fand das 3. Pflegesymposium von Pflege Professionell in den Räumlichkeiten der FH Krems statt. 500 Besucher konnten in drei Sälen mit unterschiedlichen Schwerpunkten ihr Wissen hinsichtlich Zukunft der Pflege und Handlungsfelder 2020, Neuen Pflegetechnologien, Pflegetechniken & Materialien sowie Pflegender Angehöriger, Zugehöriger und Demenz erweitern.


Saal – Pflege und Handlungsfelder 2020

(C) Goran Andric

Schnell füllte sich der Hauptraum zu früher Morgenstunde, um die Eröffnungsreden der ersten drei RednerInnen zu hören. Man merkte, dass viele hochrangige Pflegepersonen extra für dieses Symposium angereist waren, die man in einer solchen Menge nur selten antraf. Doch nicht nur die ExpertInnen aus DE/AT/CH waren Teilnehmende. Eine gesamte Klasse aus der Steiermark, drei Klassen aus Niederösterreich und ein Studienlehrgang der FH Salzburg zeigten, dass der Nachwuchs interessiert in die Zukunft schaut.

FH-Prof.Mag.Eva Werner

Eva Werner, Rektorin der FH Krems begrüßte alle Personen und erzählte ein wenig über die Institution. Ihre wertschätzende Einleitung bot die perfekte Basis für einen interessanten Symposiumstag.

(C) Goran Andric

Martin Sorge

Eine bewegende Eröffnungsrede von Martin Sorge stimmt die Symposiumsgäste auf die nächsten Stunden ein. Es geht um die Sichtbarkeit der Menschen, um das Wahrnehmen des Gegenübers und über die Bereitschaft andere Menschen wertschätzend zu sehen. Der pensionierte diplomierte Gesundheits- und Krankenpfleger hat in seiner Berufszeit die Hospizbewegung maßgeblich geprägt. Nun widme er sich anderen Themen und gab bekannt, dass dies sein letzter Symposiumsauftritt sei.

(C) Goran Andric

Markus Golla, BScN „Wir müssen etwas ändern“

Der Veranstalter eröffnet mit dem Thema „Wenn Pflege netzwerkt“. Hierbei weist er auf die Problematik hin, dass sich Pflege in vielen Punkten zu uneinig ist, um auf berufspolitische Entscheidungen Einfluss zu nehmen. „Die größte Berufsgruppe des Gesundheitswesens ist sich selber im Weg. Was würden wir  erreichen, wenn es einen Schulterschluss geben würde.“ Hierzu nennt er diverse Beispiele aus den sozialen Medien und der Praxis. Man spreche zwar vordergründig von (interdisziplinärer) Zusammenarbeit, doch schaue jeder in erster Linie auf sich selbst. Solange die Berufsgruppe, eine Einigkeit nicht erreicht, werde es für den Pflegeberuf auch keine Veränderungen geben. Der Grund warum er keine Namensschilder mit Titel oder Funktion hergab, wirkte für viele einleuchtend. Man wollte, dass wirklich jeder mit jedem kommuniziere, unabhängig von akademischem Grad oder Position. Mit den Worten „Wir könnten so viel bewegen, würden wir alle gemeinsam netzwerken“ bietet er den TeilnehmerInnen eine verlängerte Pause, um miteinander zu kommunizieren. Die TeilnehmerInnen nutzten diese Chance und bei Kaffee und Kuchen kam es zu vielen interessanten Gesprächen.

(C) Goran Andric

Priv. Doz. Dr. Sabine Pleschberger, MPH „Angehörigenarbeit in der häuslichen Hospiz- und Palliativversorgung entwickeln“

Im Mittelpunkt von Angehörigenarbeit steht eine gute Kommunikation. Auf diese wurde in der Hospizarbeit und Palliative Care stets viel Augenmerk gelegt. Die Verbesserung der Angehörigenarbeit soll mittels einer systematischen Erfassung der Bedürfnisse von Angehörigen erfolgen. Für die Implementierung von KOMMA wurden in den Diensten Multiplikatorinnen nominiert. Vom wissenschaftlichen Team wurde ein Schulungskonzept erarbeitet. Demnach wurden zunächst die Multiplikatorinnen geschult, um in der Folge ihren Kolleginnen und Kollegen den KOMMA-Ansatz näher zu bringen, und wichtige Fragen und Aspekte für den Einsatz in der Praxis des Dienstes zu bearbeiten.

(C) K.Schützenauer

Dr. Christoph Zulehner und die Expertenscholle (mit Hund)

Wenn jemand die Themen „Robotik“, „Digitalisierung“, „Spezialisierung“, „Fachexpertise“ und „Skill&Grade“ in einen unterhaltsamen 45 Minuten Vortrag verpacken und subsumieren kann, dann ist es Christoph Zulehner. Der Speaker spricht hierbei die Notwendigkeit der Vernetzung an, um auch in Zukunft eine sichere Position im Gesundheitswesen zu haben. Mit Vergleichen aus dem Leben, der Marktwirtschaft und einem genialen Hundebeispiel unterhält er mit Themen, die bewegen und essenziell sind.

Als Tipp für alle anwesenden Personen: Es sollten alle eine sogenannte „Expertenscholle“ aufbauen, die ist zwar klein, hat aber den Vorteil, dass bei Netzwerkbildung alle Anderen näher an mich heran rücken können. D.h. Netzwerk bilden ist leichter als bei Allroundern. Man kann bei anderen Halt finden, sich das Know How dazu holen. Diese Expertenscholle braucht aber Sichtbarkeit.

Zu guter Letzt entlockte ihm der Veranstalter Neuigkeiten zum nächsten Buch, welches Anfang 2019 erscheinen soll.

(C) Goran Andric

Prof. Dr. Angelika Zegelin – „Hoffnung“

Hoffnung ist für uns alle eine essenzielle Kraft, die in unserem Leben Berge bewegen kann. Doch wussten Sie, dass diese Kraft nur in ganz wenigen Studien erforscht ist. Hoffnung ist eine der großen menschlichen Ressourcen. In allen Epochen, Lebenslagen, Religionen spielt sie eine Rolle. Hoffnung erscheint inzwischen als Erfolgsfaktor des Lebens. Den hoffenden Menschen geht es besser, sie nutzen mehr Möglichkeiten, suchen Wege, mit Problemen fertig zu werden. Mit einer eingehenden Präsentation zeigte sie die Wichtigkeit dieses Themas auf. Natürlich gab es auch genügend Beispiele aus der Praxis, wie man den „Hoffnung“ fördern und für andere umsetzen kann. Dieser Vortrag wurde von Angelika Zegelin zum allerersten Mal präsentiert.

(C) Goran Andric

Prof. Dr. Sabine Bartholomeyzcik – Geld ist nicht immer die Lösung

Noch nie gab es so viele Zeitungsartikel und Sendungen über die Pflege, wie im Jahre 2018. Doch gehen diese Berichte wirklich in die richtige Richtung und wird hier auch das gefordert, was der Pflegeberuf und die PatientInnen wirklich brauchen? Allem voran wird politikerseits der Personalmangel beklagt, wobei dies für die Langzeitpflege, insbesondere die stationäre Versorgung schon länger gilt, aber glücklicherweise seit einiger Zeit von Politikern auch für die Akutpflege wahrgenommen wird. Im Vordergrund der Debatte steht, wir würden ja alle alt und benötigten dann auch Hilfe und ganz offensichtlich fehlen Pflegende, insbesondere solche mit Ausbildung. Die öffentlich diskutierten Strategien zur Abhilfe beziehen  sich oft darauf, den Einstieg in die Altenpflegeausbildung im Hinblick auf Voraussetzungen möglichst niedrig zu halten, also niedrigster Schulabschluss und vor allem auch die Ablehnung einer generalistischen Ausbildung, die höhere Einstiegsvoraussetzungen mit sich bringt. Der Vortrag von Sabine Bartholomeyzcik zeigt, dass es noch viel zu viele „blinde Punkte“ gibt, welche in dieser Diskussion nicht berücksichtigt werden.

(C) K.Schützenauer

Reinhard Waldhör & Gewalt in der Pflege

Waldhör berichtet von der Tatsache, dass MitarbeiterInnen in den Gesundheitsberufen gegenüber der Normalbevölkerung ein 26faches höheres Risiko haben, während ihrer Arbeit verletzt zu werden. Dies hinterließ nachhaltig Eindruck. Die Forderung der Gesundheitsgewerkschaft, dass Deeskalationsmanagement in jegliche Ausbildung der Gesundheitsberufe eingebunden werden sollte, wurde von den ZuhörerInnen ebenso gesehen, wie die Tatsache, dass die Personalberechnung auch auf dieses Thema Einfluss zu nehmen hat.

(C) Goran Andric

Prof. Christel Bienstein

Mit dem bewegenden Titel „Wir sprechen von uns“ fordert Christel Bienstein die Pflege auf, für andere Berufsgruppen, Angehörige und PatientInnen wesentlich sichtbarer zu sein. Es fehle auch oft am Wording. „Wenn wir die Pflege nicht benennen können, können wir sie auch nicht praktizieren, kontrollieren, finanzieren, lehren und beforschen oder in (berufs)-politische Forderungen und Richtlinien umsetzen.“ zitiert Christel Bienstein. Es gäbe so viele neue Berufsfelder,  die es noch zu implementieren gilt. Auch das Thema „Magnetkrankenhäuser“ findet hierbei ausgiebig Platz. Die Liste „Was wir tun können, um gehört zu werden?“ bietet den TeilnehmerInnen eine Vielzahl an Punkten, wie es sich ändern kann. Diese Auflistungen nehmen viele in der Pause als Diskussionsgrundlage. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion zeigt die Präsidentin des deutschen Berufsverbandes, wie man politische Diskussionen in die richtige Richtung lenkt.

 


Saal – Pflegende Angehörige / Zugehörige & Demenz

(C) Goran Andric

Univ. Prof. Mag. Dr. Hanna Mayer; Einwilligung zur Teilnahme an Forschung bei Menschen mit Demenz (MmD)

Mayer beschreibt einerseits die Notwendigkeit der Teilnahme von MmD an Forschungsprojekten, da sonst wichtige Perspektiven unerkannt und unerforscht bleiben, andererseits weist sie auf die Schwierigkeit der Beteiligung von MmD hin. Denn hinsichtlich der Entscheidungsfähigkeit besteht keine Eindeutigkeit aus ethischer Sicht. Daher war ein Clearing für Forschung von nur einer Ethik-Kommission für Mayer nicht ausreichend und zufriedenstellend. Sie beschreibt die Schwierigkeiten hinsichtlich Relativität von Entscheidungsfähigkeit bezogen auf die Komplexität der Situation. Denn Entscheidungsfähigkeit kann nicht allein vom Mini Mental State Test abgeleitet werden – dies ist eindeutig komplexer. Die sogenannte kognitive Vulnerabilität von MmD ist für Mayer auch alleine durch einen informed consent nicht komplett erfassbar. Bezogen auf Forschungsprojekte kann auch eine nicht voll informierte Teilnahme bzw. einen uninformierte Teilnahme von MmD erfolgen (sofern Rechtsvertreter auch vorhanden sind im Sinne des Erwachsenenschutzgesetzes). Allerdings ist solch eine Teilnahme risikobehaftet. Wobei immer der Erkenntnisverlust im Fokus steht, wenn eine Forschungsgruppe gar nicht beforscht wird. So stellten sich die Forscher gemeinsam mit Mayer der Aufgabe, eine Entscheidungsfähigkeit festzustellen, auch ohne Rechtsvertreter. Denn die Diagnose Demenz mindert nicht automatisch die Entscheidungsfähigkeit. Die Forschungsgruppe identifizierte diverse Assessmentinstrumente zur Einschätzung der Entscheidungsfähigkeit mit der Problematik, dass diese Instrumente sehr aufwendig und wenig praktikabel waren.

Grundsätzlich unterschied Mayer zwischen zwei Arten der Stellvertretung: der stellvertretenden Entscheidung  (welche sich oft ethisch fraglich darstellt) und der Entscheidung im besten Interesse der vertretenden Person.

Im Vergleich zu anderen Ländern fand Mayer, dass in Deutschland und der Schweiz Angehörige über die Teilnahme an Forschungsstudien entscheiden. Aber in Österreich diesbezüglich keine konkreten Hinweise vorlagen.

Für ein gemeinsames Forschungsprojekt mit dem Pflege- und Betreuungszetrum Grafenwörth wurde folgendes Vorgehen vereinbart: Die gesetzlichen Vertretungen mussten der Forschung zustimmen, die Bewohner wurden informiert und wenn kein gesetzlicher Vertreter bei den Menschen mit Demenz vorhanden war, dann wurde die Einschätzung der Einwilligungsfähigkeit mittels UBACC Assessmentinstrument vorgenommen, da ein informed consent alleine für nicht ausreichend befunden wurde. UBACC ist einfach und rasch (Dauer ca. 10min.) durchzuführen und führt zu Assent bzw. Dissent welcher hinsichtlich Teilnahme an der Studie ausreichend Informationen zusätzlich liefert. So kann eine Teilnahme von MmD an Studien ethisch vertretbar gemacht werden.

(C) Goran Andric

Dr. Paulina Wosko; Außerfamiliäre informelle Hilfe – die Angehörigen von morgen?

Wosko beschreibt das Bild der „neuen“ Angehörigen, den sogenannten non-kin-carern, wie z.B. Nachbarn oder Freunden, die heutzutage Betreuung und Pflege übernehmen, wenn keine Angehörigen vorhanden sind, oder diese zu weit weg wohnen. Laut internationaler Forschung werden Nachbarn und Freunde, so Wosko, als übersehene Ressourcen, sozialer Support, unsichtbares Pflegenetzwerk und als tragfähige Beziehungen beschrieben. Die anfänglich freundschaftliche oder nachbarschaftliche Beziehung wächst manchmal so zur langjährigen Pflegebeziehung aus. In der Forschung wird dies als „small beginning“ bezeichnet. Kleine Unterstützungsleistungen werden dann auf Dauer immer mehr. Wobei Freunde eher auch direkte Pflege (z.B. Körperpflege) und Nachbarn eher haushaltärische Tätigkeiten übernehmen und räumliche Nähe kein Kriterium darstellt. Das Alleinleben im Alter ist längst Realität, kein Einzelfall mehr. Wosko beschreibt die Studie des Sozialministeriums hinsichtlich Lebensqualität im Alter bis zuletzt, welche über 12 Monate 2012 durchgeführt wurde. Sie verweist darauf, dass alleine leben nicht gleichbedeutend ist mit alleine sein.

Die Merkmale von Hilfsnetzwerken sind für Wosko die Familie, das Ehrenamt, die Freunde, Bekannten und Nachbarn sowie die professionellen Hilfssysteme, welche als einzige Systeme monetären Hintergrund haben. Allerdings geben non-kin-carer auch lt. Wosko Angst vor Erbschaftsklagen als Belastung an. Das Sterben zuhause stellt für non-kin-carer klare Grenzen in der Betreuung und Pflege dar. Das Wissen, sich professionelle Hilfe zu holen, hilft hier. Es benötigt auch ein gutes Zusammenspiel zwischen informeller und formeller Hilfe um ein gutes Sterben zuhause zu ermöglichen.

Wosko identifiziert die Motive von non-kin-carern als Wunsch nach emotionalem Geben und Nehmen, sie empfinden soziale Verpflichtung und erhalten Dankbarkeit, ebenso wie Freundschaft und Nächstenliebe, die sie antreiben. Die materielle Reziprozität wird als problematisch dargestellt. Problematik der non-kin-carer ist die Informationsweitergabe im formellen Hilfesystem, da diese keinerlei Berechtigung für die Erlangung von Informationen haben, da keine Verwandtschaft besteht. Dies sollte in Zukunft mit bedacht und im System verändert werden.

Abschließend stellt Wosko das OPLA-Projekt, Older People Living Alone, vor. Dieses läuft von 2018-2020 und soll mittels Fallstudien mehr Sichtbarkeit in diese Systematik bringen.

(C) Goran Andric

Birgit Meinhard-Schiebel; „….damit habe ich nicht gerechnet“

Birgit Meinhard-Schiebel, ihrerseits Präsidentin der IG Pflegende Angehörige vermittelt mittels Fallbeispiel sehr plastisch die Problematik die mit einer Pflegebedürftigkeit eines Angehörigen einhergeht. Auch die diversen Schwierigkeiten im Alltag und gerade die Notwendigkeit der Vertretung der Angehörigen und der Unterstützung derer. Ebenso geht sie auf die Notwendigkeit einer Vorsorgevollmacht ein, denn eine Regelung der wichtigsten Angelegenheiten nimmt auch den Druck ein wenig, der auf den An- und Zugehörigen lastet. Gerade wenn ein Angehöriger an Demenz erkrankt, bzw. auch bei Kindern als pflegende Angehörige, welche unbedingt ihre Normalität und ihr Kind-sein behalten sollten. Hier erzählt Meinhard-Schiebel auch von der Entstehung des Forschungsprojektes Young Carers und weist auf die Wichtigkeit der Unterstützung gerade auch von Kindern als pflegenden Angehöriger hin um eine Traumatisierung zu vermeiden.

(C) Goran Andric

Mag. Dr. Martin Nagl-Cupal; Young Carers. Status quo und zukünftige Herausforderung in Österreich

Nagl-Cupal verweist in seinem Vortrag auf die Anfrage zur Studie von Meinhard-Schiebel hin welche 2011 gestellt wurde und erzählt, dass vor dieser Zeit gar keine Daten hinsichtlich Kinder als pflegende Angehörige vorhanden waren. Heute weiß man, dass ca. 1,5Mio ÖsterreicherInnen unter 18 Jahren in einem gemeinsamen Haushalt mit einem chronisch kranken Familienmitglied wohnen. 84.000 Kinder bis zum 15. Lebensjahr leben in einer Familie mit einem pflegebedürftigen Angehörigen. In Deutschland gibt es derzeit 6,1% Young Carers lt. Statistik. Wobei es nichts mit dem sog. Wohlfahrtsstaat zu tun hat, ob es Young Carers gibt oder nicht und sich die Resilienz von Young Carers nicht von deren anderer Kinder unterscheidet. Durch die bisherigen Forschungen konnten allerdings Anleitungen generiert werden, welche den Organisationen im Gesundheitswesen dienen zum Abstimmen des generellen Vorgehens hinsichtlich Unterstützung der Young Carer. Wichtig ist diesbezüglich die Identifikation der Young Carers, deren laufende Unterstützung sowie der Unterstützung der betroffenen Familien. Dies erfolgt durch diverse Programme wie der Jugendgruppen des Roten Kreuzes, der Aktion „Superhands“ der Johanniter, der Caritas und weiterer Organisationen in Österreich. Allerdings muss lt. Nagl-Cupal der familienorientierte Ansatz weiterhin vertieft werden, denn hier fehlt noch das Bewusstsein, auch aus rechtlicher Sicht. Denn in Österreich sind Young Carers mit erwachsenen pflegenden Angehörigen gleichgestellt. Es gibt keine spezielle Rechtslage für Young Carers. Abschließend betont Nagl-Cupal die Wichtigkeit der permanenten Medialen Aufmerksamkeit im Sinne der Awareness, welche in Österreich gefördert werden muss.

(C) Goran Andric

Prof. Dr. Dipl.-Pflegepäd. Wilfried Schnepp, MSc; Bedeutung von Familien bei der Bewältigung von Pflegebedürftigkeit

Schnepp weist in seinem Referat auf die kulturellen Unterschiede und die damit verbundenen unterschiedlichen Sichtweisen sowie den Zugängen zum Sorgeverständnis in Österreich im Vergleich zu Großbritannien hin. Aus Studien ist ersichtlich, dass Deutschland, Österreich und Japan zum Beispiel Caring als kulturell nicht so wichtig sieht. Hinsichtlich Krankenhausaufenthalt verweist er auf die Wichtigkeit der Angehörigen – der Familie – hin. Familie gilt für Betroffene im Krankenhaus eigentlich nicht als Besucher! Pflegepersonen sollten sich bewusst sein, dass sie niemals die Position der Familie ersetzen können bei der Bewältigung von Pflegebedürftigkeit. „Illness is a family-affair!“, so Schnepp – „Wir halten sie AM Leben aber die Familie hält IM Leben.“ Wobei Familie immer das ist, was die Betroffenen darunter verstehen. Schnepp verweist auf die Notwendigkeit des Perspektivenwechsels und die absolute Notwendigkeit, Familie als Unterstützungsfaktor in der Bewältigung von Krisen wie es ein Krankenhausaufenthalt darstellt, immer einzusetzen. Auch im Zusammenhang mit Kindern als pflegende Angehörige, sollen Pflegepersonen immer das gesamte Familiensystem betrachten und unterstützen.

(C) Goran Andric

Raphael Schönborn, MA; „Promenz steckt an!“

Schönborn stellt den Verein Promenz vor. Welcher im Bereich der Unterstützung und Öffentlichkeitsarbeit für und mit Menschen mit Demenz arbeitet. Promenz lehnt den  Begriff „Demenz“ ab und beschreibt dementielle Erkrankungen selbst als Vergesslichkeit. Er weist auf die Wichtigkeit hin, Menschen mit Demenz selbst sprechen zu lassen und verweist auch darauf, dass auf Fachtagungen Betroffene zu dem Thema Demenz sprechen sollen und nicht Fachpersonen. Da diese die Perspektive der Betroffenen nicht verstehen. Die Herstellung des Diskurses zwischen Betroffenen, Öffentlichkeit und Fachpersonen aus dem Gesundheitswesen muss gefördert werden.  Promenz möchte als Selbsthilfeverein gegen die Stigmatisierung von Demenz aktiv vorgehen, das betont Schönborn.


Saal – Neue Pflegetechnologien, Pflegetechniken & Materialien

(C) Goran Andric

Dr. Andreas Klein; Was in Zukunft auf uns zukommt – Chancen und Grenzen des Machbaren

In seinem Vortrag gibt Klein einen umfassenden Überblick über Technologien die derzeit im Gesundheits- und Sozialsektor am Markt existieren bzw. in Zukunft eine wesentliche Rolle spielen können. Er stellt Anwendungsmöglichkeiten wie die Google-Lens, epidermale Elektronik, Telemedizin, die Verwendung von Bionic und Exoskelette oder auch die Möglichkeiten und Potentiale von Ambient Assisted Living vor und geht auf Pro und Contras bzw. ethische Aspekte im Gebrauch ein.

 

(C) K.Schützenauer

Dr. Johannes Hilbe; die Zukunft der Monitorüberwachung

Hilbe stellt seine Form der Monitorüberwachung vor.  Er selbst beschäftigt sich seit geraumer Zeit sehr intensiv wissenschaftlich mit Künstlicher Intelligenz (KI) und im speziellen mit Ballistocardiographie. Hilbe berichtet über Forschungsergebnisse, in denen das Erkennen von Melanomen durch Künstliche Intelligenz heute bereits eine höhere Treffergenauigkeit aufweisen könne, wie die Diagnosestellung von DermatologInnen. Aktuell entwickelt er in seinem Start Up ein Monitorüberwachungs-system Names Cubile, welches Vitaldaten wie Atem- und Herzfrequenz sowie Daten zur Sturz- und Dekubitusprophylaxe erkennt, über ein Sensorkissen im Bett berührungslos erfasst und an mobile Endgeräte weitergeleitet. Ein unnötiges prophylaktisches Positionieren z.B. alle 2h könnte daher zum Beispiel vermieden werden, da das System erkennen kann, wie oft sich die Person im Bett bewegt. Dies kann wiederum die Schlafqualität der betroffenen Personen erhöhen. Das System könnte auch eine Alarmierung bei sturzgefährdeten Personen auslösen, die in der Nacht aufstehen um z.B. die Toilette aufzusuchen. Die Funktionsweise und das Prinzip welches diesen Sensor ausmacht wird von Hilbe sehr anschaulich beschreiben und auch welche Potentiale Cubile in der Zukunft bestehen. So ist geplant, dass das System hinsichtlich Feuchtigkeitsmessung, Schlafanalyse Blutdruck und einigem mehr erweitert wird.

Forschung wird mit dem Sensor auch betrieben, der Sensor erfasst auch Vitalparameter wie EKG und Puls. https://startalps.co/3087-2/

(C) K.Schützenauer

DGKP/KSB Waltraud Ünal; „Stomaversorgung 2018“

Ünal stellt die Anforderungen an die Stomaprodukte vor:

  • Selbsthaftend und Hygroskopisch
  • Raschelarm – Vliesbeschichtet – Sichtfenster -Wasserabweisend
  • Geruchsdicht – Filter
  • SICHERHEIT – HAFTBARKEIT
  • einfach in der Anwendung, flexibel
  • gute Hautverträglichkeit
  • Leicht zu beschaffen

Insgesamt gibt es laut Ünal ca. 3000 Stomaprodukte von 10 Stomafirmen, die auch mit den Krankenkassen verrechenbar sind. Ünal stellt den Tätigkeitsbereich der Kontinenz- und Stoma-Beratung vor. Es ist das Recht von Stomaträgern laut österreichischem Ilco-Stoma-Dachverband, vor der Operation beraten zu werden, ein gut angelegtes, richtig platziertes Stoma zu erhalten, sowie vor und nach der Operation professionelle medizinische, pflegerische und psychosoziale Unterstützung zu erhalten. Stomaträger sind über alle Stomaprodukte unparteiisch und vollständig zu informieren und haben das Recht aus der Vielfalt von Stomaprodukten auswählen zu können.

Wichtige Adressen: stomaberatung@bstaendig.at; www.bstaendig.at; www.kontinenz-stoma.at; www.ilco.at 

(C) Goran Andric

DGKP/KSB Martina Muttenthaler; „Inkontinenzversorgung 2018“

Muttenthaler beschreibt die Anforderungen, welche heute an die Pflege hinsichtlich Wissen zur  Inkontinenzversorgung gestellt werden:

  • Wissen über Inkontinenzformen
  • Behandlungsmethoden und deren Wirksamkeit
  • Produktinformationen sowohl saugend als auch ableitend
  • Zeit für ausreichende individuelle Beratung
  • Alternativmethoden
  • Beckenbodentraining
  • Transanale Irrigation/TAI

Die Leistungen der Pflegepersonen mit Schwerpunkt Kontinenz- und Stoma-Beratung  bei der Firma BSTÄNDIG umfassen die Beratung und Einschulung auf ärztl. verordnetes Produkt, die Information über Produktneuerungen, sie sind Ansprechpartner bei Problemen, wie auch für Bewilligungen (Mehrbedarf) und hinsichtlich Krankenkassenabrechnung.

(C) Goran Andric

Gabriele Solomon; myAHA – APP, My Active and Healthy Aging – Gebrechlichkeit im Alter zu reduzieren

Das Projekt My-AHA ist ein Projekt zur Gebrechlichkeitsprävention im europäischen und globalen Umfeld. Im Rahmen einer klinischen Studie wird die Kombination verschiedener Hilfestellungen zur Bekämpfung von Gebrechlichkeit und deren Symptome auf die verbesserte Wirksamkeit untersucht. Jeder Studienteilnehmer bekommt ein Angebot aus den Bereichen Soziales, Kognition und physischem Training, dass auf seinen Bedarf zugeschnitten ist. Die Teilnehmer der Interventionsgruppe der Studie erhalten ein Smartphone und Zugang zur mobilen Plattform von My-AHA um Zugang zu den digitalen Komponenten des Systems zu erhalten. Das Projekt endet mit Dezember 2019.

Link: http://www.activeageing.unito.it/en; www.johanniter.at


(C) Goran Andric

Um 16:00 fand dann als Ausklang des Tages eine Podiumsdiskussion mit LR Mag. Christiane Teschl-Hofmeister, Direktor Michael Landau (Präsident Caritas Österreich), Direktor Mag. (FH) Erich Fenninger DAS (Bundesgeschäftsführer Volkshilfe), Mag. Christoph Gleirscher (Geschäftsführer Hilfswerk Niederösterreich), Mag. Lisa Haderer (Pflegeanwaltschaft) und Reinhard Waldhör (GÖD) statt.