Symposium „Pflege mit Weitblick“ 2017 – Berichterstattung

Was passiert, wenn man Frau Prof. Christel Bienstein, Sr. Dr. Liliane Juchli, Frau Prof. Monika Krohwinkel, Herrn Dr. Christoph Zulehner, Herrn Prof. Michael Bossle und Frau Landtagsabgeordnete Birgit Meinhard-Schiebel zu einem Pflegesymposium als Vortragende einlädt und sie alle zusagen? Dann gibt es nach wenigen Stunden des Kartenverkaufs keine Eintrittskarten mehr….

Eröffnung 07.45 Uhr – Rasch füllten sich die feierlichen Räumlichkeiten des Franziskus Spitals. Die Liste der TeilnehmerInnen war ebenso hochkarätig, wie die angekündigten Vortragenden. Dadurch kam es ab der ersten Minute zu interessanten Gesprächen bei einem gemütlichen Kaffee.

(C) Goran Andric

08.30 Uhr – Frau Pflegedirektorin Andreja Kusej begrüßt die Vortragenden und Gäste. Ihre Anfangsrede zum Thema „Pflege mit Weitblick“ bringt die Gäste in Stimmung aber auch zum Nachdenken. Durch diese einleitende Rede merkt man sehr schnell, dass dieser Tag etwas besonderes werden könnte.

 

 

 

 

(C) Goran Andric

Es folgt die Geschichte von „Pflege Professionell“, vorgetragen von Chefredakteur DGKP Markus Golla, BScN, der dem Publikum das Thema „Netzwerken und Wertschätzen“ näher bringt.Das Team von Pflege Professionell präsentiert sich hierbei nicht nur am Publikationssektor, sondern zeigt auf, was ein gutes Netzwerk alles erreichen kann. Geschichten aus der Flüchtlingshilfe, von Kooperationen mit der Bundesministerin Dr. Sabine Oberhauser, einer privaten Anekdote und den Interviews mit den damaligen Bundespräsidentenkandidaten weisen darauf hin „Was Pflege alles erreichen kann, wenn man nur gemeinsam wertschätzend netzwerkt.“ Zu guter Letzt gibt es einen Ausblick auf die nächsten Projekte. Mit diesen Worten ist das Symposium offiziell eröffnet.

 

(C) Goran Andric

09.30 – „Dem Menschen Mensch sein – Ein Plädoyer für die Würde des Menschen“ – Wenn jemand die Worte „Würde des Menschen“ eindringlich an Symposiumsgäste weitervermitteln kann, so ist es mit Sicherheit Sr. Dr. Liliane Juchli. „Wissen Sie, was mich ein Berufsleben lang begleitet hat: Ich sorge für die Menschen die in ihrer Bedürftigkeit, wie in ihrer Würde ernst genommen und respektiert werden müssen. Miteinander Mensch sein oder noch konkreter: Dem Menschen Mensch sein.“ Schon diese ersten Worte vermitteln, worauf Pflege niemals vergessen sollte:“ Wertschätzung auf Augenhöhe“, nicht nur zwischen den Berufsgruppen, sondern auch bei der PatientInnen-Pflegefachkraft-Beziehung. Die Liebe zum Menschen und die Begeisterung zu ihrem erwählten Beruf fließen in jeden einzelnen Satz und übertragen sich auf die Gäste. Trotz ihrer 83 Jahre ist diese hervorragende Frau anscheinend nicht müde geworden, sondern vermittelt die Essenz des Berufbildes voller Überzeugung.

 

(C) Goran Andric

09.55 – „Ko-Kompetenzen – Die Zukunft der Zusammenarbeit“ – Es folgt der Vortrag von Dr. Christoph Zulehner, der mit einer spannenden Geschichte über die Panama Papers in die Thematik „Ko-Kompetenz“ und „Spezialisierung“ einleitet. Die Bedürfnisse des Einzelnen und die Notwendigkeit einer Spezialisierung haben sich im Laufe der Zeit verändert.  Mit einer Eisschollen-Metapher beschreibt er die Erforderlichkeit der Zusammenarbeit, wenn man in der heutigen Zeit auf Dauer nicht untergehen möchte. Die überzeugende Mischung aus Analyse und unterhaltenden Einlagen beweisen wie immer, dass Dr. Christoph Zulehner zu den Top Speakern des deutschsprachigen Raumes gehören. Man kann auf sein neues Werk „Make the Fake“ auf jeden Fall gespannt sein. In der Pause nach diesem Vortrag entdeckte man beide Vortragenden bei Kaffee und Diskussion am Büchertisch des Symposiums.

 

 

(C) Katrin Schützenauer

11.05 – „Fördernde Prozesspflege – eine Chance für personenzentrierte Professionalität?“ – Wenn sich jemand über die fördernde Prozesspflege Gedanken gemacht hat, so muss man hierbei sofort einen Namen nennen: Frau Prof. Dr. Monika Krohwinkel. Wer nun glaubt, das Thema könne schnell mit den ABEDLs abgehandelt werden, merkt schon in den ersten Minuten des Vortrags, dass es hierbei um wesentlich mehr geht. Themen wie die Unsichtbarkeit der Pflegeprozesse, die Dimensionen der Diskontinuität und den diversen Zusammenhängen bei Pflegeprozessen zeigen auf, dass wir vieles in unserem täglichen Tun überdenken sollten und das Modelle keine praxisfernen Theorieblöcke sind, sondern aus den Erkenntnissen und Beobachtungen des Alltags entstehen. Mit den Worten “ Das konzeptuell und handlungsorientiert integrierte  System Fördernde Prozesspflege  kann  eine Grundlage zur  Entwicklung personenzentrierter Professionalität sein.“, beendet Frau Prof. Dr. Monika Krohwinkel ihren Vortrag, den es komplett in der nächsten Printausgabe von „Pflege Professionell“ zu lesen gibt.

 

(C) Katrin Schützenauer

Durch die professionelle Betreuung der Mitarbeiterinnen des Franziskus Spitals wurde die Mittagspause zum kulinarischen Gaumenschmaus, welcher durch die schnelle Betreuung aller Personen keine langen Wartezeiten hatte. Alle eingesetzten Personen setzten sich von Anfang bis zum Ende engagiert und wertschätzend ein. Die letzte Vortragende vor der Pause, Frau Prof. Monika Krohwinkel, bemerkte hierbei:“ Dieses Haus ist voller Wertschätzung das spürt man in jedem Winkel dieser Institution.“ Während bei vielen Veranstaltungen die Räumlichkeiten nach der Mittagspause leerer werden, ist diesmal die Absenz von TeilnehmerInnen sehr minimalistisch. In den Pausen wurde genetzwerkt und man knüpfte neue Bande zwischen Führung, Wissenschaft und Praxis.

 

 

(C) Katrin Schützenauer

13.00 – „Warum fragen wir nicht noch die FIFA!?! – Pflege und Politische Ränkespiele“ – In Deutschland entscheiden derzeit viele Personen über die Zukunft des Pflegeberufes, auch jene, die eigentlich  gar nicht mitreden sollten. So beginnt der Vortrag von Prof. Dr. Michael Bossle mit der interessanten Frage:“ Warum fragen wir nicht noch die FIFA.“ Die Entscheidungsträger, vor allem im bayrischen Raum kommen laut Bericht nicht aus den eigenen Berufsreihen, sondern primär aus anderen Gebieten oder aus den Trägerschaften. „Ich möchte in diesem Sinne für eine politische Bildung plädieren, die sich auf Mitsprache, Teilhabe, Partizipation und politisch- analytischer Kompetenz beruft. Ebenso auf eine Bildung, die unter Kenntnisnahme der Zustände auf kritische Art und Weise Widersprüchlichkeiten und das Problematisierungspostulat zum Anlass nimmt“ beendet Prof. Dr. Michael Bossle seinen Vortrag.

 

(C) Katrin Schützenauer

14.10 – „Bedeutung der Pflegewissenschaft für die Praxis“ – Sind Pflegewissenschaft und Pflegepraxis zwei unterschiedliche Themenbereiche (Theorie und Praxis) oder ist beides so sehr essentiell miteinander verbunden? „Von eminenzbasierten Erkenntnissen“ zu „evidenzbasierten Erkenntnissen“ Mit mitreißendem  Charme und naheliegenden Forschungsergebnissen berichtet Prof. Christel Bienstein über das wissenschaftliche Tun und den daraus resultierenden Ergebnissen. Hierbei lässt sie auch nicht die Problematiken mit Herstellern aus, die bei der einen oder anderen Forschungsarbeit entstanden ist. Unser Fazit dieses Vortrags: Würden Forschungsergebnisse so präsentiert werden wie die vorgetragenen 50 Minuten, gebe es nirgends die Diskussion, ob Pflegewissenschaft eine Bedeutung für die Pflegepraxis hat.

 

 

(C) Katrin Schützenauer

15.20    „“… damit habe ich nicht gerechnet! –  Wenn Menschen zu pflegenden Angehörigen werden.“ – Ein wichtiges Thema im Gesundheitswesen sind pflegende Angehörige. Doch was ist der österreichische Stand bei diesem Thema? Wie werden diese Menschen unterstützt? Landtagsabgeordnete Birgit Meinhard Schiebel ist nicht nur in der Politik für dieses wichtige Thema zuständig. Sie ist auch die Präsidentin der Interessengemeinschaft für pflegende Angehörige. Wer könnte besser über dieses Thema vortragen, als Birgit Meinhard-Schiebel. Die Vortragende berichtet über die Probleme der Kontaktaufnahme, über die Bedürfnisse dieser starken Personengruppe und über Kinder, die sich um pflegebedürftige Eltern kümmern. Der Tag endete mit einem wertschätzenden und emotionalen Thema und fand mit diesem letzten Vortrag ein ebenbürtiges Ende.

 

 

 

 

Damit endete ein spannendes Symposium und alle Beteiligten verließen den Festsaal des Franziskus Spitals. Während die TeilnehmerInnen mit Eindrücken und Themen in Richtung Heimat steuerten, kümmerte sich das Personal des Spitals um den Abbau der Festivitäten. Das Veranstaltungsteam arbeitet nur wenige Stunden nach diesem Event bereits an der Fortsetzung…..

Wir bedanken uns bei allen Beteiligten und TeilnehmerInnen, die diese Veranstaltung möglich gemacht haben.

FOTOGALERIE von Goran Andric und Katrin Schützenauer (Katz)